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Gute Gründe für Gießen

  • vonSebastian Schmidt
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"Latscho Gießen" ist manisch, bedeutet "tolles Gießen" und ist der Titel von Katrina Frieses und Andreas Eikenroths neuem Buch. Es ist eine Ode an ihre Heimatstadt, mit 100 Gründen, Gießen zu lieben. Mit dem Buch wollen sie dem Schlechtreden über Gießen etwas entgegensetzen.

Katrina Friese und Andreas Eikenroth sind keine Unbekannten in der Stadt. Sie ist Fotografin, er Comic-Zeichner, und gemeinsam sind sie schon dreifache Buchautoren. In ihrer Reihe "Warte, ich komme mit..." stellten die beiden Wanderrouten in Mittelhessen vor. Auch ihr neustes Buch "Latscho Gießen" bleibt dem Lokalen verhaftet.

Das zeigt bereits der manische Name. "Latscho" heißt in dem Gießener Soziolekt "toll". Friese und Eikenroth haben in diesem Buch 100 Gründe gesammelt, Gießen zu lieben. Einige davon haben sie während der Recherche selbst neu kennengelernt. Zum Beispiel, dass gleich zwei gebürtige Gießener in Edgar-Wallace-Filmen mitspielten.

Trotziger Lokalpatriotismus

Hinter dem Buch stecke "trotziger Lokalpatriotismus", erzählt Eikenroth. Gießen werde oft schlechtgeredet. "Die Leute sagen, die Stadt ist hässlich, und dass hier nichts los ist." In einem Gespräch darüber sei ihm die Idee gekommen: Es gebe doch 100 Gründe, diese Stadt zu lieben. Eikenroth und Friese haben sich daraufhin auf die Suche nach den Gründen begeben.

Ihr Buch soll nicht nur ein weiterer Stadtführer für Gießen sein und ausschließlich markante Orte auflisten. Eikenroth sagt: "Wir wollen die Seele der Stadt einfangen." Dazu gehören nicht nur Orte, sondern auch Menschen, Kultur und Geschichte.

Wenn man durch das Buch blättert, findet man trotzdem auch viele bekannte Orte, wie den Schiffenberg, das Elefantenklo oder die Drei Schwätzer - das Standard-Repertoire einer Gießen-Besichtigung. Man stößt aber auch immer wieder auf weniger bekannte Orte, zum Beispiel den Forstgarten. An ihm sind vielleicht schon viele vorbeigegangen, aber wer weiß, dass der Garten zum ältesten Universitäts-Forstinstitut der Welt gehört? Gegründet wurde es schon 1777, wie die Autoren ihre Leser wissen lassen.

"Wir wollen gerade jüngeren Menschen Seiten ihrer Stadt zeigen, die für sie unbekannt sind." Aber auch für sie selbst gab es bei der Recherche etwas zu lernen. Zum Beispiel über Kurt Jung. "Den kannte ich vorher nicht", gesteht Eikenroth. Dabei sei der Gießener ein berühmter Filmstar gewesen. Er spielte 1961 in dem Edgar-Wallace-Film "Die toten Augen von London" und 1962 in "Die rote Orchidee" mit. Außerdem war er mit Heinz Rühmann und Hans Albers zusammen auf der Leinwand. Ein richtiger Star also.

Friese lieferte zu den meisten Gründen das passende Foto. Als langjährige Fotografin konnte sie dabei auf ihren großen Fundus zurückgreifen. Zum Gießkannen-Museum gibt es zum Beispiel ein Foto von dessen Eröffnung. "Das sind Bilder, die kann man nicht einfach nachmachen. Aber was gezeigt wird, hat die Stadt nachhaltig geprägt", sagt Eikenroth. Wenn sie kein eigenes Bild zu einem "Grund" hatten, sprang Eikenroth als Comic-Zeichner ein. Sie wollten nämlich, dass das ganze Buch aus ihren eigenen Händen kommt. So zeichnete Eikenroth zum Beispiel ein Portrait des Gießener Schauspielers Richard Münch. Überraschenderweise spielte Münch genauso wie Jung in einem Edgar-Wallace-Film mit. Er war 1962 der Bösewicht in "Das Gasthaus an der Themse".

Gießener in Edgar Wallaces Filmen

Und was sind ihre persönlichen Lieblingsgründe, warum Gießen so toll ist? Für Friese ganz klar: "Der Stehflieger ist einfach spannend." 1980 flog der Autohändler Jaromir Wagner vom Flughafen Lützellinden nach Amerika. Wagner befand sich aber nicht in dem Flugzeug, sondern stand auf dem Dach der Maschine. Er war der erste Mensch, der so den Atlantik überquerte. Eikenroth fällt es schwer, sich zu entscheiden. "Ich mag das Gesamtpaket." Wenn er sich festlegen müsste, wäre es aber der Wochenmarkt. "Ich liebe ihn. Wenn ich nur eine Woche nicht da war, fehlt er mir."

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