"Hawwerkasten": Bruno und Siggi gehen in den Ruhestand

Gießen (ck). Über mangelnden Andrang in ihren beiden Gaststätten haben sich Bruno Meißner und seine Frau Siggi in den zurückliegenden 32 Jahren ihres Daseins als Wirtsleute nie beschweren können.

Doch nachdem bekannt geworden ist, dass die beiden Ende März in den Ruhestand wechseln und ihre Kneipe an Maurice Zach-Zach übergeben werden, ist der Ansturm noch einmal angewachsen. Viele Gießener wollen sich persönlich verabschieden und sich noch ein letztes Mal an Brunos deutscher Küche erfreuen, sodass es derzeit zuweilen unmöglich ist, ohne Reservierung einen freien Tisch zu bekommen.

"Ein paar Jahre können es schon noch werden, sofern die Gesundheit mitspielt." So hatte Bruno Meißner die Frage, wie lange er seine Kneipe noch führen wolle, zu seinem 50. und 60. Geburtstag beantwortet. In wenigen Tagen wird diese Zeitspanne abgelaufen sein. "Und das ist auch gut so", sagt der 65-Jährige im Gespräch mit der GAZ. "32 Jahre Kneipe sind genug."

Dass es so viele Jahre werden würden, war zu Beginn nicht unbedingt abzusehen. 1981 hatten er und seine spätere Ehefrau Siggi den "Ludwigshof" in der Ludwigstraße übernommen; ein zwar traditionsreiches, aber zu dieser Zeit arg heruntergewirtschaftetes Lokal.

Sein großer Bekanntheitsgrad – der gebürtige Wiesecker hatte zuvor bereits in seinem gelernten Beruf als Elektriker, danach acht Jahre bei der Polizei und schließlich auch als Rettungssanitäter gearbeitet sowie in der "Käsekiste" ausgeholfen – garantierte Bruno Meißner und seiner Ehefrau Siggi von Beginn an ein volles Haus.

Sprüche und Anekdoten

Eine deftige deutsche Küche, ein gepflegtes Bier und – eines der Brunoschen Markenzeichen – immer ein Spruch auf der Zunge oder eine Anekdote oder einen Wirt im Kopf ließen die Gäste sich heimisch fühlen. Der "Ludwigshof" wurde trotz der kleinen Küche zu einem Erfolgserlebnis. Der "Sauarsch" oder das Schulbrot fanden unter anderem Aufnahme auf der Speisekarte.

Über allem thronte jedoch die Erkenntnis, "dass in einer solchen Kneipe die Anwesenheit der Wirtsleute unabdingbar ist", so Meißner. So ging es in denn ersten Jahren sieben Tage die Woche zum Teil bis spät in die Nacht. Trotz Sperrstunde. "Doch was soll man machen, wenn die früheren Kollegen von der Polizei nach Schichtende noch Durst haben?"

Ende der 90er Jahre bot sich den beiden die Gelegenheit zum Wechsel. Die Licher Brauerei suchte einen Pächter für den "Hawwerkasten", eine der Traditionskneipen in Gießen. Bruno und Siggi griffen zu, zumal die dort größere Küche ganz neue Möglichkeiten bot.

Seit dieser Zeit gibt es auch "fleischlose Kost" wie Salate, Fischgerichte oder die beliebte Grüne Sauce.

Damit einher ging auch ein Wechsel im Konsumverhalten der Gäste, hat der Gastwirt beobachtet. "Hatte früher vor allem der Bierverkauf zum Umsatz beigetragen, kamen von nun an immer mehr Gäste zum Essen." Und auch die Öffnungszeiten verschoben sich. "Herrschte im Ludwigshof erst ab 23 Uhr häufig Kirmes im Lokal, ist es heutzutage vor allem zwischen 19 und 22 Uhr voll.

" Eine Entwicklung, die Bruno Meißner angesichts seines zunehmenden Alters durchaus mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen hat.

Kein radikaler Abschied

Bedingt durch ihr gutes und kompetentes Personals, das zum Teil schon seit mehr als zehn Jahren in der Kneipe tätig ist, haben sich die Wirtsleute schon vor längerer Zeit peu à peu aus dem operativen Geschäfts zurückgezogen. Und da der Nachfolger die Mitarbeiter in Küche und Service übernehmen wird und auch auf der Speisekarte keine großen Einschnitte vorgesehen sind, macht sich Bruno über die Zukunft des Lokals, das nach etwa vierwöchiger Renovierungsphase Anfang Mai wieder öffnen soll, keine Sorgen. Zumal es für ihn keinen radikalen Abschied geben wird.

Auch wenn er in Zukunft verstärkt dem Reisen frönen möchte, wird er dem "Hawwerkasten" weiterhin verbunden sein. Schließlich werden auch künftig mehrmals in der Woche die Jule-Würfler an der Theke darauf warten, dem Neu-Rentner die eine oder andere Runde aufs Auge zu drücken.

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