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„High Value Target“ in Gießen gefasst: GSG 9 im Einsatz – Schlag gegen Drogenkartell

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Von: Kays Al-Khanak

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Der Haupttatverdächtige wird dem Haftrichter am Amtsgericht Gießen vorgeführt.
Der Haupttatverdächtige wird dem Haftrichter am Amtsgericht Gießen vorgeführt. © Red

Über 130 Polizei-Einsatzkräfte nehmen am Donnerstag (20.01.2022) in Gießen und Marburg internationale Drogenhändler fest. Nun werden neue Details zu dem Fall bekannt.

Gießen/Marburg – Es ist ein außergewöhnlicher Fahndungserfolg, der dem Bundeskriminalamt (BKA) und der Staatsanwaltschaft Gießen am Mittwochmorgen in den frühen Stunden gelungen ist. 135 Einsatzkräfte - darunter Mitglieder der Spezialeinheit GSG 9 - waren an der Festnahme eines 45 Jahre alten Mannes in Gießen und eines 44-Jährigen in Marburg beteiligt. Gegen die beiden Beschuldigten und zwei weitere Männer besteht der Verdacht des international organisierten Handels mit Betäubungsmitteln. Im Hintergrund, sagt der Gießener Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger, soll ein vorrangig in den Balkanstaaten agierendes Drogenkartell gewirkt haben. Die europäische Ermittlungsbehörde Europol stuft den in Gießen festgenommenen Mann als »High Value Target« ein; der nordmazedonisch-kroatische Staatsbürger wird der Führungsebene der Schweren und Organisierten Kriminalität zugeordnet.

Gießen/Marburg: „SkyECC“-Hack bringt Ermittler auf die Spur von Drogenkartell

Wie Hauburger auf Anfrage sagt, seien die Ermittler den Männern seit dem »letzten Quartal 2021« auf der Spur gewesen. Hintergrund ist ein Erfolg von Europol: Die europäische Polizei hatte Ende 2020 die Verschlüsselung des Anbieters »SkyECC« gehackt und damit Zugriff auf unzählige Chat-Nachrichten von Nutzern aus der ganzen Welt. Da sich auch Kriminelle offen über die verschlüsselten Smartphones dieses Anbieters austauschten, böten die gesicherten Chats »tiefe Einblicke in die Organisierte Kriminalität«, sagt Hauburger. Dementsprechend seien die daraus gewonnenen Erkenntnisse »überragend wichtig« und »ganz entscheidend«. Das Ermittlungsverfahren ist eines der ersten bundesweit, das primär auf den von Europol übermittelten SkyECC-Daten basiert.

Bei dem Einsatz in Gießen, Marburg und Mücke sind auch Einsatzkräfte der Spezialeinheit GSG 9 zum Einsatz gekommen. Hier ein Foto von einer Übung am Frankfurter Hauptbahnhof.
Bei dem Einsatz in Gießen, Marburg und Mücke sind auch Einsatzkräfte der Spezialeinheit GSG 9 zum Einsatz gekommen. Hier ein Foto von einer Übung am Frankfurter Hauptbahnhof. © dpa/Archiv

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der in Gießen verhaftete 45-Jährige. Ihm wird vorgeworfen, die Einfuhr von mehr als zehn Kilo Heroin und Transporte von mindestens 45 Kilogramm Kokain organisiert zu haben. Ein Kilo Heroin kostet laut Hauburger 15 000 Euro, ein Kilo Kokain 35 000 Euro. Alleine diese Geldmengen - 1,7 Millionen Euro - zeigen die Dimension des Fahndungserfolgs.

Marburg/Gießen: Kiloweise Drogen bei Polizei-Großeinsatz gefunden

Wie das BKA in einer Pressemitteilung weiter ausführt, sei der 45-Jährige unter anderem von zwei deutschen Staatsangehörigen im Alter von 44 und 62 Jahren unterstützt worden. Der 62-jährige Tatverdächtige verbüßt bereits aufgrund einer Verurteilung wegen schwerwiegenden Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz eine mehrjährige Haftstrafe. Ermittelt wird außerdem gegen einen 47 Jahre alten Deutschen aus dem Vogelsbergkreis. Im Zuge der Durchsuchungen konnten bei diesem Beschuldigten ein Kilo Heroin und fünf Kilo Fentanyl (Opioid) aufgefunden werden. Eine solche Größenordnung sei für heimische Verhältnisse sehr selten, betont Hauburger. Auch gegen den 47-Jährigen erließ die Staatsanwaltschaft Gießen einen Haftbefehl. Alle vier Tatverdächtigen sitzen nun in hessischen Justizvollzugsanstalten ein.

Bei einem Tatverdächtigen finden die Ermittler große Drogenmengen.
Bei einem Tatverdächtigen finden die Ermittler große Drogenmengen. © Red

Im Rahmen des groß angelegten Einsatzes seien insgesamt zehn Objekte in Gießen, Wißmar, Marburg und Mücke durchsucht worden, sagt der Oberstaatsanwalt. Außerdem konnten laut BKA Vermögensarreste in Höhe von rund 350 000 Euro vollstreckt werden. Die Ermittler stellten weiter einen Ferrari 488 Spider (Neupreis ab 247 000 Euro) sowie 36 000 Euro Bargeld sicher.

Polizei-Großeinsatz in Gießen und Marburg: Drogen kamen aus den Niederlanden

Der 45 Jahre alte, in Gießen festgenommene Hauptverdächtige soll laut BKA seine kriminellen Kontakte ins Ausland genutzt haben, um regelmäßige Heroinlieferungen im Kilogrammbereich aus den Niederlanden nach Deutschland zu veranlassen. Das Rauschgift soll von Kurieren in Autos sowie in einem Fall in einem Wohnmobil über die Grenze geschmuggelt und im Inland gewinnbringend weiterverkauft worden sein.

Außerdem soll der Hauptbeschuldigte diverse Kokaintransporte im europäischen Ausland mitorganisiert haben. Um das Kokain in Autos sicher durch mögliche Grenzkontrollen bringen zu können, sollen die Rauschgiftkuriere dafür eigens eingebaute Schmuggelverstecke genutzt haben. (Kays Al-Khanak)

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