Anna Marcelli freut sich, ab Freitag auch wieder Touristen beherbergen zu dürfen. FOTO: FRIEDRICH
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Anna Marcelli freut sich, ab Freitag auch wieder Touristen beherbergen zu dürfen. FOTO: FRIEDRICH

Gießen-Tourismus

Hoteliers in Gießen hoffen auf Lahntouristen

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Am Freitag dürfen die Gießener Hotels wieder Gäste empfangen. Endlich, sagen sie. Denn die vergangenen Wochen waren für sie ein harter Kampf.

Eine Stadt ohne Meer: Auch ohne die Heimat-Ode der Band OK KID ist bekannt, dass Gießen nicht gerade als Urlaubsparadies gilt. Trotzdem freut sich die Stadt seit Jahren über steigende Touristenzahlen. Doch dann kam Corona. Wochenlang durften die Hoteliers lediglich Geschäftsreisenden ein Zimmer vermieten. In einer Zeit voller Kurzarbeit und Homeoffice keine gewinnbringende Einnahmequelle. Anna Marcelli, Betreiberin des Cityhotels am Kreuzplatz, hat das auch erfahren müssen. "Es war wie im Geisterhotel", sagt die Direktorin. Doch das soll sich jetzt ändern.

"Pensionen, Privatzimmer und Hotels können ab dem 15. Mai zu touristischen Zwecken ihren Betrieb wiederaufnehmen", heißt es in der Mitteilung der hessischen Landesregierung von vergangener Woche. Vielen Hoteliers dürfte beim Lesen ein Stein vom Herzen gefallen sein, auch wenn ein Gäste-Ansturm in der aktuellen Lage kaum zu erwarten ist. Trotzdem. Es ist ein erster kleiner Schritt zurück zur Normalität.

"Die vergangenen Wochen waren hart", sagt Marcelli. Zumal die Universität ihr Programm auf ein Minimum zurückgefahren habe und daher auch keine Kongressbesucher nach Gießen gekommen seien. "Das Stadttheater, mit dem wir ebenfalls regelmäßig zusammenarbeiten, hat auch geschlossen", sagt die Gastgeberin. Die Folge: Keine Einnahmen, dafür aber weiterhin laufende Kosten. "Die Hälfte des Personals musste in Kurzarbeit, das Telefon hat teilweise tagelang nicht geklingelt", sagt Marcelli. E-Mails hingegen seien sehr wohl eingegangen, allerdings nur mit Stornierungen. Umso mehr freut sich die Hotelsdirektorin auf den Freitag. "Es läuft zwar schleppend an, aber wir haben schon wieder die ersten Buchungen. Besonders von Stammgästen, die sich ebenfalls auf eine Rückkehr ins Hotel freuen."

170 692 Übernachtungen haben die 18 Gießener Hotels 2019 verzeichnet. Das ist ein Plus von 2,3 Prozent. Die Auslastungsquote lag bei 55,8 Prozent, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 1,8 Tagen. Für das laufende Jahr wird das Ergebnis vermutlich schlechter ausfallen. Aber es gibt Hoffnung auf einen Aufwärtstrend.

Derzeit ist unklar, welche Möglichkeiten die Deutschen in den kommenden Monaten haben werden, wenn es um die Reiseplanung geht. Überfüllte Strände auf Mallorca, in der Türkei oder auf den Kanaren sind jedoch nur schwer vorstellbar. Für die deutsche Tourismusbranche könnte das ein Vorteil sein. Das glaubt auch Frank Hölscheidt, der die Gießen Marketing GmbH leitet. "Wir stellen in der Tourist Info derzeit eine deutlich höhere Nachfrage nach Rad- und Wanderwegen fest", sagt Hölscheidt und betont: "Wir gehen davon aus, dass aufgrund der Reisebeschränkungen der Bereich Naherholung auch in Gießen ansteigen wird."

Zeitweise kein einziger Hotelgast

Das Steinsgarten ist mit 186 Betten das größte Hotel der Stadt. In den vergangenen Wochen blieben die meisten der 126 Zimmer jedoch leer. "Wir hatten oft nur zehn Gäste pro Tag. Manchmal sogar keinen einzigen", sagt Direktor Sven Appelt. Zum Vergleich: Vor Corona zählte das Hotel eigenen Angaben zufolge wochentags über 120 Gäste, an den Wochenenden sogar bis zu 180.

Auch Appelt blickt zuversichtlich auf Freitag, zumal dann auch wieder das eigene Restaurant öffnen kann. "Das ist natürlich mit erheblichen Vorschriften verbunden. Aber wir haben ein sehr gutes Hygienekonzept ausgearbeitet."

Nach den ruhigen Wochen mit erheblichen Einbußen hofft der Direktor des Steinsgarten nun auf viele Gäste. "Wir merken, dass die Reiselust zurückkehrt. Wir haben schon touristische Buchungen, was uns sehr freut."

Auch Appelt kann sich vorstellen, dass Gießen aus touristischer Sicht von den Corona-Beschränkungen profitiert. "Ich denke, viele Menschen werden innerhalb Deutschlands verreisen und gerade Wochenendurlaube im Mittelland verbringen." Natürlich weiß Appelt, dass viele Städte und Regionen darauf setzen. Umso wichtiger sei es, dass Stadt, Hotels, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen attraktive Angebote schaffen. "Wenn das nicht passiert, gehen die Leute woanders hin."

Einen großen Mosaikstein könnten dabei die Lahntouristen bilden. Schon in den vergangenen Jahren haben die Rad- und Kanufahrer für einen Anstieg der Übernachtungszahlen gesorgt. "Ich hoffe, dass ab Juni, wenn das Wetter schön bleibt, noch mehr Touristen über die Lahn nach Gießen kommen", sagt auch Anna Marcelli vom Cityhotel.

Gießen ist zwar eine Stadt ohne Meer. Dafür hat sie einen Fluss, der die heimischen Hoteliers über Wasser halten könnte.

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