Mittelaltermarkt

Ein Hauch von Game of Thrones auf Gießener Schiffenberg

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Ritter in schwerer Rüstung, Armbrustschützen und sogar ein kleiner Drache: Der Schiffenberg lieferte am Wochenende ein bisschen GoT-Kulisse.

Früh übt sich, wer ein echter Drakontologe werden will. Endgültig entschieden haben der siebenjährige Rafael Eckert und sein zwei Jahre älterer Bruder Miguel allerdings noch nicht, ob die Drachenkunde etwas für sie wäre. Je länger die beiden überlegen, desto sicherer sind sie sogar, dass es sich hier um eher brotlose Kunst handelt. Ein kurzer Zweifel, dann die einzig richtige Entscheidung: "Darius, der Erstgeschlüpfte", der plüschig-feurige Glücksdrache auf dem Arm von Marko Lerchen, bekommt am Samstagnachmittag beim Mittelaltermarkt zumindest die gewünschte Streicheleinheit. Für alle Fälle – schließlich haben Drachen, falls es sie denn gibt, mehr Biss als Schutzengel.

Pohlheimer in Ritterrüstung

Was existiert und was nicht, ist bei dem zweitägigen Schauspiel auf dem Schiffenberg ohnehin Ansichtssache. Man nehme nur den mittelalterlichen Klassiker: den Ritter. Es gibt ihn nicht mehr – und doch ist er fast allgegenwärtig. In der Kreuzfahrer-Version begrüßt er mittags die Besucher, als Blech gewordene Fantasie wird er überall gesichtet. Mit schwerer Rüstung, viel zu massivem Helm sowie täuschend echt aussehendem Schwert ist nämlich Leon Cornelius Groß auf dem Markt unterwegs. Das Ritterdasein bezeichnet der 20-Jährige aus Pohlheim als "Hobby". So oft wie möglich schmeiße er sich dafür in (Blech-)Schale und ziehe los. Einziges Problem: "Mit diesem Outfit kann man echt nur auf solchen Märkten herumlaufen." Vielleicht noch auf Spielemessen. Für Fasching sei es "definitiv over the top".

Handwerk und Feuershow

Während Groß für den eher martialischen Teil des Mittelalters steht, verkörpert Fritz Hirsch als "Meister Friedrich" einen der filigransten. Der Bayer präsentiert an seinem Wagen das Drechsler-Handwerk, genauer: den Bau von Drehleiern. Nebenbei verkauft er selbst geschnitzte "Korken" und Schmuck. Als "Akkordeon des Mittelalters" sei das Volksinstrument vor allem im 11. und 12 Jahrhundert beliebt gewesen, erklärt Hirsch den staunenden Gästen. Die hängen an seinen Lippen. Zu Recht: Allzu lange muss man ihm nicht zuhören, um von diesem Handwerk fasziniert zu sein. Faszinierend finden etliche Besucher auch das Programm des Marktes. Die Kleinen kommen, bei insgesamt mehr als 80 Ständen, zum Beispiel im Holzriesenrad auf ihre Kosten, etwas Größere dank Musik von den "Skalden" und den "Pummelelfen". Mit seiner keltischen Harfe unterhält Jonny Robels, während Gaukler Dan Willis von Drachen beschwören bis Fackeln jonglieren so ziemlich alles kann. Die große Feuershow am Samstagabend eint schließlich Jung und Alt.

Ansonsten wird überall geschmiedet, geräuchert und gespielt, was das Zeug hält. "Mit Steinen auf Eier", heißt es bei "Hayduk", einem sympathischen Mann aus Baden-Württemberg, dessen Herkunft sich schon am Akzent verrät. "Sechs Wurf, drei Taler", steht an seinem "Eierknacker", einem entfernten Verwandten des Boccia-Spiels. Tatsächlich schleudern Teilnehmer aber Holzkugeln auf die fixierten, gekochten Eier. Alles nur Schein also? Könnte man meinen, zumal "Hayduk" die Blütezeit des Spiels auf Nachfrage in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert.

Nach zwei Tagen klingt das Mittelalter aus. Wenigstens auf dem Schiffenberg. Hervorgebracht hat es lauter Wandler zwischen den Welten. In der "Feldbeckerey" aßen sie erst Stockbrot, dann Pulled Pork. Jetzt durchschreiten sie das Tor des Marktes, blicken auf die 30 historischen Lager – und steigen dann mit allerlei Souvenirs in den wartenden Shuttlebus.

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