Das Festivalteam  hat für das „Hungry Eyes“-Festival auch mehrere Künstler und Künstlerinnen eingeladen.
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Das Festivalteam hat für das „Hungry Eyes“-Festival auch mehrere Künstler und Künstlerinnen eingeladen.

Dreitägiges digitales Format

„Hungry Eyes“-Filmfestival startet heute: Das gibt es vom Sofa aus zu erleben

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Am heutigen Freitag startet das Hungry Eyes Festival. An der Schnittstelle zwischen Film, Performance und Installationskunst ist das Festival erstmals als digitales Format zu erleben.

Gießen – Das heute beginnende Hungry Eyes Festival findet erstmals digital statt. Geplant war das ursprünglich nicht. Schließlich wollte das Festivalteam besonders den installativen und performativen Arbeiten gerecht werden und sie im KiZ vor Live-Publikum zeigen. Lange habe man versucht, an einer analogen Version festzuhalten, berichten Anne Mahlow, Sophia Scherer und Amélie Haller vom Festivalteam. Doch angesichts der Corona-Lage blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich für die dritte Auflage des Festivals der Herausforderung zu stellen. Nun geht das Team produktiv mit den Umständen um und verlagert das Festival in den digitalen Raum. Das Publikum kann die künstlerischen Arbeiten bequem und vor allem sicher von zu Hause aus über www.hungryeyesfestival.de ansehen. Und das wie gewohnt bei freiem Eintritt.

„Hungry Eyes“-Filmfestival: 770 Einreichungen aus 62 Ländern

Das Hungry Eyes Festival ging 2017 aus dem Filmfestival »Filmsommer« (2016) hervor und schärfte über seine beiden Ausgaben 2017 und 2018 sein Profil. Ursprünglich wurde es von einer Gruppe von Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft ins Leben gerufen. Dass es nun in diesem Jahr digital stattfinden muss, bewerten die Organisatoren durchaus zweigeteilt. »Es ist sehr schön, dass wir unser Publikum so wahnsinnig vergrößern und in die ganze Welt streamen können. Aber gleichzeitig bedauern wir, dass es gerade bei den Installationen schwierig ist, eine angemessene Präsentationsform zu finden«, sagt Amélie Haller. Sie hätten aber auch durchaus Spaß gehabt, dieses Format und seine Besonderheiten zu entwickeln, ergänzt Sophia Scherer.

»In diesem Jahr haben wir über unseren Open Call so viele Einreichungen bekommen wie noch nie zuvor«, erzählen die Organisatorinnen. Aus 770 Einreichungen aus 62 Ländern haben sie ein Programm mit über 40 beteiligten Künstlern, 23 Kurzfilmen und neun installativen und performativen Arbeiten zusammengestellt. Beworben haben sich dank des für Festivals eher ungewöhnlichen Open Calls ganz unterschiedliche Leute: Etablierte Künstler ebenso wie Studierende, die gerade erst ihr Studium aufgenommen haben. »Weil die Bewerbungen während der Corona-Pandemie eingegangen sind, gab es einen gewissen Prozentsatz, der sich mit der Pandemie auseinandersetzt«, sagt Amélie Haller. »Sehr eigen und besonders waren aber alle Arbeiten«, ergänzt Sophia Scherer.

Vom 5. bis 7. Februar erwarten die Besucher nun drei Kurzfilmprogramme, mehrere Performances, ein großer Fundus an Materialien zu allen Installationen und zum Abschluss des Festivals die »Trash-Night«, bei der das Publikum über die Gewinner des Goldenen Toast Hawaii entscheidet. Gewürdigt werden in der Sonderkategorie »Trash« die oft als »Geschmacklosigkeit« verunglimpften Perlen des Kurzfilms.

„Hungry Eyes“-Filmfestival: Die Website als Eingangstor

Alle anderen Kurzfilme werden in drei Kurzfilmprogrammen über die Website verfügbar sein und darüber hinaus wird es zu jedem Kurzfilmprogramm ein Nachgespräch in Anwesenheit der Filmschaffenden geben. Die Kurzfilme sind über den gesamten Festivalzeitraum verfügbar. Eingangstor zu allen Angeboten ist die Website.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Gesprächsformate und Porträt-Videos der Künstler, die sich bei einem digitalen Treffen in dieser Woche erstmals gegenseitig kennenlernen konnten. »Wenn man ein Festival macht, das im digitalen Raum stattfindet, dann schickt man irgendwie alles in den Orbit und es kommt nicht zwangsweise etwas zurück. So hat aber nun durch die Körperlichkeit das Festival ein Gesicht bekommen«, freut sich Sophia Scherer. »Das Gleiche wünschen wir uns auch mit dem Publikum.« »Wir kuratieren das Programm im Kollektiv«, berichten die Organisatoren. Alle 13 Teammitglieder hätten alle Einreichungen gesichtet und eine Auswahl getroffen. Anschließend wurde das Programm in mehreren Diskussionsrunden zusammengestellt. Bei der Entscheidung, welche Arbeiten gezeigt werden sollen, sei es ihnen um die Art der Auseinandersetzung im Beitrag mit dem Medium Film gegangen. »Es ging um den Blick, um die Frage, wie bewusst mit dem Medium Film umgegangen wurde und wie spielerisch Sachen gefunden wurden«, erläutert Amélie Haller die Auswahlkriterien. Geachtet habe man auch darauf, welche Beziehungen die Arbeiten untereinander haben, um einen Festivalkontext zu erhalten. Auch Genderfragen wurden berücksichtigt. »Es war uns wichtig, dass sich das die Waage hält«, meint Anne Mahlow.

Für die Performances und Installationen hat sich das Organisationsteam - neben jeder Menge Material auf der Website - ein besonderes Format ausgedacht: den »hungry festival talk: how to imagine a festival that did not happen«, ein Live-Kamerarundgang, bei dem die Künstler über die Arbeiten sprechen. Man kann sich hier vorstellen, wie das Festival analog ausgesehen hätte.

Hungry Eyes“-Filmfestival: Das ist das Programm

Zu einigen Performances gibt es transformierte Versionen der Arbeiten im digitalen Raum, wie beispielsweise die Performance-Aufzeichnung von »Pulp of the Sea« von Biba Cole am Freitag, die Live-Performance »Up In Arms« von Anna-Maria Nabirye und Annie Saunders am Samstag und den Mitschnitt der Performance »Connected Realities« von Giorgi Gedevanidze, Phaidon Gialis, Seongmin Yuk am Sonntag. Alle werden bis zum Ende des Festivals auf der Website zugänglich sein.

Eine Art Eingangstor zu allen Angeboten ist die Website www.hungryeyesfestival.de. Um immer auf dem Laufenden zu sein, können sich Besucher über den Telegram-Kanal hungry channel informieren, ein Festival-Live-Ticker mit allen Links und Infos zu den Veranstaltungen. Der kann über diesen Link abonniert werden: t.me/hungryeyesfestival.

Freitag, 5. Februar

19.30 Uhr Eröffnung

19.45 Uhr »Pulp of the Sea« (Performance von Biba Cole)

20 bis 21.50 Uhr: Kurzfilme

Samstag, 6. Februar

11.30 bis 16 Uhr: Shortfilm Talk (Pause um 13.30 Uhr)

16 bis 18 Uhr: hungry festival talk: How to imagine a festival that did not happen

18.30 bis 19.45 Uhr: »Up in Arms« (Live-Performance von Anna-Maria Nabirye und Annie Saunders)

20 bis 20.50 Uhr: Kurzfilme

Sonntag, 7. Februar

19.30 bis 19.50 Uhr: »Connected Realities«, Performance-Aufzeichnung

20 bis 21.30 Uhr: Trash-Night

Alle Programminfos auf www.hungryeyesfestival.de sowie auf den Social Media Kanälen, auf denen täglich eine künstlerische Arbeit genauer beleuchtet wird.

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