Handel nicht nachzuweisen

  • VonConstantin Hoppe
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Gießen (con). Bewährungsstrafe für Drogenbesitz: Am Mittwoch fiel das Urteil gegen den 57-Jährigen Gießener, der sich vor dem Landgericht für den Besitz von Betäubungsmitteln sowie den mutmaßlichen Handel mit Betäubungsmitteln verantworten musste: Der Vorsitzende Richter Klaus Bergmann verkündete eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen illegalen Besitzes einer erheblichen Menge von Betäubungsmitteln.

Den Besitz der Drogen hatte der 57-Jährige bereits in einer vorhergehenden Sitzung eingeräumt. Bei einer Hausdurchsuchung im August 2019 fanden Polizeibeamte 245 Gramm Marihuana, 222 Gramm eines Amphetamin-Koffein-Gemisches, 120 Gramm Haschisch sowie zwei Ecstasy-Tabletten, dazu rund 2100 Euro Bargeld auf dem Grundstück des Angeklagten. Weiterhin wurden neben mehreren Luftdruckwaffen auch zwei Armbrüste und zwei griffbereit liegende Macheten in dem Wohngebäude gefunden.

Bei den gefundenen Drogen handele es sich um Eigenbedarf, gab der Mann an: Er würde nur wenige Male im Jahr Drogen erwerben, dann jedoch in größeren Mengen, um Kosten zu sparen.

Nicht nachzuweisen war dagegen der Vorwurf, der Gießener hätte auch mit Drogen gehandelt: Der einzige Nachweis dafür, dass der 57-Jährige einmal mit Drogen gehandelt habe, hängt mit dem Fund eines Drogentoten in Lollar zusammen (wie diese Zeitung berichtete). Der Angeklagte ließ sich in diesem Fall dahingehend ein, dass er dem Verstorbenen einmal etwas Cannabis verkauft habe. Ansonsten habe er mit diesem nichts mehr zu tun gehabt.

Angeklagter räumt Vorwürfe ein

Das sah auch das Gericht als gegeben an: »Ja, sie haben dem Verstorbenen einige wenige Mal Cannabis verkauft - aber das liegt bereits länger zurück und hat mit der aktuellen Anklage nichts zu tun«, führte Richter Bergmann in seiner Urteilsbegründung aus. »Und dass sie das auch hier vor Gericht eingeräumt haben zeigt, dass sie sich bewusst sind, etwas Illegales getan zu haben - das haben wir in der Urteilsbegründung ebenfalls gewürdigt.« Damit umfasst das abschließende Urteil in diesem Fall: Zwei Jahre Freiheitsstrafe, die jedoch zugunsten einer dreijährigen Bewährungsfrist ausgesetzt werden. In diesen drei Jahren wird dem 57-Jährigen ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, zudem muss er vierteljährliche Drogen-Screenings absolvieren, um nachzuweisen, dass er keine Drogen mehr konsumiert.

Damit ging das Gericht mit der Forderung der Verteidigung des Gießeners konform: Rechtsanwältin Dagmar Nautscher hatte zuvor für ihren Mandanten eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als zwei Jahren gefordert - sie sah in den Vorwürfen einen minderschweren Fall. Für die Anklage forderte Staatsanwältin Nathalie Dohmen dagegen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten - ohne die Möglichkeit der Bewährung. Für den Angeklagten sprach vor Gericht, dass er sich geständig zeigte und auch keine Vorstrafen aufzuweisen hat.

»Ich denke, wir können hier bei Ihnen von einer Haftstrafe absehen - aber versuchen Sie von den Drogen loszukommen - auch in Ihrem fortgeschrittenen Alter«, erklärte der Vorsitzende Richter abschließend. »Ein zweites Mal gibt es ein so gnädiges Gericht vermutlich nicht - also ersparen Sie uns beiden bitte, dass wir uns hier im Gerichtssaal noch einmal sehen.«

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