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An dieser "Eistorte" scheiden sich derzeit die Geister. 

Keine Ausnahmen

Heftige Kritik an Café in Gießen: "Andere Eisdielen fühlen sich veräppelt"

Manche fanden die Idee cool, andere unverfroren: Das Café Geißner hat zuletzt "Eistörtchen" verkauft. Die Betreiber dachten, damit die Corona-Verordnung zu umgehen. Dem ist aber nicht so.

Gießen - Sommerliche Temperaturen haben am Wochenende viele Gießener auf die Straße gelockt. Auch vor dem Café Geißner hat sich zeitweise eine Schlange gebildet. Kein Wunder: Die Konditorei hat neben Kuchen auch als einziges Gießener Lokal eine Eiskreation to go verkauft. 

Das sorgte für viele Fragezeichen, schließlich ist der Eisverkauf nach der hessischen Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus verboten. Betreiber Arnd Fischer sah sich von der Regelung ausgenommen, da er sein Eis auf einen Bisquitboden bettete und so offiziell eine "Eistorte" kreierte. "Das ist ein klassisches Produkt der Konditorei", betont er. Das Regierungspräsidium sieht das jedoch anders. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte die Behörde am Montag mit: "Auch dies ist rechtlich als unzulässiger Eisverkauf zu betrachten."

Corona Gießen: Verwirrung um Eisverkauf-Verbot

Der Verkauf von Speiseeis hat in den vergangenen Tagen für Verwirrung gesorgt. Das liegt unter anderem daran, dass in der Verordnung des Wirtschaftsministeriums anfangs zu lesen war, dass Eisdielen zwar schließen müssten, der Außer-Haus-Verkauf aber weiterhin erlaubt sei. Einige Tage später wurde der Wortlaut geändert. Seither ist der Handel komplett verboten, auch die Lieferung. Begründung: Eis sei kein Grundnahrungsmittel. Zudem gebe es Bedenken, dass sich der Virus in den Warteschlangen vor Eisdielen ausbreiten könnte.

Café-Geißner-Betreiber Fischer betont in diesem Zusammenhang, dass er keine Eisdiele leite, sondern eine Konditorei mit über 400 Produkten. Abgesehen davon habe er sich nicht über ein Verbot hinweggesetzt, sondern vorab mit mehreren Stellen gesprochen. "Ich habe mit der für uns zuständigen Handwerkskammer telefoniert. Dort wurde mir gesagt, dass ich als Konditorei einen Mischbetrieb habe und daher sehr wohl Eis verkaufen darf." Das habe er dann auch gemacht - nachdem er extra frische Zutaten eingekauft und eingefroren habe.

Am Samstag tauchte dann das Ordnungsamt in der Plockstraße auf und untersagte den Verkauf. Als Unternehmer habe er daraufhin schnell reagiert und die "Eistorte" kreiert, erklärt Fischer. "Ich habe mit dem Ordnungsamt gesprochen. Sie waren begeistert und haben gesagt, dass so alles in Ordnung sei."

Seine Kreation kam aber nicht bei allen gut an. Fischer spricht von einem regelrechten "Shitstorm", vor allem vonseiten der Eisdielenbetreiber. Aber nicht nur die sahen in den Eistörtchen eine unfaire Umgehung der Regeln.

Corona Gießen: Bürgermeister droht mit Bußgeld

Auch Bürgermeister Peter Neidel vertritt die Ansicht, dass die Aktion von Café Geißner nicht dem Sinn und Zweck der Verordnung entspricht. "Bei Eis geht es nicht um die Aufrechterhaltung der Grundversorgung. Andere Eisdielen fühlen sich veräppelt. Zurecht, wie ich meine." Der Ordnungsdezernent kündigte daher am Montag an, mit den Café-Betreibern sprechen zu wollen und das bei Missachtung ein Bußgeld folge.

Fischer ist wegen der aktuellen Entwicklung sehr verärgert. "Der eine sagt dies, der andere sagt das." Zudem betont er, dass der Verkauf des Eistörtchens am Sonntag lediglich zehn Prozent des Umsatzes ausgemacht habe, beim Rest habe es sich um Kuchen gehandelt. Der Verkauf von Speiseeis sei ohnehin nicht lukrativ für sein Geschäft. "Aber ich will die Rohstoffe, die ich gekauft habe, nachdem mir gesagt wurde, ich darf Eis verkaufen, nicht wegschmeißen." Er überlegt kurz, dann fügt er an: "Wer weiß, wie lange das hier alles noch geht."

Den Ärger der Eisdielen über die Verordnung könne er zwar nachvollziehen, sagt Fischer. Das Café Geißner sei aber eben nun mal keine Eisdiele. Er habe kaum geringfügig Beschäftigte angestellt, zudem lernten bei ihm viele Auszubildende. "Die will ich durchbringen und weiterhin existieren." Kämpferisch fügt er an: "Die können mir die Eistorte nicht verbieten, weil sie ein klassisches Produkt der Konditorei ist. Da können sie auch gleich meinen Kuchen verbieten."

Die Handwerkskammer Wiesbaden sieht es offenbar genauso. Laut Fischer will sich der Branchenverband beim RP intervenieren.

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