Cellistin Katie Stephens mit Bratschistin Alexandra Wiedner-Lorenz. FOTO: JOU
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Cellistin Katie Stephens mit Bratschistin Alexandra Wiedner-Lorenz. FOTO: JOU

Ein Hauch von Versailles im Kirchenraum

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Das Konzert des Main-Barockorchesters Frankfurt in der Johanneskirche war ein kulturelles Lebenszeichen: Wieder war der Hunger vieler Musikliebhaber nach Livedarbietungen auch in Krisenzeiten zu spüren. Den Abend mit barocker Hofmusik bereicherte Schauspielerin Franziska Knetsch durch Briefe der Prinzessin Liselotte von der Pfalz, die Einblick in die Welt des Königs Louis XIV. gewährten.

In den lebhaft rezitierten Texten amüsierte der ebenso freimütige wie ironische Ton. Die Briefe haben zwar kaum literarischen Anspruch und sind eigentlich nicht für die Veröffentlichung bestimmt, zeugen vielmehr, an vertraute Menschen gerichtet, von großer Intimität. Gleichwohl schienen sie hörenswert, neigt die Prinzessin doch zum Philosophieren und hinterfragt Konventionen.

Barocke Hofmusik

Die Musikdarbietungen bildeten ein Gegenstück zu den Briefen: Es handelte sich teils um Kompositionen, die Liselotte am Hof des Sonnenkönigs in Versailles gehört haben könnte. Aufhorchen ließ in der Ouvertüre zu "Le Canale de Versailles" von André Danican Philidor die feine melodische Zeichnung in der Interpretation. Das Werk bildet eine aus der Ballettmusik zu einer szenischen Festkantate zusammengestellte Suite. Sehr sensibel traf das zehnköpfige Ensemble unter Leitung des Konzertmeisters Martin Jopp die kontrastierenden Tanzsatzcharaktere. Konturiert und ausdrucksvoll brachte danach Michel Correttes Concerto "Les Sauvages et la Furstemberg" zu Gehör, Zwischenaktmusik zu Opéras comiques. Virtuos spielte Jopp die Solovioline. Friedvolle Atmosphäre zauberte das Ensemble im zweiten Satz "Quand on sait aimer et plaire" in den Kirchenraum. Hier rückte Cembalistin Henrike Seitz in den Vordergrund. Von großer Harmonie war die Finalmusik.

Ganz trist wurde es bei Correttes Komposition "Carillon des morts". In dem Nachspiel zu einem Requiem wird das Totengeläut der Kathedrale von Rouen instrumentatorisch ausgefeilt imitiert. Das letzte Werk, die Suite aus "Les Fontaines de Versailles" von Michel-Richard de la Lande, schlug den Bogen zum Beginn. Wie das Pendant von Danican ist diese der Architektur und Landschaftsgestaltung in Versailles gewidmet und zelebriert die Wasserspiele - ein gelungener Abschluss.

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