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Die SWG können den Preis für Strom stabil halten.

Gaspreise

Stadtwerke Gießen zur Gaspreis-Explosion: „Noch nie erlebt“ - Ein Ungemach nach dem anderen

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Die Gaspreise in Gießen schnellen in die Höhe. Bei den Stadtwerken heißt es: Wenn jetzt noch ein kalter Winter kommt und Russland nicht ausreichend Gas liefert, können die Folgen gravierend sein. 

Gießen - Manchmal ist das Leben wie eine dieser schlechten Komödien, in denen die Protagonisten mit einem Ungemach nach dem anderen konfrontiert werden. Manchmal wird ein solches Szenario aber schnell zur Realität: Am Dienstag hatten die Stadtwerke Gießen (SWG) zu einem Pressegespräch eingeladen, um hinter die Kulissen der »historisch einmaligen Gaspreisrallye« zu blicken, wie Olaf Volkmer, Energiemarkt-Experte bei den SWG, die massiven Gaspreissteigerungen bezeichnet.

Während des Gesprächs meldeten Medien, die Bundesnetzagentur lege die Zertifizierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 auf Eis. Diese soll Erdgas aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Das Projekt ist politisch umstritten; zum Beispiel die Grünen fordern dessen Stopp. Wenn jetzt noch ein kalter Winter kommt und Russland nicht ausreichend Gas liefert, kann das Kapriolen schlagen, »auch bei den Preisen«, betont SWG-Vorstand Jens Schmidt.

Gaspreise in Gießen: Viele Gründe für deutliche Erhöhung

Ende Oktober hatte diese Zeitung die SWG zu den Hintergründen der Preissteigerungen beim Gas befragt. Ende vergangener Woche veröffentlichte das Versorgungsunternehmen zusätzlich eine Pressemitteilung zum gleichen Thema. Nun das Expertengespräch. Der Grund: Aktuell ist der Preis für eine Gigawattstunde Erdgas auf dem langfristigen Terminmarkt für 2022 etwa dreieinhalbmal höher als im Januar. Noch krasser fallen die Steigerungen auf dem kurzfristigen Spotmarkt aus. Hier haben sich die Preise seit Jahresbeginn verfünffacht. »Das habe ich vorher noch nie erlebt«, sagt Volkmer, »und ich bin mittlerweile seit 20 Jahren dabei«. Die Gründe sind vielseitig: die schnelle wirtschaftliche Erholung von der Corona-Delle, der hohe internationale Bedarf und die Auswirkungen des kalten Wetters in diesem Jahr. Gleichzeitig geht Flüssigerdgas (LNG) nach Asien und Südamerika, weil dort der höchste Preis gezahlt wird. Und Russland erfülle die langfristigen Verpflichtungen bei der Gaslieferung - mehr aber auch nicht. Könne Russland nicht mehr liefern - oder will es nicht, fragte Schmidt. Eine Folge: Die Gasspeicher sind von einem komfortablen Füllstand noch entfernt.

SWG zu Gaspreisen in Gießen: Kunden mit Zahlungsproblemen sollen sich melden

Alles in allem sind das ausschließlich belastende Faktoren für den Energiepreis. Die SWG verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass sie durch ihre risikoarme Strategie beim Einkauf zwar nie den günstigsten Preis anbieten, aber auch nie den teuersten. So sei es gelungen, den Strompreis aktuell konstant zu halten und den Gaspreis so zu erhöhen, dass es vergleichsweise verträglich sei, sagte SWG-Vertriebsleiter Andreas Fuchs.

Wie Isa Müller vom SWG-Vertrieb erklärt, fallen Kunden aus der Region, die von einer Insolvenz ihres Energieversorgers betroffen sind, in die Grundversorgung der SWG. Gleichzeitig können Kunden, die wegen der hohen Kosten Zahlungsprobleme haben, mit dem Unternehmen ins Gespräch kommen. Möglich seien zum Beispiel Ratenpläne, sagt Schmidt. Es sei denn, der Kunde oder die Kundin hat schon lange nicht mehr gezahlt. »Dann müssen wir reagieren«, sagt Schmidt.

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