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In der Kritik: Die Lehrkräfteakademie und ihr Leiter Markus Posern. FOTO: SCHEPP

Rassismusvorwürfe

Diskriminierungs- und Rassismusvorwürfe: Harte Kritik an Lehrkräfteakademie in Gießen

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Die Lehrkräfteakademie steht erneut wegen Diskriminierungs- und Rassismusvorwürfen in der Kritik. Das Ministerium reagiert und verbietet das Auslegen von externen politischen Artikeln.

Gießen - Die Justus-Liebig-Universität (JLU) hat mit einer Stellungnahme auf "schwere Vorwürfe" reagiert, die in den vergangenen Tagen in einer Online-Veröffentlichung thematisiert und auch vom Allgemeinen Studierendenausschuss der JLU (AStA) aufgegriffen worden sind. Die Vorwürfe richten sich laut Universität gegen die Prüfungsstelle Gießen der Hessischen Lehrkräfteakademie (HLA) und stehen im Zusammenhang mit offenbar diskriminierenden Vorfällen bei Prüfungen. Bereits Anfang des Jahres hatte der AStA sie öffentlich gemacht. Seinerzeit stand die Frage im Raum, ob sich muslimische Studentinnen vor Prüfungen unter ihr Kopftuch schauen lassen mussten, um Betrugsversuche auszuschließen. Dies sei – so hieß es – "vor Augen aller in Prüfungsräumen anwesenden Personen" geschehen. 

Damals war nicht bekannt geworden, gegen wen oder welche Bereiche sich die Vorwürfe richteten. Heute lässt die Universität daran keine Zweifel. "Unseren Erkenntnissen zufolge sind Prüfungen, die im Verantwortungsbereich der JLU liegen, von den Vorkommnissen nicht betroffen. Die uns vorliegenden Berichte und Vorwürfe beziehen sich nur auf Vorgänge, die von der Lehrkräfteakademie verantwortet werden", heißt es in der Stellungnahme. Das Präsidium hatte im Februar nach Bekanntwerden der Vorwürfe in einer Rundmail alle Studierenden gebeten, solche Fälle zu melden. Den herangetragenen Vorwürfen sei man im Anschluss umgehend nachgegangen. Präsident Joybrato Mukherjee habe die Lehrkräfteakademie um Einordnung gebeten und darauf hingewiesen, dass man "die von einem Mitglied der JLU erhobenen Vorwürfe sehr ernst nehme". Mukherjee habe u.a. die Frage aufgeworfen, "welche Kontrollen Lehramtsstudierende in ihren Examensprüfungen zu erwarten haben und ob und wie religiös-kulturelle Besonderheiten dabei Berücksichtigung finden." Die JLU dränge darauf, mögliche Missstände abzustellen. "Dies gilt auch für die kürzlich erhobenen neuen Vorwürfe", schreibt die Universität. 

Gießen: Kultusministerium hat bereits auf die Vorwürfe reagiert

Diese neuen Vorwürfe, die zuerst auf der linksgerichteten Website "Indymedia" veröffentlicht worden sind, beziehen sich auf "einseitige politische Artikel mit rechten, teilweise sogar rassistischen Inhalten", die in der Lehrkräfteakademie ausgelegt würden. "Die Mehrheit der Artikel nutzt den Vorwand der Islamkritik, um restriktive Einwanderungspolitik zu fordern", heißt es bei "Indymedia". Verantwortlich für das Auslegen sei Markus Posern, Leiter der Lehrkräfteakademie. Der Artikel nimmt auch Bezug auf Poserns Facebook-Profil, in dem "Themen wie Islamkritik, Hass auf links-grünen Mainstream und das Leugnen des Klimawandels dominieren" würden. Posern wollte sich gegenüber der GAZ mit Verweis auf das Hessische Beamtengesetz nicht äußern. 

Auch das Kultusministerium hat auf die Vorwürfe reagiert. "Lehrkräfteakademie, Kultusministerium und Landeskriminalamt sind der Sache nachgegangen", heißt es auf Anfrage. Für die Vorwürfe gegen Posern hätten keine Belege erbracht werden können. "Die ausgelegten Zeitungsartikel behandeln vorwiegend bildungspolitische Themen und setzen sich zum Teil kritisch mit islamischen Verbänden in Deutschland auseinander. Rechtsradikale oder rassistische Texte konnten nicht aufgefunden werden", berichtet das Ministerium, das aber dennoch einschritt: Mit Posern sei "vereinbart worden, dass künftig keine Papiere oder Informationen ausliegen sollen, die nicht von der Schulverwaltung stammen". Zudem stellte das Ministerium klar, dass für Prüfungen gelte, dass "alle Prüflinge, die Kopfbedeckung tragen, die Ohren bedeckt, diese in einem geschützten Bereich abnehmen" müssen. Die Überprüfung solle bei Männern durch Männer und bei Frauen durch Frauen erfolgen. Es habe Hinweise gegeben, dass das Vorgehen in einem Fall anders war. "Der Vorwurf ließ sich nicht erhärten", hieß es vom Ministerium.

Info: Die Hessische Lehrkräfteakademie

Die Lehrkräfteakademie ist Ausbildungsbehörde für den pädagogischen Vorbereitungsdienst. Sie wirkt auf eine Qualitätsentwicklung der Schulen hin und berät das Kultusministerium bei Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Schulwesens. Die JLU weist darauf hin, dass es sich um eine eigenständige Behörde handelt, die der Aufsicht des Kultusministeriums untersteht. Die Prüfungsstelle Gießen ist für alle Lehramtsstudierenden der JLU zuständig, die ihre Erste Staatsprüfung ablegen möchten. Dabei handelt es sich nicht um eine universitäre Prüfung. "Die JLU hat auf diese Prüfungen ebenso wenig Einfluss wie auf die Bediensteten der Lehrkräfteakademie."

Derweil stellt sich am Montagmorgen die Frage: Wurde die Uni Gießen gehackt? Aktuell ist die Hochschule offline. Von einem "schwerwiegenden IT-Sicherheitsvorfall" ist die Rede.

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