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Sie sind für die Kunden da: Suela Erdem und…

Sie halten den Laden am Laufen - jeden Tag aufs Neue

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Gießen(cg). Sie sorgen dafür, dass wir täglich Eier, Butter und Käse einkaufen können, sie sind diejenigen, die Klopapier, Mehl und Hefe in die Regale räumen - und ja, sie sind auch diejenigen, die als Erste den Ärger der Kunden abbekommen, wenn ein Produkt nicht zu haben ist. "Alles halb so schlimm", sagt Suela Erdem und lacht. "Unsere Kunden sind top, Verärgerung und Gemecker sind absolute Ausnahmen." Die stellvertretende Marktleiterin und ihre Kollegen gehören zu denen, die den Laden am Laufen halten - im übertragenen und direkten Sinne.

Im Edeka-Markt Nordgeimer (früher Krenschker) in der Frankfurter Straße habe man sich an die Regeln in Zeiten von Corona gewöhnt, sie gehörten mittlerweile zum Alltag. Anfangs sei die Unsicherheit auf beiden Seiten groß gewesen, ergänzt ihr Kollege Aaron Wolny. Wie hält man die Abstände ein? Warum muss man einen Wagen nehmen und warum gibt es viel weniger Wagen? Darf man überhaupt Wechselgeld in Empfang nehmen? Wieso kaufen die Leute so große Mengen? "Wir sind den ganzen Tag gerannt und haben so manche Stunde drangehängt", erinnert sich der 21-Jährige. Doch jetzt habe sich alles eingespielt. Die meisten Kunden seien verständnisvoll und gingen auch miteinander rücksichtsvoll um.

Wolny ist erst seit Anfang April in Gießen tätig, zuvor war der Einzelhandelskaufmann im Krenschker-Supermarkt in Lollar tätig. Wenn es mal richtig stressig wird in seinem Job, atmet der 21-Jährige tief durch und singt innerlich die Melodie eines Lieblingsliedes mit. "Das hilft und ist allemal besser, als dass einem der Kragen platzt", sagt er. Auch der Austausch mit den Kollegen tue ihm gut und beuge zu großem Frust vor. "Nach der Pause geht man dann mit neuer Kraft ans Werk." "Wir sind ein tolles Team, wir arbeiten gut zusammen und lachen auch viel", ergänzt Erdem.

Natürlich gebe es hin und wieder Kunden, die selbst Angst vor einer Ansteckung hätten und gar nicht auf die Idee kämen, dass die Mitarbeiter den ganzen Tag über einem erhöhten Risiko ausgesetzt seien - sie betrachteten sie sozusagen als lebendes Inventar. Doch das sei zum Glück selten, bekräftigt die stellvertretende Marktleiterin. Vielmehr erführen sie und ihre Kollegen in diesen Tagen große Wertschätzung. Die äußere sich in freundlichen Worten, und immer wieder bedankten sich die Kunden dafür, dass die Supermarktmitarbeiter in der Krise in der ersten Reihe ihre Frau bzw. ihren Mann stünden. Auch kleine Geschenke gebe es hin und wieder: Pralinen, Blumen oder eine Tafel Schokolade als Geste dafür, dass sie jeden Tag aufs Neue da seien.

Bei aller Routine vermissen Erdem und Wolny den direkten Kontakt, der heute nicht mehr möglich ist: Den morgendlichen Handschlag des Chefs, ein Schwätzchen mit den Kunden zwischen den Regalreihen, die Umarmung eines Stammkunden oder einer Kollegin. Doch solange alle gesund bleiben, nehmen sie das gerne in Kauf. Bevor sie in der Frühe den Laden aufschließen, räumen sie die Regale ein und freuen sich, wenn langersehnte Produkte dabei sind. "Wir wissen ja, wie sehr die Kunden darauf warten."

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