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Sonniger Sonntag auf dem Schiffenberg. FOTO: CG

Hilfreiche Streckenposten und frühe (Wander)vögel

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Der Schlittenhügel liegt verlassen da. In den Wipfeln der Bäume warten gut verpackt die Kletterstationen auf die kommende Saison. Der Wald steht stumm und schweiget. Die Sonne ist soeben aufgegangen, sie taucht die Landschaft in ein zauberhaftes Licht. Noch sind nur wenige Spaziergänger und Jogger auf dem Schiffenberg unterwegs, nachmittags sieht das "zwischen den Jahren" hier anders aus. Nach einer Runde durch den Wald verweilen wir zehn Minuten im Klosterhof. Schön und still ist es hier. Alles leuchtet. Das Gebäudeensemble, die Basilika, der Innenhof mit seinen prächtigen Bäumen. Langsam kehrt Leben ein. Spaziergänger drehen eine Runde, offenbar zeigt eine Gießener Familie der auswärtigen Verwandtschaft die Schmuckstücke der Stadt. Sie sehen sonntäglich feingemacht aus. "Hier gibt es im Sommer Konzerte", erklärt ein Mittvierziger im dunklen Wollmantel. "Und früher gab es hier den besten Streuselkuchen weit und breit", ergänzt eine ältere Dame und zeigt auf den Kiosk. Eine kleine Diskussion folgt: Geht man zurück zum Parkplatz oder ein Stück durch den Wald? Lieber zurück. Die Waldwege könnten doch noch ein wenig matschig sein.

Das ficht eine nun eintreffende Wandergruppe nicht an. Sie hat den Schiffenberg offenbar als Treff- und Ausgangspunkt gewählt. Zu der kleinen Truppe stoßen nach und nach weitere Leute hinzu. Tagesrucksäcke und Wanderstöcke lassen auf ein mittelgroßes Projekt schließen. Neben den rustikalen Bänken picken Blaumeisen im Laub, einige Spatzen gesellen sich dazu. Die seitlichen Tore sind verschlossen, wer dennoch die Aussicht genießen möchte, geht außen herum. Ländliche Idylle im Sonnenschein. Der Blick reicht weit ins Land, Richtung Wetterau und Taunus oder hinüber nach Wetzlar. Ein Paar steht an der Mauer und macht ein Selfie. Es kämpft mit dem Gegenlicht. Am Parkplatz werden die Streckenposten aktiv, die ersten Silvesterläufer queren die Straße. "Dort ist eine Treppe, daneben eine Rampe", rufen sie jedem Sportler zu. Einige heben dankend die Hand, andere rufen den Männern einen kurzen Gruß zu, manche haben dafür jetzt keinen Nerv. Aus einem Wohnmobil klettert ein Junge mit verstrubbeltem Haar. "Was ist denn hier los?" Mit dem frühen Vogel hat er nichts am Hut, und Würmer fängt man im Winter ohnehin nicht. cg

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