Helfer brauchen Hilfe

Die Corona-Pandemie stellt die Tafel in Gießen immer noch vor Probleme. Während die Nachfrage nach Lebensmitteln weiter steigt, fehlen jetzt ehrenamtliche Helfer.

Wir bekämpfen keine Armut, wir lindern sie nur", sagt Holger Claes, Leiter des Diakonischen Werkes. Das fällt den Mitarbeitern der angeschlossenen Tafeln derzeit schwerer als sonst. Seit Corona gebe es mehr Menschen, die sich bei der Tafel registrieren, aber weniger Helfer, erzählt Claes. " Die Tafel ist ein Armutsindikator", sagt er. In den letzten beiden Monaten haben sich 40 neue Haushalte angemeldet. Das seien 70 Prozent mehr als normalerweise in diesem Zeitraum. Im Moment versorge die Tafel bereits 550 Gießener Haushalte.

Die gestiegene Nachfrage ist für die Tafel ein Problem, weil mit Corona alte Ehrenamtliche ihr Engagement eingestellt haben. "Viele Helfer sind wegen ihres Alters in der Risikogruppe", sagt Claes. Deswegen habe die Tafel zu Beginn der Pandemie einen Aufruf nach jungen Menschen gestartet, der auf viele offene Ohren gestoßen sei. "Innerhalb von 48 Stunden haben sich 120 Menschen gemeldet", erzählt Anna Conrad, Koordinatorin der Tafel. 80 davon seien zu ehrenamtlichen Helfern geworden. Deren Aufgaben sind vielseitig. Die Freiwilligen holen Lebensmittel mit Kühlwagen ab, sortieren sie und stemmen den Zustelldienst.

Viele Freiwillige wieder weg

Von den 80 neuen Helfern sind mittlerweile aber nur noch 20 aktiv. Mit den Corona-Lockerungen sei bei Studierenden und Angestellten der normale Alltag wieder losgegangen, für die Arbeit bei der Tafel bleibt kaum noch Zeit. Um die noch vorhandenen Helfer nicht zu überlasten, habe die Tafel die Neuanmeldungen zunächst auf eine Warteliste setzen müssen, sagt Conrad. "Das heißt aber nicht, dass jetzt keiner mehr bei uns aufgenommen wird." In einer Notsituation könne ein Bedürftiger über den sozialen Dienst der Diakonie immer Hilfe bekommen.

Neben den fehlenden Helfern und der Zunahme an Anfragen und der ständigen Sorge, dass es bei der Tafel zu einer Corona-Infektion kommen könnte, steht die Tafel in Gießen vor einem weiteren Problem: Einer der vier Kühlwagen hat einen Totalschaden. "Die Achse ist gebrochen", sagt Conrad. Das belastet wiederum die Ehrenamtlichen. Statt gleichzeitig mit vier Teams unterwegs zu sein, müsse die Arbeit jetzt von drei Teams erledigt werden. Und die Ausfahr-Teams seien ohnehin stark belastet, da wegen des Abstandsgebotes derzeit nur zwei Ehrenamtliche in einem Team fahren können. Vor Corona seien die Laster mit drei Helfern ausgefahren.

Nachfrage nach Versorgung steigt

Einen neuen Kühlwagen zu finanzieren, sei schwierig. 45 000 Euro koste die Tafel ein solches Fahrzeug. Diese Summe muss durch Spenden zusammenkommen, sagt Conrad und ergänzt: "Mit 5 000 Euro kann man sich an einem neuen Wagen beteiligen und bekommt dafür die Möglichkeit, sein Logo am Fahrzeug aufzubringen." Die Tafel stehe im Moment zwar schon in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern, aber bis jetzt gebe es noch keine feste Zusage.

"Die Tafel braucht immer Ehrenamtliche und Geld", sagt Conrad. Gerade mache sich das aber besonders bemerkbar. So sei die Zweigstelle in Pohlheim zum Beispiel derzeit geschlossen, weil es dort schon keine Helfer mehr gebe. Zudem hofft die Koordinatorin, dass die Spendenbereitschaft wegen Corona nicht zurückgehe. "Das werden wir erst am Jahresende sehen. Traditionell ist Weihnachten die Spenden-Saison".

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