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Mit stillen Protestmärschen machen die etwa 50 Demonstranten im Seltersweg auf ihre Anliegen aufmerksam. FOTO: CSK

Hartes Ständchen

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Gießen(csk). Der Ton allein macht nicht immer die Musik. Um eine Botschaft richtig zu verstehen, gehört der Text manchmal zwingend mit dazu. Und der war kritisch, als die rund 50 Teilnehmer einer Demonstration des Vereins Seebrücke am Samstagmittag im Seltersweg die Melodie von Beethovens "Ode an die Freude" anstimmten. "Öffne deine Außengrenzen und bleibe Refugium", sangen sie an die Europäische Union gerichtet. Ein Ständchen als Standpauke.

Begonnen hatte die knapp zweistündige Protestaktion mit einer Rede von Vera Bonica (Seebrücke Gießen). Während die Coronakrise fast alle Nachrichten bestimmt, werde die Situation der Flüchtlinge an den europäischen Außengrenzen nicht besser, sondern "immer desaströser", sagte sie. Vor allem das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos hatte zuletzt traurige Berühmtheit erlangt. Die fast 20 000 dort ausharrenden Menschen müssten umgehend von der EU aufgenommen werden, lautete eine Prämisse der Demonstranten.

Fernab der "Entmenschlichung" in solchen Lagern ertränken weiterhin Tag für Tag etliche bei der Flucht in Richtung Europa, sagte Bonica, die im vergangenen Jahr selbst als Seenotretterin auf dem Mittelmeer im Einsatz war. . All das scheine Brüssel, die europäischen Regierungen und die Bevölkerung jedoch nur denkbar wenig zu interessieren.

Zu den konkreten Forderungen der Demonstranten, darunter einiger "Omas gegen Rechts", gehörten Such- und Rettungsprogramme auf dem Mittelmeer, sichere Unterkünfte für Geflüchtete in Europa und ein Stopp jedweder finanzieller Unterstützung für die libysche Küstenwache. Nach dem Motto "Mit Mundschutz Gesicht zeigen" und mit Schildern machten die Aktivisten bei zwei stillen Demozügen vom Kugelbrunnen zum Elefantenklo und zurück auf ihre Anliegen aufmerksam. Am E-Klo befestigten sie ein Transparent mit dem Slogan "Solidarität mit ALLEN Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. Evakuiert die Lager!"

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