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Britta Boerdner im KiZ.

Ein Hippie in der Provinz

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Gießen (jou). In ihrem 2017 erschienenen Roman "Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam" porträtiert Britta Boerdner drei Flüchtlingsfrauen, die Fleiß beweisen müssten, betonte die Autorin bei der Lesung des Literarischen Zentrums am Donnerstag im KiZ. Angesiedelt ist die Geschichte im fiktiven Wetterauer Ort Randstetten. Dort betreiben die Mutter und Oma der 17-jährigen Ev die Pension "Grüner Baum". Ev greift ihnen in der Freizeit unter die Arme. Die Jugendliche will aus dem einengenden Milieu ausbrechen. Dazu beitragen könnte der Amerikaner Frank, der 1969 vor der Pension einen Unfall baut und "Ev vor die Nase gesetzt wird", wie es Boerdner im Gespräch mit Moderatorin Dr. Kirsten Prinz ausdrückte.

Die genaue Beobachtungsgabe der Autorin ließ in der zunächst gelesenen Passage aufhorchen, einer lebhaften Beschreibung der Kneipenräume mit alten Fotos. Ev ist dort an einem Julinachmittag allein. Man gewinnt eine Vorstellung vom Alltag der Familie sowie den Gästen, darunter Fernfahrer und Einheimische. Ein Zuhause könne man sich nicht aussuchen, man müsse sich damit arrangieren, ordnete Boerdner Evs Situation ein. Wie bei einem "inneren Schauspiel" habe sie die Szenen ausgearbeitet, sich in die Gedanken und Gefühle der Figuren hineinversetzt. Dabei bediente sie sich auch Erzählungen aus dem sozialen Umfeld - eigene Jugenderfahrungen der 58-jährigen Autorin setzen erst später ein. Aus den Erinnerungen ergebe sich ein "kollektives Gedächtnis". Boerdner wollte, wie sie ausführte, in der Dreigenerationen-Geschichte die Verwandtschaftsbeziehungen beleuchten, etwa, wie negative Gefühle von der Oma auf die Enkelin übertreten.

In einer weiteren Szene begegnet Ev dem Fremden in der Kneipe, überwindet sich, ihn anzusprechen. Bemerkenswert scheint hier, wie scharfsichtig die Jugendliche die ungewöhnliche Konstellation analysiert mit einem Hippie als "Bürgerschreck" inmitten der engstirnigen Dorfleute.

Die Figur Frank - eine Anspielung auf Frank Zappa - habe sie aus einer eigenen Kneipengeschichte entwickelt, bemerkte Boerdner. Durch die Fremdheit wollte sie "das Unmögliche möglich machen", dass ein Außenstehender in die Dorfwelt einbricht. Der Roman sei "ein Spiel mit Bildern", dabei bediente sie sich auch Legenden wie jener, der zufolge Frank Zappa in den 1960er Jahren in Darmstadt war.

Das Publikum lauschte der unterhaltsamen Lesung gebannt und spendete herzlichen Beifall.

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