Corona hat das Großraumbüro dieser Zeitung fast leergefegt, nahezu alle Redakteure arbeiten im Homeoffice. FOTO: SCHEPP
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Corona hat das Großraumbüro dieser Zeitung fast leergefegt, nahezu alle Redakteure arbeiten im Homeoffice. FOTO: SCHEPP

Hai-Alarm an Bondi Beach?

  • Jens Riedel
    vonJens Riedel
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Hey - hier kommt Alex. Vorhang auf für seine Horrorschau? Nein, damit ist jetzt nicht das Lied der "Toten Hosen" gemeint. Obwohl derzeit wirklich "tote Hose" im Großraumbüro herrscht, gespenstische Leere. Alex ist aber kein Horrortyp, sondern ein sehr netter Kollege aus der Kreisredaktion. Seit Wochen habe ich ihn nicht mehr gesehen. Nun kommt er ins Büro - eine Ausnahme. Er vertritt einen Kollegen, der im Urlaub ist. Wir begrüßen uns herzlich, bleiben aber auf zwei Meter Distanz. Muss ja sein - wegen Corona.

Im Redaktions-Großraumbüro arbeiten normalerweise rund 30 Kolleginnen und Kollegen dreier Zeitungen (Gießener Allgemeine, Alsfelder Allgemeine, Wetterauer Zeitung). Wegen Corona sitzen wir dort aktuell nur zu fünft. Der Rest rackert im Homeoffice. Corona hat die Kollegen aus dem Büro gescheucht wie ein Hai-Alarm die Badenden aus dem Wasser am Traumstrand Bondi Beach in Sydney/Australien. Plötzlich ist Platz. Das heißt, die verbliebenen fünf Büro-Mohikaner verteilen sich auf über 200 m2. Die 40 m2 Platz pro Angestelltem bieten genug Sicherheitsabstand, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Zumal fast immer die gleiche Handvoll Kollegen im Büro sitzt - wie eine Familie in einem Haushalt.

Im Großraumbüro ist es somit ruhig geworden. Sehr ruhig. Normalerweise wird auf vielen Telefonleitungen gleichzeitig gesprochen, Texte werden in die Computertasten gehämmert, Absprachen durch Zuruf getroffen. Jetzt wirkt alles wie ausgestorben. Doch ausgerechnet der Kollege, der am lautesten telefoniert (nein, es ist nicht Alex!), befindet sich nicht im Homeoffice, sondern im Büro. Wenn er jetzt ein Gespräch auf dem Festnetz oder dem Handy führt, hört man ihn noch dominanter als sonst heraus. Weil seine Stimme nicht vom üblichen lebhaften Stimmengewirr ein bisschen geschluckt wird.

Sei’s drum. Mich stört das nicht. Ich kann eine imaginäre Käseglocke über mich stülpen und Umgebungsgeräusche völlig ausblenden. Das habe ich aber nicht trainiert. Diese Fähigkeit ist angeboren. Andere brauchen Gehörschutz.

Apropos Käse: Im Kühlschrank der Redaktion schimmelt derzeit ausnahmsweise kein Käsebrot vor sich hin. Er ist fast leer. Man findet dort nun immer einen Platz, um einen Salat für die Mittagspause frisch zu halten. Corona macht’s möglich. Am Kaffeeautomat muss man auch nicht mehr hinter koffeinlüsternen Kollegen anstehen. Zudem streikt der Automat nun nicht mehr - er wird ja kaum noch belastet. Ein klarer Vorteil in Corona-Zeiten. Aber leider schlecht für den Umsatz des Automatenbetreibers. (jri)

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