"Es war hart, nicht spielen zu dürfen"

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Gießen(pm). Eine mehr als ungewöhnliche Theatersaison geht am Stadttheater zu Ende. Die Spielzeit, die das Theater unter dem Motto "Res publica" verstärkt als "öffentliche Angelegenheit" zum Ort des gesamtgesellschaftlichen Diskurses machte, musste vorzeitig abgebrochen werden. Bis zur Unterbrechung des Spielbetriebs am Freitag, 13. März, hatten gut 75 000 Zuschauer eine gewohnt abwechslungsreiche, anspruchsvolle und erfolgreiche Saison erlebt. "Wir waren so gut unterwegs, als wir von einem Tag auf den anderen ausgebremst wurden: Zuschauerzahlen und Einnahmen zeigten deutlich nach oben", fasst Intendantin Cathérine Miville zusammen.

Schweren Herzens mussten sich die Theatermacher im März dazu durchringen, alle Veranstaltungen abzusagen, und die geplanten Premieren der Schauspielproduktion "Erinnya" und sowie der Oper "Brokeback Mountain" in die nächste Spielzeit zu verschieben. Doch die Ensembles und die Tanzcompagnie ließen es sich nicht nehmen, sich in zahlreichen eigenständig kreierten Formaten an ihr Publikum zu wenden und zumindest über den digitalen Weg mit Erwachsenen wie auch Kindern trotz Lockdown weiter in Kontakt zu bleiben. Mitglieder des Philharmonischen Orchesters waren in kleinen Formationen im Stadtgebiet unterwegs und musizierten - insbesondere in Höfen von Senioreneinrichtungen - openair, aber auch in unterschiedlichen digitalen Formaten. Und nach ersten Lockerungen gab es auch wieder erste analoge Konzerte vor kleinstem Publikum: zwei Kammerkonzerte konnten nachgeholt werden. Und im Rahmen der Night of Light, wurde bis tief in die Nacht in exklusiven 1:1-Konzerten für jeweils einen Gast in intimer Atmosphäre in der Kassenhalle musiziert.

Die Resonanz auf die Initiativen der Theatermacher und Musiker während des Lockdown zeigte deutlich die große Sehnsucht des Publikums nach kulturellen Erlebnissen. Besonders erfreulich waren in den dreieinhalb Monaten der faktischen Trennung von Theater und Publikum die fast ausschließlich ermunternden, motivierenden und verständnisvollen Reaktionen der Theaterfreunde, aber auch von Menschen aus der Region, die sich nicht unbedingt zum ständigen Publikum zählen, aber dennoch bekunden wollten, wie sehr die Aktivitäten des Stadttheaters fehlen. So verabschiedeten sich die Mitarbeiter und künstlerischen Gäste des Stadttheaters mit einem Dankeschön, das unter anderem an der Hauswand des Theaters ausgehängt wurde: "Es war hart, nicht spielen zu dürfen. Aber wir konnten uns auf Sie verlassen. Ihre Unterstützung und Ihre Geduld haben uns Mut gemacht. So sind wir gut vorbereitet und wild entschlossen, nach den Theaterferien wieder für Sie zu spielen…"

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