Auch Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser (l.) lässt sich von den Kindern gerne die Geheimnisse des Bushaltestellenkinos im Karton zeigen. FOTO: GL
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Auch Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser (l.) lässt sich von den Kindern gerne die Geheimnisse des Bushaltestellenkinos im Karton zeigen. FOTO: GL

Horizonte erweitert

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Seit Anfang Juni wurde in der Nordstadt mit Kindern der Georg-Büchner-Schule das Projekt "Wohin fährst du?" durchgeführt. Es entstand eine Art "Fahrplan des Unterwegsseins", der zum Abschluss an der Bushaltestelle Ederstraße präsentiert wurde und die Kinder auch mit der Welt jenseits ihres Viertels bekannt gemacht hat.

Die Geschichten liegen am Straßenrand. Diese alte Reporterweisheit können knapp 20 Kinder der Georg-Büchner-Schule unterschreiben. Seit Anfang Juni haben sich die künftigen Fünftklässler zweimal pro Woche getroffen. Sie haben die Haltestellen der Buslinie 12 bis zur Station am Berliner Platz erkundet, Fahrgäste und Wartende beobachtet und aus ihren Beobachtungen kleine Geschichten formuliert - und so ganz nebenbei kreativ und spielerisch die Stadt jenseits ihres Viertels erkundet. Schließlich stehen die Kinder vor dem Übergang auf weiterführende Schule in Gießen oder Kleinlinden. Und dabei ist für viele von ihnen schon die Gegend jenseits der Bahnlinie unbekanntes Land. Sie müssen lernen, auch eigenverantwortlich Wege zu gehen und zu erkunden.

Die kleinen Geschichten haben die Kinder unter der Projektleitung von Claudia Jirka und Roland Siegwald in kurze Spielszenen umgewandelt. Diese wurden nun bei einem Abschlussfest an der Bushaltestelle Ederstraße präsentiert.

Entgegen der skeptischen Prognose sei der Andrang groß gewesen, berichtet Claudia Jirka. Und das habe auch am Corona-Lockdown gelegen, der die Kinder und ihre Familien herausgefordert habe. Umso froher waren die Jungen und Mädchen, gemeinsam mit anderen Kindern kreativ sein zu können. Morgens während der ausgefallenen Schulzeit und nachmittags in der Malschule konnten sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die Viertklässler haben beispielsweise Menschen an der Bushaltestelle beobachtet und die unterschiedlichen Typen als Knickfigurzeichnungen dargestellt.

Und so stehen bei der Abschlusspräsentation, an der auch Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser, Sabine Imhof vom Kulturkoffer und einige Eltern teilnehmen, gezeichnete Porträts von "Pupsi Queen", "Katzi Fratzi" oder "Stinkende Socke" auf Hölzern aufgespießt parat. Die Jungen Kasra, Semir und Minas lauschen dem Klang eines Walkmans, auf dem von den Kindern geschriebene Kurzgeschichten vorgelesen werden. Andere Jungen und Mädchen versuchen sich als Sprecher und präsentieren kurze Bushaltestellennachrichten hinter einem gebastelten Fernsehschirm. Die Kinder haben außerdem bunte Abstandshüte gebastelt, die Haltestelle mit Tischen und Sitzsäcken wohnlich ausgestattet und sorgen während der Wartezeit mit einem kleinen Kartonkino, in dem ein langer Papierstreifen mit einer Geschichte läuft, für Abwechslung. Und in einer Art Mini-Zeitung kann man Texte und Zeichnungen nachschlagen, die in den vergangenen Wochen entstanden sind. Sonst schüchterne Kinder haben sich bei einem Ausflug an den Berliner Platz getraut, Menschen anzusprechen und zu befragen - schließlich sollen sie auch lernen, wie sie in fremder Umgebung Leute richtig einschätzen können.

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