"Hirn einschalten"

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Gießen(pm). Vor fast genau 50 Jahren kniete Bundeskanzler Willy Brandt vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos nieder. Das Stadttheater hat an diesem besonderen Datum das Ergebnis einer gemeinsamen Aktion mit Statements von Theater-Mitarbeitern veröffentlicht, die im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages der Theater und Orchester Ende November aufgenommen wurden.

Wo stehen Demokratie und Gesellschaft 75 Jahre nach den Nürnberger Prozessen? 23 Mitarbeiter des Stadttheaters sowie Vertreter der Kulturszene (darunter Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Dr. Katharina Weick-Joch, die Leiterin des Oberhessischen Museums, oder Jan Buck von der Raumstation) haben dazu kurze persönliche Statements in die Kamera gesprochen.

Dreharbeiten im Stavo-Sitzungssaal

Vor dem Hintergrund der Störer, die vor kurzem Parlamentarier im Deutschen Bundestag bedrängten, wurde unter dem Motto "Was wir gehofft haben, nie mehr sagen zu müssen" im Stadtverordneten-Sitzungssaal des Rathauses gedreht; alle Statements sind ohne Vorgaben formuliert und spontan, ohne Wiederholungen von den einzelnen Beteiligten aufgenommen worden.

Eindringliche Stimmen sind zusammengekommen, die mit Sorge auf die weltweiten Entwicklungen blicken, aber ebenso der Hoffnung Ausdruck verleihen, auf die Rückkehr zu einer faktenbasierten Diskussionskultur sowie auf ein auch in Zukunft buntes Land, in dem Demokratie, Freiheit und Solidarität unantastbare Grundwerte bleiben. Werte, die eben nur scheinbar selbstverständlich sind. So heißt es in den Statements beispielsweise: "Hirn einschalten, Verantwortung übernehmen", "Eigentum verpflichtet" und "Was wir nie wieder sagen oder hören sollten ist: ›Das habe ich nicht gewusst‹".

Mit dieser Aktion reagiert das Stadttheater auch darauf, dass es gerade in dieser coronabedingt besonderen Situation nicht wie sonst als "Marktplatz der Gedanken" direkt am öffentlichen Diskurs zu aktuellen gesellschaftlichen Ereignissen teilnehmen kann und wegen der Pandemie auch bis auf Weiteres keine Diskussionsveranstaltungen mit Publikum anbieten darf.

Das fertige Video mit allen Statements als Collage ist zu sehen auf YouTube (youtu.be/yBrkAKBCPpw).

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