Hänel-Appell: "Babycaust" zum "Unwort" wählen

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Gießen (kw). Die Gießener Ärztin Kristina Hänel führt ihre Kampagne für das Informationsrecht der Frau zum Schwangerschaftsabbruch vor. Sie hat das Wort "Babycaust" als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen und ruft zur Unterstützung auf.

Gießen (kw). Die Gießener Ärztin Kristina Hänel führt ihre Kampagne für das Informationsrecht der Frau zum Schwangerschaftsabbruch vor. Sie hat das Wort "Babycaust" als "Unwort des Jahres" vorgeschlagen und ruft zur Unterstützung auf.

Sie schließe sich damit Neithard Dahlen an, schreibt Hänel in einer Pressemitteilung. Dahlen ist stellvertretender Vorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer und trat im November bei der Solidaritätsdemonstration für Hänel vor dem Gießener Amtsgericht auf. Er geißelte den Vergleich von Schwangerschaftsabbruch und Holocaust als "zynisch".

Internetseiten wie babycaust.de werden von radikalen "Lebensschützern" betrieben. Ärztinnen und Ärzte, die Abtreibungen durchführen, würden dort "diffamiert, verleumdet und angeprangert", so Hänel. Die Behauptung, Schwangerschaftsabbrüche seien noch schlimmer als der Holocaust, sei eine "unvorstellbare Relativierung und Geschichtsverfälschung". "Die Bezeichnung ›Babycaust‹ verstößt gegen das Prinzip der Menschenwürde, gegen die Prinzipien der Demokratie und diskriminiert einzelne gesellschaftliche Gruppen, sie ist verschleiernd und irreführend."

Jeder kann bis 31. Dezember im Internet Vorschläge zum "Unwort des Jahres" einreichen. Die Entscheidung wird am 16. Januar bekanntgegeben.

"Kippelt" die SPD?

Die von Hänel angestoßenen politischen Initiativen zur Abschaffung oder Änderung des Paragrafen 219a könnten indes ins Stocken geraten. Die Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, habe die SPD eindringlich gewarnt, jetzt voranzupreschen. Das berichtet die "Welt". "Für eine so folgenschwere Entscheidung sollte man keine Interimszeit des Parlaments nutzen." Die Sozialdemokratin Eva Högl lenkt laut der Tageszeitung ein: "Bei einem so sensiblen Thema sollten wir die Union mit ins Boot holen, das hat mit den anstehenden Sondierungsgesprächen zunächst einmal nichts zu tun." Hänels Solidaritätskomitee fragt besorgt: "Kippelt die SPD etwa doch noch? Sie haben es versprochen!"

Der Strafgesetz-Paragraf 219a verbietet das "Anbieten" von Abtreibungen. Das Gießener Amtsgericht hatte die 61-Jährige kürzlich zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt, weil auf der Internetseite ihrer Praxis das Wort "Schwangerschaftsabbruch" steht. Hänels Online-Petition zur Abschaffung des Paragrafen wurde von 156 000 Unterstützern unterzeichnet.

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