Hoffen auf die Vernunft

  • schließen

Das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern trifft auch mehrere Gießener. Hunderte iranischstämmige Bürger zum Beispiel befürchten, für längere Zeit Familienangehörige und Kollegen nicht mehr besuchen zu können.

Das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern trifft auch mehrere Gießener. Hunderte iranischstämmige Bürger zum Beispiel befürchten, für längere Zeit Familienangehörige und Kollegen nicht mehr besuchen zu können.

"Ich kann jetzt nicht mehr zu meiner Schwester nach Los Angeles fliegen", bedauert der Geschäftsführer des Dachcafés, der Deutschiraner Ali Rashidi. Schwester Narges ist Schauspielerin – und steht vor einer schwierigen Entscheidung. "Sie will in den kommenden Tagen nach Deutschland, zur Berlinale und für Dreharbeiten. Aber sie weiß nicht, ob sie danach zurück in die USA zu ihrem Ehemann reisen kann. Sie wird das Risiko wohl eingehen." Der Chef des Dachcafés kann das Einreiseverbot nicht verstehen. "Es hat noch nie einen iranischen Terroristen gegeben."

Ein schwerer Schlag ist das am Freitag verabschiedete Dekret auch für den Gießener Lungenforscher Prof. Ardeschir Ghofrani. Für jedes internationale Netzwerk sei das Einreiseverbot fatal, erklärt der Pneumologe, dessen familiäre Wurzeln im Iran liegen. Die wichtigsten Kongresse und Treffen von Studiengruppen fänden regelmäßig in den USA statt, berichtet er. Das wichtige Jahrestreffen der Amerikanischen Lungengesellschaft im Mai könne er vermutlich nicht besuchen. "Ich war gerade in Miami beim Jahrestreffen des Pulmonalen Vaskulären Research Instituts, als das Dekret unterzeichnet wurde. Die ganze Wissenschaft verurteilt den Erlass als skandalös."

Ghofrani wurde im Dezember 2015 vom Bundespräsidenten mit dem Zukunftspreis ausgezeichnet. Er ist Deutscher, wurde in den 90er Jahren eingebürgert. "Einen iranischen Pass habe ich gar nicht mehr", sagt der Wissenschaftler. Dennoch trifft ihn wohl das Einreisedekret. "Der Iran entlässt einen nicht aus der Staatsbürgerschaft."

Man versuche jetzt, möglichst viele Treffen innerhalb der Lungenforschung nach Europa zu verlegen, berichtet Ghofrani. Noch hofft er aber, dass sich das Ganze zum Guten wendet. "Ich habe am Flughafen von Miami Demos gegen das Dekret erlebt. Rechtliche Schritte werden auch eingeleitet. Das ist noch nicht in Stein gemeißelt", glaubt er. "Hoffentlich siegt die Vernunft."

Kritik an dem zunächst 90 Tage dauernden Einreiseverbot für Menschen aus Syrien, Iran, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und dem Jemen in die USA übt auch der Präsident der Justus-Liebig-Universität, Prof. Joybrato Mukherjee.

"Die neue US-Regierung verfolgt offenbar eine Abschottungspolitik, die in jeder Hinsicht internationalisierungsfeindlich ist", betont Mukherjee. "Im Übrigen ist auch aus wissenschaftspolitischer Sicht ein generelles Einreiseverbot für Menschen einer bestimmten Nation (und damit auch einer bestimmten Religionszugehörigkeit) strikt abzulehnen." Die aktuelle Entwicklung in den USA seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump verfolge er "mit allergrößter Sorge."

Ähnlich äußert sich der Präsident der Technischen Hochschule (THM), Prof. Matthias Willems. Zurzeit studieren an der THM rund 100 Studierende, die in einem der betroffenen sieben Staaten ihre Hochschulzugangsberechtigung erworben haben. (Fotos: dpa/ep)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare