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Kinder haben ein Recht auf Erziehung ohne Gewalt. FOTO: DPA

Heute ist Tag der gewaltfreien Erziehung

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Gießen(pm). Zum Tag der gewaltfreien Erziehung am heutigen Donnerstag befürchtet der Kinderschutzbund Gießen, dass das Kinderrecht auf gewaltfreie Erziehung in der Corona-Pandemie gefährdet ist. Er weist auf die zunehmende Gefährdung von Kindern und Jugendlichen hin.

Neben dem generellen Bedarf nach konsequenten Maßnahmen zur Verhütung von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bestehe aktuell das Risiko einer Gewaltzunahme: Geschlossene Kitas, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Homeoffice stellen viele Familien vor besondere Herausforderungen. Isolation, soziale Distanzierung, fehlende Tagesstruktur, wirtschaftliche Not, knapper Wohnraum und Zukunftsängste beförderten Konflikte und Gewalt. Die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen erschwerten die Arbeit der Hilfesysteme. Vieles, was Familien unterstützt, ist zum Erliegen gekommen", heißt es in einer Erklärung des Orts- und Kreisverbandes zum "Tag der Gewaltfreien Erziehung", der am 30. April zum zwanzigsten Mal begangen wird.

Den Tätern ständig ausgeliefert

Kinder, Jugendliche und Menschen, die zu Hause psychische, physische oder sexualisierte Gewalt erleben, befänden sich in einer gefährlichen Situation. Sie seien den Tätern ständig ausgeliefert und hätten kaum Möglichkeiten, sich bei anderen Menschen Hilfe zu holen oder sich der Gewalt phasenweise zu entziehen.

Insbesondere während der aktuellen Corona-Pandemie dürfe die Politik das Risiko der verdeckten Gewalt gegen Kinder nicht aus den Augen verlieren. Schließlich sei durch die Reduzierung von Kita- und Schulbetrieb die soziale Aufmerksamkeit notwendigerweise geringer geworden.

Die Verordnungen zur Eindämmung der Pandemie werden vom Kinderschutzbund ausdrücklich unterstützt. Dennoch zeigen sich Kinderschützer in ganz Deutschland befremdet darüber, dass über die Aufnahme des Spielbetriebs der Bundesliga oder die Eröffnung von Möbelhäusern engagiert diskutiert wird, während die Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle spielten. Der Bewegungsspielraum von Kindern sei empfindlich eingeschränkt. Durch die nach Schließungen von Einrichtungen, Schulen, Sport- und Spielplätzen würden sie von ihren Spielkameraden isoliert. Ihr Recht auf Bildung werde im Ergebnis eingeschränkt, vor allem bei Kindern aus einkommensschwachen Familien. "Die Debatte darüber, wie wir Betreuungseinrichtungen und Schulen schrittweise öffnen können, muss die Bedürfnisse der Kinder stärker im Blick haben - nicht nur die der Leistungsgesellschaft", so der Gießener Kinderschutzbund-Vorsitzende Gerhard Merz.

Die negativen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche werden über das Ende der Infektionsschutzmaßnahmen hinausgehen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass auf alle wirtschaftlichen Rezessionen der letzten Jahrzehnte ein deutlicher Anstieg körperlicher, emotionaler und sexualisierter Gewalt gegen Kinder folgte.

Der Kinderschutzbund appelliert an die politischen Entscheidungsträger, die Bedürfnisse und die Sichtweise von Kindern und Jugendlichen sowie den Kinderschutz und die Kinderrechte in der Pandemiebekämpfung stärker zu berücksichtigen. Studien zur Rolle von Kindern im Infektionsgeschehen sollten initiiert und die schrittweise Öffnung der Kindertagesbetreuung geplant werden.

Der Tag der gewaltfreien Erziehung wird in Deutschland seit 2004 begangen. Seit 2000 gilt in Deutschland das Recht auf gewaltfreie Erziehung. "Nach jahrelanger Lobbyarbeit hat vor allem der Kinderschutzbund entscheidend dazu beigetragen, dieses Recht zu verwirklichen und wir werden nicht lockerlassen, dass diese Bemühungen in der gegenwärtigen Krise nicht zunichtegemacht werden", sagte Merz.

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