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Für 25-jährige Mitgliedschaft werden Ulrich Schlör, Rosemarie Petzinger und Jutta Petzinger geehrt.

Hütte und Halle als Sorgenkinder

  • Guido Tamme
    VonGuido Tamme
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Gießen (ta). Auch für die Sektion Gießen-Oberhessen im Deutschen Alpenverein war 2020 kein leichtes Jahr. Geplant war, dass die Kletterhalle weiter ihre Eintrittszahlen und damit ihre Wirtschaftlichkeit steigert. Und vorbereitet waren jede Menge Touren für Bergwanderer und Kletterer. Doch dann kam Corona und zwang zur Absage fast aller Aktivitäten sowie zu einer zweimaligen Schließung des Kletter- und Boulderzentrums an der Rödgener Straße.

Immerhin: In finanzieller Hinsicht ist der größte Gießener Sportverein glimpflich davongekommen. Das unterstrich Vorsitzende Dr. Ulrich Schlör in seinem Rechenschaftsbericht bei der Jahreshauptversammlung in der Sporthalle der Sophie-Scholl-Schule.

Die erste Negativüberraschung des Jahres war der Wegzug von Kletterhalle-Betriebsleiterin Maren Becker. Nachdem die Sportstätte zunächst von einigen Helfern ehrenamtlich geleitet wurde, übernahm zum 1. April Salome Ryll den Posten. Ihr Engagement führte zu einer vermehrten Auslastung der Halle und neuen Kooperationen, ehe Anfang November eine Schließung bis Mai erforderlich wurde. Diese Zwangspausen haben bisher zu Einnahmeausfällen von 80 000 Euro geführt. Ein Teil davon soll aus der staatlichen Corona-Beihilfe ersetzt werden, doch warten in Hessen immer noch alle Sektionen mit Kletterhalle auf die bewilligten Gelder.

Zweites Sorgenkind des hiesigen Alpenvereins war im vergangenen Jahr die Gießener Hütte im Kärnten. Dort blieben die Tagesgäste aus unterschiedlichen Gründen aus, was der Pächterin beträchtliche Einnahmeeinbußen brachte. Immerhin lag die Zahl der Übernachtungen mit 1113 in den drei Öffnungsmonaten auf dem gewohnten Niveau.

Finanziell steht der Verein nach Darstellung von Schatzmeisterin Gabi Nicolai gesund da. Trotz der Corona-Einbuße gab es statt des geplanten Defizits von 50 000 Euro dank sparsamen Wirtschaftens und verringerter Personalkosten einen Überschuss von 14 000 Euro. Dabei hatte die Sektion sogar 50 000 Euro vom Kredit für den Bau der Kletterhalle an den Dachverband abgestottert. Allerdings warten noch weitere 1,9 Millionen Euro auf ihre Tilgung. Für das laufende Jahr wird mit Ausgaben von 535 000 Euro und mit einem Minus von 84 000 Euro kalkuliert, vor allem wegen der Hallenschließung.

Lob für den Vorsitzenden

Erfreulich entwickelte sich auch die Mitgliederzahl. Nachdem der umstrittene Hallenbau und die Querelen im Vorstand jahrelang zu einem kräftigen Schwund geführt hatten, bis 2017 der Tiefststand mit 2188 Mitglieder erreicht war, geht es wieder aufwärts, vor allem durch die Eintritt von Sportkletterern. Aktuell gibt es 2640 Vereinsangehörige.

Die Ehrung langjähriger Mitglieder verlief flott. Nur zwei von 38 mochten ihre Urkunden persönlich in Empfang nehmen, nämlich Rosemarie und Jutta Petzinger. Beide waren vor 25 Jahren über das Bergwandern zum Alpenverein gestoßen. Seit einem Vierteljahrhundert dabei ist auch der nimmermüde Vorsitzende Ulrich Schlör. Dessen Stellvertreterin Ute Wächter-Pahl bescheinigte ihm: »Du warst das wichtigste Mitglied in den letzten vier Jahren: Ohne dich gäbe es die Sektion womöglich nicht mehr.«

Nur ein Randthema war an diesem Abend die Schadensersatzforderung an den früheren Vorsitzenden Gunnar P. Theiß. Wie mehrfach berichtet, verlangt die Sektion von ihm wegen vermeintlich zweckwidriger Ausgaben rund 110 000 Euro für die Jahre 2015 bis 2017 zurück. Der seit Ende 2019 anhängige Rechtsstreit am Landgericht verläuft sehr zäh, mittlerweile ist der dritte Richter zuständig. Auf Eis liegt deshalb auch die Strafanzeige gegen den abgewählten Vorsitzenden wegen Untreue.

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