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Hunde kastrieren und helfen

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    Eva Diehl
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Angehende Tierärzte an das Handwerk der Kastration heranführen und etwas für den Tierschutz tun: Das sind die Ziele eines Straßenhund-Projektes in Bulgarien. Die Uni Gießen ist federführend.

Rund 6000 herrenlose Hunde streunen durch die Straßen der bulgarischen Stadt Schumen. Einige sind abgemagert, andere krank, manche beißen oder sind schwanger. Der Gießener Professor Axel Wehrend ist Facharzt für Reproduktionsmedizin und erkennt darin mehrere Gefahren: Zum einen, sagt er, gebe es eine hohe Sterblichkeit unter den Welpen, weil sie nicht versorgt werden. Dann gehe von den vielen Streunern gerade im Straßenverkehr eine hohe Unfallgefahr aus. Weil die halbzahmen bis wilden Tiere außerdem beißen – vor allem Artgenossen – stellten sie eine Infektionsquelle gerade für Haustiere dar. "Prävention durch Kastration", bringt Wehrend das Ziel des Pilotprojekts auf den Punkt, an dem die Justus-Liebig-Universität beteiligt ist.

Fünf angehende Tiermediziner aus Gießen und weitere fünf Studenten der Trakischen Universität Stara Zagora (Bulgarien) bereiten sich seit diesem Monat gezielt auf den Einsatz vor. In der Theorie lernen sie gerade, wie ein Hund fachmännisch kastriert wird; außerdem schauen sie den Experten bei Eingriffen über die Schulter. Im Schumener Tierheim werden sie Anfang 2019 unter Anleitung und Kontrolle erfahrener Veterinärmediziner wie Wehrend oder dem Wetterauer Tierarzt Roger Wagner ans Werk gehen. Beteiligt ist auch die Bernd-Stephan-Tierschutz-Stiftung aus Bad Homburg.

Die Studenten sollen nicht einfach so an Tieren üben

Prof. Axel Wehrend

Wehrend ist seit zehn Jahren in Bulgarien als Veterinär unterwegs und freut sich, dass das Straßenhund-Projekt nach Osteuropa führt. Die deutschen Studenten profitierten davon, sagt er, mit Kommolitonen aus einem anderen Land zusammenzuarbeiten . "Diese Region hat leider nicht den besten Ruf bei jungen Menschen", sagt er. Mit dem Einsatz in Bulgarien hofft er, dies zu ändern. Wichtig ist ihm, dass im Rahmen des Projektes junge Veterinäre unter Aufsicht von Experten "an das Handwerk der Kastration" herangeführt werden und gleichzeitig der Tierschutzgedanke eine große Rolle spielt. Wehrend betont: "Die Studierenden sollen nicht einfach so an den Tieren üben, sondern sind als begleitende Hilfe eingebunden."

Die Hilfe vor Ort steht dabei im Zentrum. Denn es helfe nicht, Straßenhunde nur nach Deutschland zu bringen oder im Tierheim zu versorgen, sagt der Wetterauer Tierarzt Wagner. "Damit verbessern wir die Lage für einige Tiere, stoppen das Grundübel aber nicht." Eine Hündin könne einmal im Jahr vier bis zehn Welpen werfen. Selbst wenn von dem Nachwuchs nur die Hälfte überlebe, wären das in einem zehnjährigen Hundeleben zwanzig bis fünfzig neue Streuner.

Stiftung gibt Geld

Im Schumener Tierheim sind 2017 über 700 Hunde und Katzen kastriert worden. In der Anlage leben dauerhaft rund 400 Hunde, die gefüttert, kastriert und medizinisch versorgt werden. Einige werden auch nach Deutschland vermittelt. Betreut wird das Tierheim vom deutschen Verein Grund zur Hoffnung sowie dem bulgarischen Partnerverein Hope for Animals mit Unterstützung der Stadtverwaltung. Gelder für Kastrationen und laufende Kosten spendet die Bernd-Stephan-Tierschutz-Stiftung.

Die Arbeit mit Streunern unterscheidet sich laut Wagner wesentlich von der mit Tieren, die dauerhaft bei ihren Haltern leben. "Bei Haustieren wissen wir meist sehr genau über Vorerkrankungen Bescheid. Mit den Streunern haben wir eine unbekannte Vorgeschichte auf dem Tisch." Daher müssten die Tiere sehr genau untersucht werden – vor allem vor einer Operation mit Narkose. Solche praktischen Erfahrungen im und vor dem OP sammelten Studenten in der Regel nicht an der Uni.

Info

Spenden für OP benötigt

Für die Kastration von Straßenhunden will die Bernd-Stephan-Tierschutz-Stiftung aus Bad Homburg zwei OPs und zwei Vorbereitungsräume in einem bulgarischen Tierheim ausstatten. Tische, Lampen, chirurgisches Besteck, Sterilisation sowie Medikamente, Mikrochips und Verbrauchsmaterialien sollen angeschafft werden. In den Räumen in Schumen sollen angehende aus Deutschland und Bulgarien Tierärzte lernen, das kastrieren lernen. Spenden gehen unter dem Stichwort "Kastrationsprogramm",Taunus-Sparkasse in Bad Homburg auf das Konto IBAN DE25 5125 0000 0001 1206 20.

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