Im Heimatland besser aufgehoben

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Gießen (se). Keine Bandenkriminaltät, stellte Richterin Birgit Ruppel fest. Für zwei der vier Beschuldigten bedeutete das: Der Haftbefehl wird aufgebhoben, sie sind frei. Zwei weitere Männer bleiben aber in Haft; sie haben auch wegen ihrer Vorbelastung bzw. Tatbeteiligung die Chance auf Bewährung verwirkt.

Vier junge Albaner hatten sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht zu verantworten, weil sie am 14. Februar dieses Jahres mit unterschiedlicher Tatbeteiligung in den frühen Morgenstunden in zwei Gießener Gaststätten eingestiegen waren und dort Geld entwendet hatten. Ein dritter Einbruch scheiterte. Die vier weitgehend geständigen Männer befinden sich seit dieser Zeit in Untersuchungshaft. Der Älteste der Beschuldigten, zur Tatzeit 20 Jahre und elf Monate, erhielt eine Freiheitstrafe von 18 Monaten. In diesem Zusammenhang sollte ein von ihm begangener Tankbetrug mit einem Schaden in Höhe von 62 Euro nicht unerwähnt bleiben. Ebenfalls in Haft bleibt ein 19-Jähriger, bei dem zwar Jugendstrafrecht angewendet wurde, der zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und elf Monaten Haft verurteilt wurde. Dabei ließ die lange Liste der Vorbelastungen ein milderes Urteil nach Ansicht des Jugendschöffengerichts nicht zu. In der Vergangenheit war er mehrfach straffällig geworden, ohne eine Haft verbüßen zu müssen. Zudem hat er sich über das Aufenthaltsverbot in Deutschland hinweggesetzt. Jeweils zehn Monate auf Bewährung erhielten zwei 20-Jährige, die in Handschellen vorgeführt worden waren, als freie Männer den Gerichtssaal verlassen konnten. Aber damit waren für die beiden nicht alle Probleme gelöst, denn die Jugendgerichtshilfe hatte für die Beschuldigten keine günstige Sozialprognose ausgestellt. Sie sollten so schnell wie möglich nach Albanien zurück.

Zunächst hatte es den Anschein, als hätten sich die vier jungen Albaner im Spätwinter zur einer Bande zusammengerottet, um Straftaten zu begehen. Doch die Anklage hatte schnell erkannt, dass der Tatvorwurf der Bandenkriminalität nicht aufrechterhalten werden könne. Immerhin sind zwei junge Männer via Fernbus nach Frankfurt und von dort mit dem Zug nach Gießen gefahren. Wie sie berichteten, wollten sie hier einen Antrag auf Asyl stellen, doch nachdem sie sich verabredungsgemäß mit zwei weiteren Männern getroffen hatten, verfolgten sie andere Ziele. Einem der beiden, dem Ältesten aus dem Quartett, war die zweifelhafte Idee gekommen, den eigenen, notorisch knappen Bargeldbestand durch Einbruchsdiebstähle aufzubessern. Aus diesem Grund hatte er sich eine Eisenstange von einem Container geschnappt. Mit Hilfe der Stange wurde dann die Tür zu einer Gaststätte in der Klinikstraße ausgehebelt und 300 Euro entwendet. Zwei Männer waren in die Gaststätte eingedrungen, die beiden anderen standen Schmiere. Knapp 20 Minuten später das gleiche Spiel bei einem Lokal in der Friedrichsstraße. Die Beute hier: ca. 350 Euro. Der dritte Einbruch, ausgesucht hatten sich die jungen Albaner einen Grill-Imbiss in der Goethestraße, scheiterte an der Eingangstür.

Alle Angeklagten wollen nach eigenem Bekunden zurück nach Albanien. Das wäre dann sicherlich eine gute Entscheidung, denn laut Sozialprognose kommen sie in Albanien besser klar als in Deutschland.

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