Hannes Wader nimmt Abschied

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Arbeiterlieder, sozialistische Hymnen, deutsches und plattdeutsches Liedgut gehören zu seinem Repertoire. Nun, 45 Jahre nach seinem bekanntesten Lied "Heute hier, morgen dort", tritt Hannes Wader den Rückzug an. Am Sonntag gab er sein letztes Gießener Konzert in der Kongresshalle. Er beabsichtige, noch in diesem Jahr sein Konzertleben zu beenden. Betretende Stille im Raum. In 45 Jahren gab es nur wenige Auftritte, die nicht mit seinem Klassiker begannen. So auch diesmal.

Arbeiterlieder, sozialistische Hymnen, deutsches und plattdeutsches Liedgut gehören zu seinem Repertoire. Nun, 45 Jahre nach seinem bekanntesten Lied "Heute hier, morgen dort", tritt Hannes Wader den Rückzug an. Am Sonntag gab er sein letztes Gießener Konzert in der Kongresshalle. Er beabsichtige, noch in diesem Jahr sein Konzertleben zu beenden. Betretende Stille im Raum. In 45 Jahren gab es nur wenige Auftritte, die nicht mit seinem Klassiker begannen. So auch diesmal.

Das Lied beschreibt das Lebensgefühl eines Menschen, der immer unterwegs ist, nie nach "gestern und morgen" fragt, aber gelegentlich deswegen "schwere Träume" hat. Und Wader betont im Verlauf des Abends auch in anderen Liedern, sich nie zu Hause gefühlt zu haben. Das Leben eines Wandervogels. "Da wo ich herkomme", ist typisch Wader politisch gefärbt. "Man kann seiner Klasse nicht entkommen, man kann sie nur verraten", heißt es hier. Und "jemand wird dafür sorgen, dass du deine Herkunft nicht vergisst".

Kollektives Nostalgiegefühl

Wader ist wie gewohnt schlicht gekleidet, plaudert aus der Vergangenheit und spielt rund 20 Lieder aus seinem breiten Repertoire. Ein kollektives Nostalgiegefühl erhebt sich in Gießen. Wenn Waders sonore Stimme erklingt und an stürmische Zeiten erinnert, die zwar nicht besser, aber zumindest voller Utopien und kämpferischer Stimmung waren. Der ehemals heftig polarisierende Liedermacher gibt sich introvertiert, gefühlvoll, charismatisch. Er macht kein Geheimnis daraus, wie belesen er ist, wie viele politische und philosophische Texte er sich wohl zu Gemüte geführt haben mag. Aus "Schön ist die Jugend" dichtet er "Schön ist das Alter". Denn niemals mehr wolle er jugendlich sein. Alt sein sei "ok". "Der Greis stirbt aus, er wird zum Zombie, der sich Senior nennt." Wenn einer das behaupten darf, dann der, der sich auskennt. "Ich lebe lieber jetzt und hier!"

Nach wie vor gewitzt und selbstironisch erklingen die Texte des gebürtigen Bielefelders, der immer wieder Spitzen auf die Gesellschaft verteilt. "Ob im Herzen etwas glüht oder wir träge hinter Mauern sitzen. Das macht einen Unterschied." Auch über Klischees kann Wader singen, beim Spaziergang über die Hamburger Reeperbahn. Für "Rosen im Dezember" gibt es lauten Zwischenapplaus, bei "Kokain" singen viele mit. Die Stimmung ist angenehm sehnsüchtig. "Schon so lang... bin auf meinem Weg, müde und träg", singt Wader. Ein bisschen sieht man es ihm an. Doch Platz für Herz und Verstand, Mitgefühl, Protest und Liebe zum Publikum ist nach wie vor erkennbar. "Trotz alledem." (Foto: sis)

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