_1LOKSTADT18-B_161134_4c
+
Abraham Bar Menachem 1912-2017) war Gießener Ehrenbürger.

Hörsaal nach Bar Menachem benannt

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen (pm). Abraham Bar Menachem gilt als Wegbereiter der Annäherung und Aussöhnung zwischen dem jüdischen und dem deutschen Volk nach den Verbrechen der Nationalsozialisten. Sein Engagement ist an der Justus-Liebig-Universität unvergessen. Mit der Benennung eines Hörsaals ehrt die JLU ihren Alumnus, den früheren Oberbürgermeister von Netanya, Israel, und Ehrenbürger der Stadt Gießen nun in besonderer Weise:

Der Hörsaal 5 im Campusbereich Recht und Wirtschaft wird »Dr. Abraham-Bar-Menachem-Hörsaal« heißen.

Eine Hinweistafel soll in Zukunft auf den Namensgeber hinweisen. Die offizielle Einweihung im feierlichen Rahmen ist für einen späteren Zeitpunkt nach Aufhebung der pandemiebedingten Einschränkungen vorgesehen.

Für seine besonderen Verdienste wurde Abraham Bar Menachem (1912-2017) vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen, mit der Verleihung des Dienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, der Ehrenbürgerschaft der Stadt Gießen, dem Hessischen Verdienstorden und der Wilhelm Leuschner-Medaille des Landes Hessens. Zugleich gilt Bar Menachem als ein herausragender Alumnus des Fachbereichs Rechtswissenschaft der JLU. Mit einer Vortragsreihe, den »Abraham Bar Menachem (ABM) Talks«, erinnert der Fachbereich Rechtswissenschaft seit Januar 2021 ebenfalls an seinen verdienten Alumnus (www.uni-giessen.de/abraham-bar-menachem-talks). Der Jurist hat sich vielfältig für die JLU engagiert und unter anderem auch dafür eingesetzt, dass an der JLU ein Preis nach seinem Lehrer Wolfgang Mittermaier, Professor für Strafrecht in Gießen von 1903 bis 1933, benannt wird. Bar Menachem war bei der ersten Verleihung des »Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende Leistungen in der Lehre« 1996 als Ehrengast persönlich anwesend.

»Mit der Benennung des Hörsaals wollen wir auf eine herausragende Persönlichkeit hinweisen, die auch der jüngeren Generation als Vorbild dienen kann«, sagt JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. Er dankte der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar, deren Initiative zur Ehrung von Bar Menachem seitens der JLU gern aufgegriffen worden sei, und dem Hessischen Ministerpräsidenten und JLU-Alumnus Volker Bouffier, der sich ebenfalls für die Umsetzung der Idee eingesetzt habe.

1933 vor Nazis geflohen

Bar Menachem wurde am 16. Mai 1912 als Alfred Gutsmuth in Wieseck geboren. Nach einem Studium der Rechtwissenschaft promovierte er 1933 an der damaligen Ludwigs-Universität Gießen. Als Jude wurde er von den Nationalsozialisten nicht mehr zum Referendarsexamen zugelassen. Sein Doktorvater Wolfgang Mittermaier ermöglichte ihm jedoch noch die Promotion zum Dr. jur. Am 29. Dezember 1933 erhielt er das Doktordiplom ausgestellt. Wenig später flüchtete Bar Menachem vor den Nationalsozialisten. Er verließ Deutschland im Februar 1934, um in den Niederlanden das Tischlerhandwerk zu erlernen. 1938 emigrierte er nach Palästina, wo er als Rechtsanwalt arbeitete und von 1967 bis 1970 sowie von 1974 bis 1978 Bürgermeister der israelischen Stadt Netanya war.

Die 1978 zwischen Netanya und Gießen geschlossene Partnerschaftsvereinbarung trägt seine Unterschrift. Er gilt damit als Initiator einer der ersten deutsch-israelischen Städtepartnerschaften überhaupt. Für sein Lebenswerk ernannte die Stadt Gießen ihn 1987 zum Ehrenbürger. Abraham Bar Menachem starb am 24. März 2017 im Alter von 104 Jahren in Netanya.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare