Hilfe bei psychischen Krankheiten

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen(pm). Wo bekommt eine Familie Beratung und Unterstützung, wenn eines ihrer Mitglieder psychisch krank wird? Dies ist die häufigste und dringlichste der Fragen, die in der Angehörigengruppe Mittelhessen gestellt werden. Der Verein besteht seit dem Jahr 2000 und ist ein Zusammenschluss von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen. Probleme treten häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter auf, gerade dann sollten Hilfen rasch und koordiniert greifen. Dies ist jedoch bestürzend oft nicht der Fall, wie Eltern in den Gruppentreffen und bei anderen Kontakten berichten.

Der Verein zog auf seiner Jahreshauptversammlung in den Räumen der Universitätspsychiatrie in Gießen die Bilanz des vergangenen Jahres. Als neues Angebot steht den Vereinsmitgliedern seit Jahresbeginn ein sachkundiges Mitglied für Informationen und Ratschläge zum Sozialrecht zur Verfügung.

Gute Entlastung

Der Verein ist aus der Angehörigen-Gesprächsgruppe an der Uni-Psychiatrie in Gießen hervorgegangen. Die Beliebtheit dieser Gruppentreffen ist nach wie vor groß. Die Teilnahme ist frei und keine Anmeldung nötig. Gerade als Ort des offenen Austauschs und gegenseitigen Verständnisses kann die Gruppe auf längere Sicht eine wirksame Entlastung für Angehörige bedeuten, betonten die Vorsitzende Jutta Seifert und ihr Stellvertreter Dr. Gerhard Weißler. Die Treffen sind jeweils am 2. Dienstag jeden Monats ab 17.30 Uhr im 3. Stock der Uni-Psychiatrie in Gießen.

Kritik wurde im Jahresrückblick auch daran geübt, dass das Sozialsystem immer noch auf die ständige Verfügbarkeit von Frauen und Müttern zähle. Berufstätigkeit von Eltern, Alleinerziehende, Fürsorge für die Alten in der Familie und dann noch Probleme im Zusammenleben mit einem psychisch kranken Menschen, das bringt viele Angehörige an ihre Grenzen. Kein Wunder, dass in der Gruppe regelmäßig der Satz fällt: "Ich bin am Ende, ich halte das nicht mehr aus…"

Der Verein möchte in diesem Jahr erneut einen Angehörigentag veranstalten, bei dem professionelle Helfer und Organisationen, vor allem aber politisch Verantwortliche im hiesigen Raum angesprochen werden sollen: Es geht um sogenannte "Systemsprenger". Das sind oft tragische Fälle von Kindern, jungen Menschen oder auch Erwachsenen, die sich den Grenzen der pädagogischen, fürsorgerischen und therapeutischen Hilfen entziehen. Wie kommt das? Wie kann das "System" auch diese Menschen einbeziehen? Die ganztägige Veranstaltung ist für den 24. April im Bürgerhaus Kleinlinden geplant. Weitere Infos im Internet auf angehoerige-mittelhessen.de oder Tel. 0151/548 77 805.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare