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Gießener Schwanenteich: Hoffnung für die Bäume?

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Von: Burkhard Möller

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Vor der Sitzung des Umweltausschusses demonstrierten etwa 80 Personen für die Bäume am Schwanenteich. © Oliver Schepp

Die Stadt Gießen macht Hoffnung auf einen Teilerhalt der Bäume am Gießener Schwanenteich. Die Bürgerinitiative zum Schutz der Bäume demonstriert derweil vor dem Rathaus.

Gießen - Vor einer Woche sah es noch nach einer großen Konfrontation um den Umbau des Schwanenteichs aus. Nach der Sitzung des Umweltausschusses ist sie mindestens vertagt und könnte sogar ganz ausblieben. Die Stadt macht nun Hoffnung auf einen Teilerhalt der Bäume auf dem Dammweg, sogar eine Variante ganz ohne Baumverlust soll noch einmal geprüft werden.

Michael Janitzki zuckte mit den Schultern und wirkte nach zwei Stunden, die er als Zuschauer am Dienstagabend auf der Zuschauertribüne im Sitzungssaales des Rathauses verbracht hatte, etwas ratlos. »Da werden wir wohl warten müssen«, meinte der Ex-Stadtverordnete und Vertreter der Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich« nach den Beratungen des Umweltausschusses zum Schwanenteich-Umbau. Vor Beginn der Sitzung hatten etwa 80 Personen vor dem Rathaus für den Erhalt der Bäume am Schwanenteich demonstriert.

Schwanenteich in Gießen: Baumfrage wird womöglich erst im November beantwortet

Warten müssen die BI und die Öffentlichkeit nun mindestens bis zum 6. Oktober, wenn die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss zum Umbau des Schwanenteichs und der Durchführung des »Pilotprojekts Bitterling« fassen soll. Die Baumfrage, die im Sommer die Gemüter erregte, wird womöglich sogar erst in der Sitzung am 17. November beantwortet. Spätestens bis dahin soll feststehen, ob sich eine Reparatur des Dammwegs, bei der nur teichseitig Bäume gerodet werden müssten, als Alternative zum kompletten Rück- und Neuaufbau, der mit einem vollständigen Verlust der Vegetation verbunden wäre, realisieren lässt. Wie am Dienstag berichtet, hat der Magistrat seinen Projektantrag um diese Möglichkeit am Montag kurzfristig ergänzt. »Ich sehe dafür eine Chance«, sagte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, der diese Lösung »favorisiert«.

Mit der vom Gartenamt und Tiefbauamt gemeinsam ersonnenen »Variante 1b« würde der poröse Damm durch eine Vorschüttung auf der Seite des Schwanenteichs unter Verwendung eines speziellen Geogitters abgedichtet und die Verkehrssicherheit mit einem teilweisen Neuaufbau des Oberbaus wiederhergestellt. Bei dieser Variante könnte der Bewuchs auf der Wieseckseite erhalten bleiben, der Bewuchs auf der Seite des Schwanenteichs, der im Sommer für Schatten sorgt, nicht. Das Gartenamt lässt die Umsetzung momentan durch einen Hersteller überprüfen.

Schwanenteich in Gießen: Stadt wird »keine Fakten schaffen«

Zusätzlich soll das Erdtechniklabor aus Hungen, das von der Stadt Ende vergangenen Jahres mit der Prüfung verschiedener Reparaturvarianten beauftragt worden war, den Vorschlag des früheren Gail-Chefs Horst Dreier bewerten. Dreier, der als Geschäftsführer der Tonabbaugesellschaft mit Abdichtungstechniken vertraut war, schlägt eine Variante mit Verbreiterung der Dammkrone vor, bei der auch teichseitig die Bäume stehenbleiben könnten. Dieser in der GAZ am Montag präsentierte Vorschlag sollte geprüft werden, hatte für die CDU-Fraktion Michael Osswald beantragt. Dem Wunsch kam der Magistrat nach. Ein Ergebnis dürfte schon zur Stadtverordnetensitzung am 6. Oktober vorliegen.

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne), deren Fazit bei der Bürgerinformationsveranstaltung vor einer Woche noch lautete, es gebe keinen »neuen Erkenntnisgewinn«, war hörbar bemüht, den Eindruck zu vermeiden, sie wolle das Bitterling-Projekt »durchpeitschen«, wie es ihr aus Reihen der BI vorgeworfen wird. Sollte sich die Bürgerinitiative zur Durchführung eines Bürgerbegehrens gegen den bevorstehenden Stadtverordnetenbeschluss entscheiden, würden von der Stadt keine Fakten geschaffen. »Wenn Unterschriften gesammelt werden, werden keine Bäume gefällt. Dann wird die Umsetzung eben um ein Jahr verschoben«, sagte die Umweltdezernentin. Das versprach auch OB Becher: »Wir werden keine Fakten schaffen, die einem Bürgerbegehren vorgreifen.«

Gießen: Erneuerung des Schwanenteichs kostet rund vier Millionen Euro

In diesem Zusammenhang kündigte Weigel-Greilich an, die Stadtverordneten zusätzlich über die vier Teilprojekte des rund vier Millionen Euro teuren Vorhabens einzeln abstimmen zu lassen, um der BI die Möglichkeit zu geben, gegen Teile des Gesamtprojekts mit einem Bürgerbegehren »rechtssicher« vorgehen zu können. Dieser Fall könnte eintreten, wenn der Magistrat die »Variante 1b« und den Dreier-Vorschlag verwirft und doch einen Damm-Neubau samt Komplettrodung favorisiert.

Klargestellt von Gartenamtsleiter Thomas Röhmel wurde, dass nicht beabsichtigt ist, im Zuge der geplanten »Uferbefestigung« auch auf der Seite Eichgärtenallee Bäume und Sträucher zu roden. Die Unterspülungen des Ufers ließen sich auch vom Boden des abgelassenen Teichs aus stopfen, ohne dass gerodet werden müsse. Es sei nur vorgesehen, überhängendes Grün abzuschneiden. Auch die kleinen Buchten und die Inseln sollen erhalten bleiben.

Schwanenteich in Gießen: Keine Uferrodung an Eichgärtenallee

Weigel-Greilich verteidigte ein weiteres Teilprojekt gegen Kritik. Es geht um den Nebenarm der Wieseck, der in dem Grünzug neben dem Freibadgelände gegraben werden soll. Lutz Hiestermann (Gigg/Volt) hatte angesichts der Perspektive, dass dieser als Fischhabitat vorgesehene Nebenarm in Dürresommern trockenfallen könnte, die Ausgabe von 1,1 Millionen Euro hinterfragt und nach einem klimaangepassten »Wasserplan« für die Wieseckaue gefragt.

Der mäandrierende Nebenfluss sei auch ein Retentionsraum im Fall von Starkregenereignissen. »Damit schützen wir die Innenstadt«, sagte Weigel-Greilich. Gewässer-Biologe Dr. Egbert Korte wies zudem Befürchtungen von Naturschützern zurück, das Gerinne könnte in Dürresommern zur »Todesfalle« für Fische werden. Diese zögen sich bei Niedrigwasser instinktiv aus solchen Bachbereichen zurück. (Burkhard Möller)

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