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Nico Seifert (vorn rechts, mit den Mitarbeiterinnen Gabriele Schwicker und Gülendam Abaci) verkauft Luxuskleidung in fast alle Länder der Welt. Im Sortiment sind viele Jacken, die Hollywood-Größen wie Daniel Craig, Richard Gere oder Liam Neeson tragen, (Foto: Schepp)

Luxusmode

Von Hollywood nach Gießen

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Nico Seifert verkauft von seinem Geschäft "Gotlands" in der Ludwigstraße weltweit teure Kleidung, die Hollywood-Stars in ihren Filmen tragen.

Mit Luxus kennt sich Nico Seifert aus. Wenn Hollywood-Stars wie George Clooney, Brad Pitt oder Angelina Jolie in ihren Filmen coole Jacken oder Mäntel tragen, dauert es nicht lange, bis der 48-Jährige die gleichen Kleidungsstücke von seinem Geschäft "Gotlands" in der Ludwigstraße aus erfolgreich in die ganze Welt verkauft.

Absoluter Bestseller des vergangenen Jahres war eine Jacke, die Daniel Craig im James-Bond-Film "Spectre" trägt, erzählt Nico Seifert. Aktuell vertreibt der sympathische Geschäftsmann weltweit als Einziger exklusiv drei Mäntel, die Will Smith, Jared Leto und Margot Robbie in dem Blockbuster "Suicide Squad" ("Selbstmordkommando") zur Schau stellen, der seit Herbst 2016 erfolgreich in den Kinos läuft. Zwischen 1000 und 5000 Euro kosten die edlen Lederjacken, wobei 5000 Euro eher ein "Ausreißerpreis" ist, wie der Gießener sagt. "Aber klar: Zu mir kommt keiner und kauft eine Jacke, weil er oder sie friert, sondern weil er oder sie etwas Exklusives, etwas Einzigartiges sucht."

Dabei hat Seifert ganz klein angefangen: Mit einem nur 27 Quadratmeter großen Lädchen in der Bismarckstraße und etwa 20 000 Euro BaföG-Schulden, wie er vor kurzem beim "Gründerstammtisch" in Gießen berichtete. Als ehemaliger Jurastudent, der bei einem Geschirrhersteller als Tellerwäscher jobbte, hatte Seifert 2005 den Film "Aviator" mit Leonardo di Caprio gesehen und sich gedacht: "So eine tolle Jacke wie di Caprio möchte ich auch haben!" Doch als er sich dieses Kleidungsstück besorgen wollte, merkte er, dass dies von Deutschland aus gar nicht so einfach ist – und erkannte eine Marktlücke. "Ich habe mir dann Geld geliehen und eine kleine Kollektion des britischen Herstellers Belstaff erworben, der diese Jacke im Sortiment hatte. Diese Kleidungsstücke habe ich dann in meinem Mini-Geschäft angeboten", sagt Seifert.

Schmunzelnd erinnert er sich an eine Kundin, die in den Anfangswochen neugierig in seinen Laden kam, beim Blick auf die Preisschilder fassungslos den Kopf schüttelte und sagte: "Sie werden hier nicht lange bleiben." Irrtum: Seifert vergrößerte das Geschäft bald darauf auf über 150 Quadratmeter, indem er zusätzlich die deutlich größeren Räume des ehemaligen Elektrogeschäftes Assmann in der Ludwigstraße anmietete und sie per Wand-Durchbruch an seinen kleinen Laden anschloss.

"Ich war zur richtigen Zeit mit den richtigen Produkten am Markt", erklärt Seifert seinen Erfolg. Außerdem habe ihn seine Frau Ute Schmidt, die in der Ludwigstraße seit über 25 Jahren ein Kosmetik- und Schmuckgeschäft führt, stets unterstützt.

Neben der Nobel-Marke Belstaff – die schon Che Guevara oder der Dalai Lama liebten – vertreibt Seifert seit fünf Jahren auch Produkte des Edel-Herstellers Matchless sowie einige Eigenkreationen. Von Gießen aus lieferte er 25 Jacken direkt an den Set des Films "Amelia" mit Richard Gere und Ewan McGregor. Beide Stars trugen im Film also Jacken, die ihnen von Gießen nach Hollywood geschickt wurden. Stars wie Arnold Schwarzenegger, Liv Tyler oder David Beckham hat er schon persönlich getroffen

In Deutschland stattet Seifert – der in der DDR aufwuchs und 1989 als Pipeline-Arbeiter im Ural über Tschechien nach Westdeutschland ausreiste – unter anderem die Produzenten der Serie "Alarm für Cobra 11" mit Kleidung aus. Inzwischen verkauft er mit "Gotlands" Luxuskleidung an über 17 000 Kunden auf der ganzen Welt – sogar in Grönland, Neuseeland, Südafrika und Saudi-Arabien.

Das Internet ist für ihn zum wichtigsten Absatzkanal geworden. Für den Online-Verkauf fotografiert er alle Kleidungsstücke selbst. Über die Bonussysteme des Autoherstellers BMW und der Deutschen Bank setzt er seine Ware ebenfalls ab.

Trotzdem: Der persönliche Kontakt zu Kunden ist ihm am wichtigsten. Einige holt Seifert sogar am Flughafen in Frankfurt ab und chauffiert sie in sein Geschäft. "Vor allem der zweite Kauf ist wichtig, damit die Leute wieder kommen", weiß Seifert. Sein ältester Kunde ist 85 Jahre alt.

Alle seine Kleidungsstücke werden in Europa gefertigt, und nicht in Dritte-Welt-Ländern. An seinem geschäftlichen Erfolg lässt Seifert, der trotz seines Kontakts zu Weltstars die Bodenhaftung behalten hat, auch Kinder aus armen Verhältnissen teilhaben: In Bangladesch hat er den Bau von zwei Schulen finanziert. "Nur Bildung kann die Armutsspirale aufhalten", sagt er. In Ostdeutschland engagiert sich Seifert bei einer Kindertafel in Waren an der Müritz.

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