Anna Matzen bei ihrem virtuosen Vortrag. FOTO: JOU
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Anna Matzen bei ihrem virtuosen Vortrag. FOTO: JOU

Auf hohem Niveau

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Klezmer - jene charakteristische Verbindung aus jüdischer Folklore und poppig-jazzigen Rhythmen - bot das Trio Mazel Tov am Samstag auf hohem künstlerischem Niveau im Rathaus. Eingeladen hatte zu dem Konzert die Gießener Musikschule. Jörn Martens, Leiter des Ensembles, ist zugleich an der Wetzlarer Musikschule Lehrkraft im Fachbereich Zupfinstrumente, und von dort brachte er zwei talentierte Schüler mit. Christian Krieger spielte rhythmisch mitreißend Gitarre. Kompositorisch bedingt mehr in den Vordergrund rückte Klarinettistin Anna Matzen. Sie erhielt 2018 als einzige Hessin den Bundespreis "Jugend musiziert" in dieser Kategorie.

Trotz Corona war das Konzert gut besucht. Intensive Atmosphäre erzeugte Martens bei der Einleitung zum Stück "Mazeltov" von Florian Dohrmann auf der Bassgitarre - die dichten Figurationen erinnerten ein wenig an Flamenco. Nacheinander traten Klarinette und zweite Gitarre hinzu. Erst der virtuose Hauptteil trug mit prägnanter Melodik und Schwung unverwechselbar klezmerhafte Züge.

Von sehnsuchtsvoll-ruhiger Art war das mit Hingabe vorgetragene Stück "Indigo" von David Orlowsky. Ausgezeichnet die sangbare Tongebung der Klarinettistin, wohldosiert die Begleitung der beiden Gitarristen. Starke Eindringlichkeit erhielt in den Forte-Passagen Dohrmanns Komposition "Twisted Bulgar". Hier begeisterte, wie stimmig das Ensemble unter Martens‹ Leitung den unverkrampft-lockeren Stil traf. Zum Schwelgen lud Jerry Bocks Musicalsong "If I were a rich man" ein. Erneut beeindruckte die feine Gestaltung.

Konzert gut besucht

Gute Laune verbreiteten zwei Hochzeitstänze von Helmut Esel. Darin sorgte Krieger mit kräftigen Arpeggien für eine klangvolle Basis. Die markanten Spitzentöne im Klarinettenpart ließen sich leicht übermäßig forcieren, um so unangenehm scharf herüberzukommen. Keine Spur davon bei Matzen: ihre Intonation blieb stets rund.

Das Trio legte den Schwerpunkt auf Kompositionen des Klarinettisten David Orlowsky (geb. 1981), der nach seiner Ausbildung an der Folkwang Hochschule Essen seine Fertigkeiten an der Manhattan School of Music in New York vertiefte. Vier Stücke aus seiner Feder markierten den Abschluss: "Sababa", "Vodka Affinata", Le chat noir" und "Juli". Die geschmackvoll arrangierte Musik bereitete großen Genuss. Scheinbar mühelos meisterte Matzen rasche Dreiklangsbrechungen und entlockte ihrem Instrument mal safte, dann erfrischend spitze Töne. Bei den kniffligen Abschnitten - etwa in "Vodka Affinata" - demonstrierte sie makellose Technik. Zur Wohltat geriet auch der ruhige Walzer "Le chat noir". Überraschend kam es zu resoluten Steigerungen, ehe die Spannung wieder abebbte - enorm die dynamische Bandbreite. Für den lang anhaltenden Applaus dankte das Trio mit einer Zugabe.

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