22 Monate Haft

Handydiebstahl auf Gießener Weihnachtsmarkt

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Ein Algerier, der auf dem Gießener Weihnachtsmarkt ein Handy gestohlen hat, muss für 22 Monate hinter Gitter. Das Gericht geht davon aus, dass der Täter ein Erwachsener ist.

Gießen (se). "Das Gericht hat Augen im Kopf, um zu erkennen, dass hier kein Heranwachsender sitzt", begründete Richterin Maddalena Fouladfar den Umstand, dass ein junger Algerier für eine Straftat nach dem allgemeinen Strafrecht und nicht nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen sei. Sie folgte damit den Ausführungen der Jugendgerichtshilfe ("Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Erwachsenen handelt"). Wegen schwerem räuberischen Diebstahl in einem minderschweren Fall muss der Mann für 22 Monate hinter Gitter. Für eine Aussetzung der Bestrafung zur Bewährung sah das Jugendschöffengericht keine Handhabe.

Auf der Flucht gestürzt

In den bisherigen Vernehmungen hat der Mann drei unterschiedliche Geburtsorte in Algerien angegeben, dazu auf einem amtlichen Dokument den 24. September 1994 als Geburtstag. Im Zuge der Verhandlung vor dem Amtsgericht machte sich der Beschuldigte dann um vier Jahre jünger, möglicherweise um als Jugendlicher zu gelten und eine günstigere Strafe zu erhalten. Im Gegensatz zu Anklage und Verteidigung sah die Richterin aber keine Möglichkeit, das Jugendstrafrecht auf den Mann anzuwenden.

Die Tat, die zur Verurteilung führte, war dreist. Am 20. Dezember 2018 entwendete der Algerier auf dem Gießener Weihnachtsmarkt aus der Manteltasche einer 20-jährigen Gießenerin ein iPhone im Wert von rund 650 Euro. Die Studentin bemerkte den "Eingriff" sofort, forderte die Rückgabe und rief um Hilfe, doch der Dieb lief mit der Beute davon. Allerdings rutsche er nach wenigen Metern im Seltersweg aus und wurde von einem Verfolger gestellt. Weitere Männer kamen dem Helfer zur Hilfe. Der Dieb versuchte, sich in "Beutesicherungsabsicht" zu befreien. Vergeblich. Dabei entwickelte sich ein Gerangel, in dessen Verlauf der Mann seine Gegenüber mit einer Bierflasche bedrohte. Das half ihm aber nicht. Eine herbeigerufene Polizeistreife konnte ihn festnehmen, seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Außerdem war ihm, wie die Beweisaufnahme ergab, das Handy aus der Hose gefallen.

In seinem Plädoyer hielt sein Pflichtverteidiger, Rechtsanwalt Moritz Müller, eine Strafe von einem Jahr mit Bewährung für angemessen. Er forderte eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht und stellte eine Beutesicherungsabsicht in Frage ("Er hat das Handy weggeworfen."). Außerdem sei sein Mandant strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.

Verfolger mit Flasche bedroht

Auch Staatsanwältin Jessica Schröder hatte festgestellt, dass noch kein Eintrag im Bundeszentralregister vorliege. Das ist zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Inzwischen wird gegen den Angeklagten wegen mindestens acht weiterer Delikte ermittelt, mehrheitlich Ladendiebstähle und andere Diebstähle, die er zwischen 8. Dezember und 19. Dezember 2018 in Frankfurt und Gießen begangen haben soll. Außerdem hat er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. In seinem Gutachten hatte Jens Ulferts, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ihm volle Schuldfähigkeit attestiert.

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