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Zu Homeoffice verdonnert

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Noch vor wenigen Wochen war Homeoffice die Ausnahme. Seit Corona macht es jeder, dem es möglich ist. Dorothée de Nève gestaltet ihren Arbeitsalltag schon seit vielen Jahren so. Mit Erfolg. Die Professorin weiß aber auch: Durch das Coronavirus wird die Heimarbeit nicht leichter.

Ausnahmezustand. Alles, was nicht die kritische Infrastruktur betrifft, bleibt geschlossen. Jeder, dessen physische Anwesenheit nicht erforderlich ist, arbeitet von zu Hause aus. Für viele Menschen ist das eine gravierende Umstellung. Die JLU-Professorin Dorothée de Nève hingegen verrichtet schon seit vielen Jahren einen Großteil ihrer Arbeit im Homeoffice. "Fakt ist, dass ich das Schreiben von wissenschaftlichen Texten nur im Homeoffice schaffe. Die Störfaktoren in meinem Büro sind schlicht zu groß." Trotzdem hat sich für die erprobte Heimarbeiterin der Arbeitsalltag durch das Coronavirus verändert.

Bleiben Sie zu Hause. Meiden Sie soziale Kontakte. Experten weisen darauf hin, dass eine selbst auferlegte Isolation der beste Weg ist, die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen. Dazugehört auch: Homeoffice. de Nève folgt diesem Ratschlag. "Vor der Corona-Krise habe ich ungefähr die halbe Woche in der Universität gearbeitet, um Verwaltungsarbeiten zu erledigen, an Sitzungen teilzunehmen, mich mit meinem Team abzusprechen und natürlich um zu Lehren." Jetzt in der aktuellen Krise arbeite sie hauptsächlich am heimischen Schreibtisch. Einmal am Tag gehe sie für ein bis zwei Stunden ans Institut, um dringende Fragen zu klären. "Diese soziale Kommunikation ist in dieser beängstigenden Zeit besonders wichtig."

de Nève profitiert in der aktuellen Lage davon, dass sie mit den Jahren nicht nur Erfahrung gesammelt, sondern auch ihren heimischen Arbeitsplatz optimal eingerichtet hat. "Ich habe in meiner Wohnung ein Arbeitszimmer, bei dem ich auch die Tür schließen kann, damit der Arbeitsstress nicht in die ganze Wohnung schwappt." Die Politikwissenschaftlerin weiß, dass dies ein Luxus ist. Vor allem im Vergleich zur Situation der Menschen, die wegen Corona von dem einen auf den andern Tag ins Homeoffice geschickt worden sind.

Arbeit und Privates klar trennen

Schulen und Kitas sind geschlossen. Eltern, die nicht in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, müssen die Betreuung ihrer Kinder selbst organisieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Großeltern nicht einspringen können. de Nève will daher nicht beschönigen: "Unter solchen Bedingungen ist es nicht möglich, ungestört und effizient Telearbeit zu leisten. Kinderbetreuung und Homeoffice gleichzeitig, das geht einfach nicht zusammen."

Aber auch ohne Kinder bedeutet das aktuell aufgezwungene Arbeiten von Zuhause Stress. Umso wichtiger sei es, dass es zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer klare Absprachen gebe. Dies betreffe sowohl die Arbeitsleistung als auch die Arbeitszeiten und die Rahmenbedingungen in Bezug auf Erreichbarkeit und Infrastruktur. "Wenn die Erwartungshorizonte geklärt sind und klare Absprachen beiden Seiten Sicherheit geben, wirkt das entstressend", betont de Nève. Sie rät zudem dazu, auch das improvisierte Homeoffice so einzurichten, dass es eine Trennung zwischen Arbeit und Privatsphäre gibt. "Im Zweifel muss das Büro zum Feierabend in einen Karton gepackt werden, damit sich alle wieder entspannen können."

Aber auch der bestens eingerichtete Heimarbeitsplatz schützt nicht davor, alle zehn Minuten im Kühlschrank nach dem Rechten zu sehen. Viele Heimarbeiter haben Probleme mit der Disziplin. Die Versuchung ist groß, mehr Zeit auf Facebook und Co. zu verbringen als mit der eigentlichen Arbeit. "Im Homeoffice fehlt das soziale Miteinander. Es gibt im digitalen Zeitalter eine Tendenz, den fehlenden Flurfunk über soziale Medien zu kompensieren. Das ist nicht ganz unproblematisch." Die Nutzung sozialer Medien könne daher von Arbeitgebern eingeschränkt oder verboten werden. "Insofern", rät de Nève, "sollte man den digitalen Flurfunk nur in Pausenzeiten nutzen".

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