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Die Naturfreunde halten Ausschau nach den Vögeln. FOTO: BF

Immer weniger Arten zu sehen

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Gießen(bf). Amsel, Blaumeise oder Grünfink - sie gehören zu den Wintervögeln. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in der kalten Jahreszeit die heimischen Gefilde nicht in Richtung warmen Süden verlassen. Um ihren Bestand zu erfassen, führt der Naturschutzbund NABU bereits seit zehn Jahren große Zählaktionen durch, "die Stunde der Wintervögel". So auch am vergangenen Wochenende. Dafür musste man eine Stunde lang alle gesichteten Vögel und deren Anzahl notieren und das Ergebnis dem NABU zukommen lassen. Als Hilfe dienten Broschüren, die der Verein im Vorfeld ausgegeben hatte oder auch eine Handy-App, in der alle 308 heimischen Wintervögel aufgeführt sind.

Mit dieser Aktion möchte der NABU ein möglichst umfassendes Bild über den Bestand gewinnen. Veränderungen bei einzelnen Arten lassen sich so schnell feststellen und Schutzmaßnahmen in die Wege leiten, erläutert Christoph Wilhelm, Vorsitzender der Gießener NABU-Ortsgruppe "Die Schlammspringer". Sie besteht seit 1985 und hat derzeit etwa zehn bis 15 aktive sowie 300 passive Mitglieder.

Am Sonntag waren die Gießener Bürger zum öffentlichen Vogelzählen am Alten Friedhof eingeladen. "Der Alte Friedhof ist eine wahre Oase für Vögel", sagt Dietmar Wosimsky vom Freundeskreis Alter Friedhof. Er und sein Freundeskreis haben dort schon zahlreiche Nistkästen für die Vögel errichtet. Dass der Alte Friedhof etwas Besonderes im Stadtgebiet für die Vögel darstellt, meint auch Marion Schütz, zweite Vorsitzende des NABU-Ortsverbands: "Er bietet vor allem durch seine Vielfalt an Bäumen den unterschiedlichsten Vogelarten Unterschlupf", erzählt sie.

Ausgerüstet mit Fernglas und dem Ausfüllbogen begaben sich die etwa 15 Teilnehmer auf Vogelsuche. Auch die Studentin Ramona Jung nahm teil. Sie will wissen, wie es um den Vogelbestand bestellt ist, sagt sie. Denn es gebe deutlich weniger Arten. Monika Schütz zufolge hat das vor allem mit dem Klimawandel zu tun. Insbesondere die immer heißeren Sommer würden den Vögeln zu schaffen machen. Viele Kräuter und Pflanzen vertrockneten, damit werde den Vögeln die Nahrungsgrundlage entzogen. So sei der Bestand an Amseln, Lerchen und auch an Staren zurückgegangen. Auch die Winter würden immer wärmer, dies habe vor allem Auswirkungen auf die Zugvögel. Immer häufiger seien hier Vogelarten im Winter zu beobachten, die sonst überwiegend in südlicheren Regionen Rast machen würden, etwa Silberreiher oder Rotmilane.

Doch nicht nur der Klimawandel habe Einfluss auf den Vogelbestand: "Durch immer ausgedehntere Bauflächen wird zunehmend der Lebensraum der Vögel zerstört", beklagt das NABU-Vorstandsmitglied Oliver Tschirschnitz. Er sieht die Stadt Gießen in der Pflicht, solch naturschädigenden Bauvorhaben entgegenzuwirken.

Weitere Projekte

Um sich für die Vogelwelt in Gießen einzusetzen, betreut der NABU auch noch andere Projekte in der Stadt. So ist er etwa für die Nistkästen im Akademischen Forstgarten im Schiffenberger Wald zuständig oder betreut verschiedene Biotope innerhalb des Stadtgebiets. Eine weitere Vogelzähl-Aktion findet im Mai statt, "Die Stunde der Gartenvögel", der den Vogelbestand im Frühjahr erfassen soll.

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