Hereinspaziert ins Museum

  • schließen

Das Museum zu ungewohnten Terminen öffnen, neue Formate installieren, auch das gehört zum Konzept der neuen Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch. Ziel ist, das Museum und seine Sammlungen bekannter zu machen, Gießener hereinzulocken. Der erste "Hereinspaziert!"-Abend war mit gut 25 Personen ein erfreulicher Start.

Das Museum zu ungewohnten Terminen öffnen, neue Formate installieren, auch das gehört zum Konzept der neuen Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch. Ziel ist, das Museum und seine Sammlungen bekannter zu machen, Gießener hereinzulocken. Der erste "Hereinspaziert!"-Abend war mit gut 25 Personen ein erfreulicher Start.

Tatkräftige Unterstützung findet Weick-Joch bei der Museumsgesellschaft, deren Vorsitzender Kay Hörster das (für Gießen) neue Format "Hereinspaziert!" organisiert. Ein Gast aus Kunst, Kultur, Wissenschaft oder Politik wählt ein Objekt aus, das ihn besonders anspricht. Um welches Objekt es sich handelt, erfahren Besucher des Abends erst vor Ort. Im lockeren Gespräch wird das Objekt erkundet, bevor der gesellige Teil im Foyer folgt.

Vierteljährliche Veranstaltungen

Für die Auftaktveranstaltung wurde Dr. Kai Krieger gewonnen, Mitbegründer des Gießener Street-Art-Kollektivs 3Steps. Hörster stellte den Künstler und Kurator zunächst vor. Die Werke der vielfach ausgezeichneten Street Art-Gruppe prägen das Gießener Stadtbild seit Jahren. Dank des von ihnen organisierten internationale Festivals "River Tales" (seit 2012) sind mittlerweile auch Werke internationaler Street-Artisten nach Gießen gekommen.

Ausgesucht hatte sich Krieger das Gemälde "Leipzig, nachts X" (1998) von Annette Schroeter. Museumsleiterin Weick-Joch stellte die Malerin aus Leipzig kurz vor, zeigte auch den Zusammenhang des Bildes innerhalb der Museumssammlung auf. Es geht um Malerei, in der das Material Farbe deutlich hervortritt, und die an der Grenze von figurativ und abstrakt pendelt. Auf Schroeters Bild ist eine Straßenszene bei Nacht zu sehen, es ist Teil einer Serie. Bei dem Motiv also nicht verwunderlich, dass ein Street-Art-Künstler wie Kai Krieger sich davon angesprochen fühlt.

Der Sog in die Tiefe des Bildes, der scharfe Kontrast zwischen dem Dunkel der Nacht und dem warmen Gelb der Straßenbeleuchtung, das habe ihn angesprochen, erzählt er. Dieses warme Gelb sei überhaupt seine Lieblingsfarbe, eine Farbe, die es in Sprühdosen gar nicht gibt, die auch bei Wandfarben nur durch Mischung erzielt werden kann. Ein aufwendiges Verfahren. Und schon ist er, der als seine Lieblingsbeschäftigung angibt "Farben sortieren", ganz in seinem Element. Das Publikum nutzte die Gelegenheit und stellte ihm weitere Fragen zu seiner Arbeit als Street Art-Maler.

Die Museumsleiterin wies noch darauf hin, dass Schroeters Werke schon vor Jahren (1998) im Alten Schloss ausgestellt wurden und sie sich weiterentwickelt habe zu einer Scherenschnitt-Künstlerin. Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass auch dieser Teil von Schroeters Schaffen in Gießen zu erleben war: 2014 in der neuen Kunsthalle, zusammen mit zwei anderen Papierschnitt-Künstlern.

Angeregt und bereichert klang der Abend aus. So mancher Besucher nutzte die Gelegenheit den gesamten Dauerausstellungsraum im zweiten Obergeschoss in Augenschein zu nehmen. Man darf gespannt sein, wer als nächstes über welches Werk spricht. Es gibt noch sehr vieles, das (neu) kennenzulernen ist. Geplant ist das Format "Hereinspaziert!" vierteljährlich, immer an einem Donnerstagabend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare