»Heilige Stadt der Artemis« im Wallenfelsschen Haus

Die Sonderausstellung wurde zu Ehren des Archäologen Dr. Wolfram Martini eröffnet, der seinen 70. Geburtstag im September feierte.

Von Dr. Wolfram Martini kann man wirklich sagen, dass er Staub aufgewirbelt hat. Zum einen den echten, unter dem ein klassischer Archäologe wie er antike Trümmer aufspürt. Und dann noch Staub im übertragenen Sinn: Immerhin hat er während seiner Zeit an der Universität Gießen die Antikensammlung ins Wallenfels’sche Haus gebracht, also mitten in die Stadt und damit in die Öffentlichkeit. Zum 70. Geburtstag ehrt ihn die Uni nun mit der Sonderausstellung »Heilige Stadt der Artemis«.

Hierapolis Kastabala heißt der Ort in der heutigen Türkei, über den der Besucher auf 30 Fotos und einer großen Einführungstafel mehr erfährt. Dass die Wahl ausgerechnet auf die Stadt in Kilikien – eine in der Antike von Griechen besiedelte Landschaft – gefallen ist, habe drei Gründe, sagte Dr. Anja Klöckner in ihrer Eröffnungsrede. Sie hat den Lehrstuhl von Martini nach dessen Emeritierung im Jahr 2006 übernommen. Zum einen sei Kleinasien ein Schwerpunkt in Martinis Arbeit gewesen, weshalb man damit ihm als Forscher habe gerecht werden wollen. Mit Professor Friedhelm Häring grabe außerdem ein ehemaliger Schüler in Kastabala – eine Huldigung des Lehrers Martini.

Außerdem nannte Anja Klöckner den Ort eine der interessantesten Grabungsstätten, die sie kenne. »Es ist etwas ganz Besonderes – und passt damit zu der Persönlichkeit Wolfram Martini«, so die Archäologin.

Kastabala ist vor allem wegen seines Artemis-Kults bekannt. Die Priesterinnen der Göttinnen sind – wie antike Quellen berichten – barfuß über glühende Kohlen gelaufen, ohne Schaden dabei zu nehmen. Zum ersten Mal wird der Ort erwähnt, als Alexander der Große vor der Schlacht bei Issos im Jahr 333 vor Christus hier haltgemacht hat. Klöckner lobte die spektakulären Ruinen der Grabungsstätte und wissenschaftliche Erkenntnisse, die noch zu erwarten seien. Turgut Zeyrek gräbt seit 2009 in Kastabala, Veröffentlichungen hat es bisher nicht gegeben. Der Besucher erhält also Einblick in aktuelle Forschung. Exponate bietet die Ausstellung nicht, weil die Stücke die Türkei nicht verlassen dürften. Die Vitrinen sind dennoch neu bestückt worden, weil derzeit drei Ausstellungen der Antikensammlung auswärts laufen – in Jena, Grünberg und Wetzlar.

Der zweite Stock des Wallenfels’schen Hauses, in dem die Ausstellung noch bis 12. Februar zu sehen sein wird – war zur Eröffnung gut besucht. Zahlreiche Gäste hatten sich eingefunden, darunter Kollegen Martinis und viele Studenten. Außerdem war Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich gekommen, die mit Martini während ihrer Zeit an der Uni zusammengearbeitet hat. »Sie gehören nicht zu den Wissenschaftlern, die sich im Elfenbeinturm verkriechen«, lobte sie Martinis Einsatz und Arbeitsweise. Sie habe viel von ihm, der von 2001 bis 2003 Dekan seines Fachbereichs war, für ihren jetzigen Beruf lernen können. Häring, Leiter des Oberhessischen Museums, schenkte Martini eine seltene Ausgabe mit Liedern des antiken griechischen Lyrikers Anakreon. »An Martini Martini zu feiern, ist natürlich eine wunderbare Angelegenheit«, scherzte er in Hinblick darauf, dass die Eröffnung auf den Martinstag fiel. Der emeritierte Professor selbst, der bereits im September seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte, bedankte sich bei allen für die lobenden Worte. chs

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