Wort zum Sonntag

Das habt ihr mir getan

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Die vielen aktuellen Berichte von furchtbarem Kindesleid und männlicher Unmenschlichkeit gehen mir unter die Haut. Zwei Söhne haben meine Frau und ich. Ich bin entsetzt und wütend, bin traurig und voller Mitleid. Als Vater und Christ komme ich, aufgewühlt wie ich bin, zu Gott.

Ich lese: "Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, das nicht an den Tag kommen soll." (Mk 4,22) Der Vers handelt von verborgenem Unrecht und vertuschtem Betrug, das öffentlich gemacht und verurteilt werden soll. Das bedeutet: Niemand, der heute Unrecht tut, soll denken, er käme morgen oder in Ewigkeit ungeschoren davon.

Danke, allen Ermittlern und Polizeibeamten, die Licht ins Darknet gebracht, die Täter gefasst und die Kinder befreit haben.

Gott, segne die Kinder und jene, die sie zu heilen versuchen an Körper, Seele und Geist.

Ich lese: "Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan." (vgl. Mt 25,40.45) Die Worte stehen in Jesu Endzeitrede über das Weltgericht und beziehen sich auf Gutes, das Menschen Bedürftigen tun oder verwehren. Mit Blick auf das Böse verstehe ich Jesu Worte so: Was ihr einem Jungen, einem Mädchen oder einem Schwarzen angetan habt, das habt ihr auch mir angetan, spricht Jesus Christus. Gott ist ein Kind. Gott ist schwarz.

Nicht den Blitzschlag vom Himmel herbei zu wünschen, entspricht Jesu Aufforderung zur Feindesliebe (Lk 6,27.35). Jesu Forderung zu folgen, bedeutet, die Täter nach Recht und Gesetz zur Rechenschaft zu ziehen, ihre Schuld und Sünde ans Licht zu bringen und ihnen dennoch ein Weiterleben zuzugestehen und sei es im Strafvollzug oder in geschlossener Psychiatrie.

Die Täter haben ihre Gottesebenbildlichkeit bis zur Unkenntlichkeit pervertiert und bleiben dennoch Gottes Geschöpfe. Eines Tages "müssen wir alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse." (2. Kor 5,10)

Als Vater und Christ stehe ich, aufgewühlt wie ich bin, vor Gott und erinnere mich an die Bitten des Vater Unsers: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen." (Mt 6,12-13) Amen.

Pfarrer Lukas von Nordheim, Ev. Kirchengemeinde

Grünberg

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