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Heidt-Sommer macht’s allein

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Von: Burkhard Möller

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Christopher Nübel und Nina Heidt-Sommer geben bekannt, dass die Zeit der Doppelspitze bei der Gießener SPD beendet ist. © Burkhard Moeller

Die Gießener SPD hat sich nach nur drei Jahren von der Führung durch eine Doppelspitze verabschiedet. Nach dem Parteitag am Freitag wird der Stadtverband von der Landtagsabgeordneten Nina Heidt-Sommer allein geführt. Ihr bisheriger Co-Vorsitzender Christopher Nübel konzentriert sich auf die Führung der Fraktion. Die Gründe liegen im »persönlichen Bereich«.

Kommunalpolitiker werden hin und wieder als Feierabendpolitiker bezeichnet. Der Begriff ist nicht nur respektlos, sondern auch falsch. Feierabend haben sie ja gerade nicht, wenn sich der Arbeit noch Vorstands-, Fraktions-, Ausschuss- und Parlamentssitzungen anschließen. Diese Belastung hat nun auch in der Gießener SPD zu einer Veränderung an der Spitze geführt. Durchaus überraschend beendete der Stadtverband bei der Jahreshauptversammlung am Freitagabend im Kleinlindener Bürgerhaus nach nur drei Jahren die Führung durch eine Doppelspitze. Die alleinige Vorsitzende Nina Heidt-Sommer und ihr bisheriger Co-Vorsitzender Christopher Nübel gaben als Grund »persönliche Veränderungen bei uns beiden« an, wie die Landtagabgeordnete sagte.

Während die Abkehr von der Doppelspitze nicht völlig unumstritten ist, wie zwei Stimmen gegen diese Veränderung im Vorstand zeigten, ist es die neue Stadtverbandschefin nicht: Von den 47 Stimmen der Delegierten aus den zehn SPD-Ortsvereinen entfielen 46 auf die 44-jährige Pädagogin, ein Delegierter enthielt sich. Nübel, der die Stadtverordnetenfraktion weiterhin führt, kandidierte auch nicht für ein anderes Vorstandsamt.

Mehr Arbeit seit der Kommunalwahl

Der bisherige Co-Vorsitzende hat sich in den letzten Jahren als Rechtsanwalt und Experte für Verwaltungsrecht über Gießen hinaus einen Namen gemacht und ist entsprechend gefragt, zudem hat er eine Familie gegründet. Außerdem sei die Arbeitbelastung für die Fraktion seit der letzten Kommunalwahl gestiegen. Durch den Verlust etlicher Mandate sei die Arbeit auf weniger Schultern verteilt, zudem seien fast alle Fraktionsmitglieder mittlerweile berufstätig und verfügten über weniger Zeit, sich auf die Sitzungen vorzubereiten, erklärte Nübel. Er und Heidt-Sommer würden in der Öffentlichkeit weiter als »Team« auftreten, die Abkehr von der Doppelspitze sei eine »reine Umorganisation«. Die einzige Kandidatin für den Vorsitz bezeichnete Nübel vor ihrer Wahl als »durchsetzungsstarke Frau«, die sich innerhalb kürzester Zeit im Landtag schon viel Respekt erarbeitet habe.

Heidt-Sommer, die verheiratet ist und zwei Pflegesöhne hat, war im vergangenen Jahr für Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher in den Landtag nachgerückt und dürfte für die SPD in einem Jahr auch ins Rennen ums Landtagsmandat im Wahlkreis Gießen I gehen.

In ihrem Rechenschaftsbericht widmete sich das bisherige Führungstandem ausführlicher der Kommunalwahl, bei der die SPD von Platz eins auf drei hinter die Grünen und die CDU zurückgefallen war. Ein Grund seien die coronabedingten Einschränkungen gewesen. »Die SPD hat kritische und diskussionsfreudigeWähler. Wir brauchen den direkten Austausch mit den Menschen«, sagte Nübel.

Auf der Habenseite steht der Gewinn der Oberbürgermeisterwahl, ebenfalls im vergangenen Jahr. Die Siege bei der OB-, Landrats- und auch Bundestagswahl in Gießen zeigen für den Bundestagabgeordneten Felix Döring. In seinem Grußwort sagte er, dass das Potential für die SPD da sei, »aus dem rot-grünen Wählerspektrum wieder mehr Leute für uns zu gewinnen«. Heidt-Sommer will das Ziel, in Gießen wieder stärkste Kraft zu werden, »nicht aufgeben«. Keine Partei sei in Gießen besser vernetzt und breiter aufgestellt als die SPD. In der »Fortschritts-Koalition« mit Grünen und Gießener Linke müssten die notwendigen Veränderungen zum Beispiel für den Klimaschutz »zügig kommen«.

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