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Herzlich Willkommen: Selten sind Plakate wie an der Brüder-Grimm-Schule so passend wie dieser Tage.

Unterricht

Zwischen Hoffen und Bangen: Mehr Präsenzunterricht in Gießener Schulen möglich

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Genauso wie die Inzidenz zurückgeht, kehren Kinder und Jugendlichen in die Schulen zurück. Viele freuen sich darüber - hoffen aber, dass diese Freude nicht bloß von kurzer Dauer ist.

Gießen – Gehofft wird in Schulen ja auf ganz unterschiedliche Arten: Wer zum Beispiel seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, der wünscht sich vermutlich, dass sein Versäumnis nicht auffällt. Andere hoffen, dass sie sich endlich trauen, in der Pause auf dem Schulhof ihren Schwarm aus der Parallelklasse anzusprechen. Hoffnung - aber ganz anderer Natur - hat auch Dr. Frank Reuber, der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO). Aktuell befinden sich noch nicht alle Jahrgänge im Präsenzunterricht; Reuber wünscht sich, dass dies ab der kommenden Woche der Fall ist. »Wir hoffen aber, dass sich die Situation nicht wieder verschlechtert«, betont er mit Blick auf die sinkenden Corona-Infektionszahlen - und dem gleichzeitigen Hochfahren des öffentlichen Lebens. »Niemand will, dass die aktuelle Situation nur ein Strohfeuer ist.«

Seit dieser Woche füllen sich wieder viele Klassenräume an den Schulen - auch in Gießen. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt, gilt für die Jahrgänge eins bis sechs sowie die Abschlussklassen Präsenzunterricht. Ab der Stufe sieben ist noch immer Wechselunterricht vorgesehen. Sollte die Inzidenz fünf Tage lang unter 50 bleiben, könnten ab Montag alle Jahrgänge wieder in die Schule kommen.

Schulen in Gießen: „Und jedes Mal halten wir die Luft an“

In der Ostschule sind aktuell 1000 Kinder und Jugendliche im Präsenzunterricht. »Wir müssen erstmal schauen, dass die Schülerinnen und Schüler ankommen«, sagt Reuber. »Wie geht es mir? Wie komme ich wieder mit meinen Freunden klar? Wie kann ich mit anderen zusammenarbeiten?« Der Fokus liege nicht auf der Frage, was die Kinder und Jugendlichen möglicherweise versäumt hätten. Die Lehrkräfte müssten jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt der Rückkehr in eine Art Normalität die Stärken der Schülerinnen und Schüler sowie die soziale Interaktion im Blick haben. Die Klasse müsse sich wieder zu einer Klasse, zu einer Gemeinschaft zusammenfügen.

Obwohl aktuell nur etwa zehn Prozent der Lehrkräfte zweifach geimpft und damit noch nicht vollständig geschützt sind, überwiege im Kollegium die Freude über den verstärkten Präsenzunterricht. Reuber betont: »Das digitale Arbeiten klappt, ist aber kein Ersatz für den Präsenzunterricht.« Trotz des Optimismus sei es wichtig, »dass wir uns alle zügeln«, betont der Leiter der GGO. Das heißt: Weiterhin Masken tragen, Hygieneregeln einhalten - und zwei Mal in der Woche testen.

Apropos Testen: Auch an der Liebigschule werden zwei Mal in der Woche die Schnelltests eingesetzt. »Und jedes Mal halten wir die Luft an«, sagt der Leiter des Gymnasiums, Dirk Hölscher. Positiv sei jedoch, dass seit den Osterferien die Antigentests der Schülerinnen und Schülern ausnahmslos negativ gewesen seien.

Grundschulen in Gießen: Große Freude bei den Kleinen

Hölscher betont, dass »so gut wie niemand« von den Lehrkräften bisher zwei Impfungen erhalten habe. Dennoch überwiege bei ihnen - und auch den Kindern und Jugendlichen - das gute Gefühl, wieder eine Art Schulalltag im Gymnasium zu haben. »Die Stimmung hellt sich auf, weil die Perspektive und die Hoffnung wieder da sind«, sagt er. Zu diesem guten Gefühl tragen vermutlich auch weiterhin das Tragen von Masken, das regelmäßige Lüften sowie die 20 Luftfilter in den Klassenräumen bei; weitere Filter sollen über den Förderverein angeschafft werden.

An der Brüder-Grimm-Schule (BGS) sind zusätzlich zu den fünften und sechsten Klassen auch die 360 Grundschülerinnen und -schüler wieder im Präsenzunterricht. BGS-Leiterin Barbara Burggraf erzählt, dass gerade bei diesen Kindern die Freude über den Start des Präsenzunterrichts riesig sei. »Die sind glücklich, ihre Freunde wiederzusehen«, sagt sie. Zuerst müsse es darum gehen, den Kindern wieder die Schulstrukturen in Erinnerung zu rufen - aber ihnen gleichzeitig Raum zu geben, über das Erlebte zu sprechen. Außerdem müssten die Lehrkräfte den Lernstand der Schülerinnen und Schüler feststellen. »Wir gehen das aber mit einer großen Gelassenheit an und schauen, dass es immer besser wird«, sagt Burggraf. Auch bei den Größeren überwiege die Freude, wieder in der Schule zu sein.

Dass bereits in der kommenden Woche alle Jahrgänge wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren könnten, macht Burggraf keine Sorgen. »Es geht Schlag auf Schlag, aber in die richtige Richtung«, sagt sie. Gerade die Jahrgänge sieben und acht hätten die Schule schon lange nicht mehr betreten. Burggraf: »Es wäre gut, wenn auch sie endlich wieder da wären.«

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