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Müll und Corona

So sehr beeinflusst Corona das Wegwerfverhalten in Gießen

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Auch der Blick in die Mülltonnen zeigt, wie das Coronavirus den Alltag beeinflusst. Das städtische Fuhr- und Reinigungsamt registriert die Veränderungen - und beklagt illegale Hausratentsorgungen.

In den ersten warmen Wochen des Jahres ist es ein gewohnter Anblick, wenn das Wochenende zu Ende geht. Auch am vergangenen Sonntagabend quollen in der Lahn-aue die Mülleimer zwischen dem Christoph-Rübsamen-Steg und der Konrad-Adenauer-Brücke über. Pappbecher, Pizzakartons, Plastikbehälter mit Essensresten und Beutel mit Einweggeschirr sowie Bierflaschen lagen und standen überall herum. Nach Einschätzung der Stadt ist das aber keine weitere Folge der Einschränkungen in der Corona-Krise, in der die Biergärten seit Wochen leer und die öffentlichen Parks voll sind. Die Vermüllung sei eher jahreszeittypisch, sagt Stadtsprecherin Claudia Boje: "Wir können bisher keine auffällige Zunahme bei Einweggeschirr oder Essensverpackungen feststellen. In der Wieseckaue werden in diesen Tagen wieder die größeren Müllbehälter aufgestellt. Zurzeit fahren wir unsere Standardtouren".

Beim städtischen Fuhr- und Reinigungsamt hat man das Müllaufkommen im März und bisherigen April gewogen sowie analysiert und mit den Vorjahren verglichen. Dabei kam heraus:

  • In Gießen ist das Hausmüll-aufkommen in der Corona-Krise bislang erstaunlicherweise nicht gestiegen. "Dass die Werte nicht gestiegen sind wie in anderen Kommunen, führen wir auf die große Zahl nicht anwesender Studierender zurück", erklärt die Pressesprecherin.
  • Es gibt deutlich weniger Gewerbemüll. Dies betrifft insbesondere die "kleineren" gewerblichen Kunden. Hier registriert die Müllabfuhr Rückgänge in der Größenordnung vin 60 bis 80 Prozent.
  • Es gibt mehr Grünabfall. Boje dazu: "Diese Mengen sind aber saisonal und von Jahr zu Jahr stark schwankend und deshalb nur bedingt vergleichbar. So befördern wir zum Beispiel alleine mit dem Grasschnitt in niederschlagsreichen Zeiten deutlich mehr Mengen als in einem trockenen Jahr".
  • Stark zugenommen haben die illegalen Ablagerungen in Wald und Flur, aber auch im Stadtgebiet. Hier scheint sich auszuwirken, dass in vielen Haushalten in den letzten Wochen ausgemistet wurde und der Wertstoffhof in der Lahnstraße, der am heutigen Montag wieder öffnet, zeitweise geschlossen war. Bei größeren Müllansammlungen kann dem Stadtreinigungsamt die Örtlichkeit der Ablagerung unter der Nummer 0641/3061639 mitgeteilt werden. Die Müllabfuhr versucht dann diese "außer der Reihe" zu beseitigen.
  • Zugenommen haben auch die sogenannten Bürgersteig-Geschenke. Diesbezüglich hatte die Stadt schon im März beklagt, dass unter dem Deckmantel der Nachbarschaftshilfe Hausrat illegal entsorgt wird. Auch wenn es sich nur um kleinere Kisten und Kartons mit Büchern, CD und DVD handelt: Im öffentlichen Straßenraum ist das verboten. Das gilt auch für den Trend zum "Gabenzaun".

Mengenmäßig kein Faktor angesichts der bislang geringen Zahl an Infektionen im Landkreis Gießen ist die Behandlung von Haushalten, die in Quarantäne leben. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, sollen die Betroffenen Restmüll, Verpackungsmüll und Papier in Beutel verstauen und in die graue Tonne stecken, denn dieser Abfall wird verbrannt und nicht sortiert.

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