Sie machen einen ganz wichtigen Großteil des Erfolgs aus: die rund 300 Helferinnen und Helfer der Gießener Tafel. FOTO: PM
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Sie machen einen ganz wichtigen Großteil des Erfolgs aus: die rund 300 Helferinnen und Helfer der Gießener Tafel. FOTO: PM

Hilfe für sozial Schwache

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Gießen(pm). Was haben Angela Merkel und die Gießener Tafel gemeinsam? Antwort: Beide sind seit 15 Jahren, also seit 2005, "im Amt".

Rückblende: Im Jahr 2005 tritt das Arbeitslosengeld II (ALG II), bekannter unter dem Namen Hartz IV, in Kraft. Auch in Gießen bedeutet das für viele Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation. Viele Menschen haben immer größere Probleme, mit ihrem wenigen Geld über den Monat zu kommen. Gleichzeitig gibt es einen nahezu obszönen Überfluss an Lebensmittelangeboten.

Schon im Jahr 1993 hatte eine Berliner Initiative dies zum Anlass genommen, zunächst vor allem Obdachlosen zu helfen, indem man Lebensmittel einsammelte, die "überschüssig" waren, und diese an bedürftige Menschen weitergab. Zehn Jahre nach der ersten Tafel-Eröffnung in Berlin saßen der Leiter des Diakonischen Werks in Gießen, Holger Claes, und seine Kollegin Ariane Brinks aus Grünberg zusammen und berieten, ob das nicht auch etwas für den Kreis und die Stadt Gießen wäre. Claes merkte, wie er mit seiner Idee häufig offene Türen einrannte. An Menschen und auch Firmen, die helfen wollten, mangelte es von Beginn an nicht. Zur ersten Informations-Veranstaltung in den Räumen der Pankratius-Gemeinde kamen 70 Hilfsbereite. Zu den ehrenamtlichen Helfern gesellten sich unterstützende Organisationen wie Soroptimist, Lions Club in Gießen, Round Table, Rotary oder Inner Wheel.

Am 6. Dezember 2005 fiel dann im Leimenkauter Weg der Startschuss für die Gießener Tafel. Zu Beginn noch ohne Kühlfahrzeug, nur mit einem VW-Bus ausgestattet, sollten an zwei Tagen in der Woche etwa 40 Haushalte mit Lebensmitteln versorgt werden. Die Nachfrage sprengte allerdings bereits binnen Wochen das Angebot. Schon in der zweiten Woche musste ein dritter Ausgabetag organisiert werden. Nach kurzer Zeit standen 250 Haushalte auf der Bezieherliste.

In den Folgejahren hatten Claes und seine Mitstreiter alle Hände voll zu tun, den wachsenden Erfolg der Tafel Gießen mit der nötigen Infrastruktur zu versorgen. Schnell erwies sich der zur Verfügung stehende Raum in zwei Holzcontainern als zu klein. Zwei gebrauchte Baucontainer erweiterten das Platzangebot - allerdings nur so lange, bis ein Brand im Jahr 2012 nahezu alles in Schutt und Asche legte und die Tafel lahm legte.

Brand im Jahr 2012

Die großartige Hilfsbereitschaft aus allen Bevölkerungsschichten sorgte aber sehr schnell dafür, dass die Tafel Gießen wie Phoenix aus der Asche stieg, neue Räumlichkeiten beziehen konnte und schnell weiter expandierte, sodass die Anzahl der Kunden nach kurzer Zeit sogar auf 2800 bis 3000 Kunden in 800 Haushalten ausgedehnt werden konnte.

Hinzukamen im Laufe der Zeit Unterstützungen für 14 soziale Einrichtungen wie die Bahnhofsmission, die Wohnungsnotfallhilfe und viele andere. Dass die Tafel trotz aller kleineren und größeren Katastrophen im Verlauf der vergangenen 15 Jahre eine derartige Erfolgsgeschichte schreiben kann, liegt neben den mittlerweile etwa 300 Helfern und Helferinnen natürlich an den 70 Lebensmittelgeschäften, die Waren zur Verfügung stellen, und auch an den Sponsoren.

Diakonie-Leiter Claes plant zwar - wie Bundeskanzlerin Angela Merkel - seinen Rückzug aus dem aktiven Arbeitsleben, aber er wird vorher alles tun, damit "sein Baby" auch in den nächsten 15 Jahren weiter erfolgreich arbeitet.

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