Nur Hehlerei, kein Raub

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Gießen(se). Vier Monaten nach Verfahrungseröffnung folgte jetzt das Urteil: Drei jungen Männern wurde bei unterschiedlicher Tatbeteiligung vorgeworfen, kurz nach Mitternacht des 11. Oktobers 2018 in der Pendleton-Siedlung einen damals 20-Jährigen überfallen, beraubt und geschlagen zu haben. In der Anklageschrift war von Raub, Körperverletzung, Hehlerei und Begünstigung die Rede, doch in das Urteil flossen nur Hehlerei und Begünstigung ein, auch weil das Opfer die Täter nicht wiedererkannt hatte.

Da die drei Angeklagten zur Tatzeit als Heranwachsende galten, wurde vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts verhandelt. Am Donnerstag wurde das Verfahren nach einer alles andere als einfachen Beweisführung zum Abschluss gebracht. Dabei sind die vorgeladenen Zeugen erneut nicht erschienen und waren auch nicht auffindbar. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein heute 21-Jähriger versucht hatte, das erbeutete Handy zu veräußern. Als versuchte Hehlerei und Begünstigung bewertete Staatsanwältin Angelika van Delden die Taten des Mannes; geforderte Strafe: eine Verwarnung und eine Geldauflage in Höhe von 1500 Euro. Verteidiger Ramazan Schmidt plädierte auf Freispruch, "hilfsweise" auf Verwarnung und Geldauflage in Höhe von 900 Euro. Die Richterin sprach im Urteil die Verwarnung aus und legte die Auflage auf 1200 Euro fest. Sie attestierte diesem Angeklagten, dass zur Tatzeit "Entwicklungsstörungen" vorhanden sein könnten, aber auch, dass "schädliche Neigungen nicht mehr festzustellen" seien. "Sie sind auf einem guten Weg", rief sie dem jungen Mann zu, der inzwischen einer festen Beschäftigung nachgeht und dessen Chef ebenso unter den Zuhörern war wie einige seiner Verwandten.

In Absprache mit seinem Mandanten erklärte Ramazan Schmidt "Rechtsmittelverzicht". Bei den anderen beiden Angeklagten hielt die Staatsanwältin am Tatvorwurf Körperverletzung und Raub fest und forderte Jugendhaftstrafen von einem Jahr bzw. 18 Monaten, die jeweils zur Bewährung auszusetzen sind. Die Verteidiger, Dagmar Nautscher und Alexander Hauer, plädierten auf Freispruch. Sie sahen keine Beweise für eine Tatbeteiligung.

Dieser Auffassung schloss sich Richterin Birgit Ruppel nicht an, wenngleich sie trotz ihrer Bedenken keine Verurteilung wegen Raubes und Körperverletzung vornahm. Ein Freispruch wurde es aber doch nicht. Das Gericht sieht diese beiden Angeklagten der Hehlerei und Begünstigung überführt und verhängte elf Monate Jugendstrafe für den einen, acht Monate für den anderen. Die Strafen wurden zur Bewährung (drei Jahre) ausgesetzt.

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