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Das Gefahrenabwehrzentrum an der Straße Stolzenmorgen wächst in die Höhe. FOTOS: SCHEPP

Baustelle

Grundsteinlegung des Gießener Gefahrenabwehrzentrums

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In zwei Jahren soll das Gefahrenabwehrzentrum im früheren US-Depot bezugsfertig sein. Bei der Grundsteinlegung wird deutlich: Es wird in Zukunft nicht nur dem Brandschutz dienen.

Es wurde weiter gehämmert und gebohrt, im Hintergrund schwebte ein Bauteil am Kran vorbei. Für eine Grundsteinlegung im D-Zug-Tempo muss man die Arbeiten nicht stoppen. Nach zwei kurzen Ansprachen von Landrätin Anita Schneider und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz war der offizielle Akt am Montagmittag am Stolzenmorgen im früheren US-Depot beendet. Eine 20-minütige Pause wäre wohl drin gewesen: "Wir sind im Zeitplan", sagte Landrätin Schneider.

Der sieht vor, dass das gemeinsame Gefahrenabwehrzentrum Gießen (GAZG) von Stadt und Landkreis Gießen im ersten Quartal 2022 von der städtischen Berufsfeuerwehr, der Leitstelle für den Katastrophenschutz sowie dem Feuerwehrtechnischen Zentrum des Landkreises bezogen wird. Der weitläufige Komplex, für dessen Umrundung man 500 Schritte braucht, soll langfristig für mehr Sicherheit in Mittelhessen im Katastrophenfall sorgen. Welche Szenarien die Landrätin vor Augen hatte, ließ sie offen, aber die Politik fühlt sich mit dem GAZG gewappnet. "Die Gefahren werden größer und anders sein", sagte Schneider. Mit der neuen und dreimal größeren Leitstelle könne Gießen auch anderen mittelhessischen Kreisen aushelfen, sollte deren Leitstelle ausfallen.

Keine neue Kostenschätzung

Ob der neue Feuerwehrstützpunkt zur Gefahr für die beiden Haushalte wird, wurde in den Reden nicht thematisiert. Am Rande der Grundsteinlegung gaben Landrätin und OB keine neuen Kostenprognosen ab. Die Stadt, deren Hochbauamt das Großprojekt federführend steuert, und der Kreis schauen momentan von Auftragsvergabe zu Auftragsvergabe. "Wir haben im Moment überall Baukostensteigerungen zwischen 15 und 20 Prozent. Das ist die bittere Wahrheit", meinte Schneider und Grabe-Bolz pflichtete bei. "Eine neue Gesamtkostenschätzung wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös."

So bleibt es bei der vorerst letzten, die sich bei 32 Millionen Euro bewegte. Auch wenn sich die Kosten noch erhöhen sollten, wonach es aussieht, bleibt es bei der prozentualen Verteilung: 54 Prozent zahlt die Stadt, 46 Prozent der Kreis; vom Land kommt ein gedeckelter Zuschuss in Höhe von knapp 2,5 Millionen. Gewürdigt werde damit auch die interkommunale Zusammenarbeit bei der Nutzung des GAZG. Diese Zusammenarbeit sei "einzigartig in Hessen", sagte die OB.

Das U-förmig konzipierte Zentrum, das seit dem ersten Spatenstich im vergangenen Sommer bereits Konturen annimmt, wird zweigeschossig errichtet und über eine Nutzfläche von gut 11 000 Quadratmetern verfügen, der umbaute Raum umfasst gut 56 000 Kubikmeter.

Im Erdgeschoss befinden sich Versammlungs- und Schulungsräume, im Obergeschoss die Büros und Leitstelle der Gefahrenabwehr des Landkreis Gießen sowie die Büro, Ruhe- und Aufenthaltsräume der Berufsfeuerwehr. Die Fahrzeughallen und Werkstätten sind in zwei Gebäudeflügeln untergebracht, die einen gemeinsamen Werkstatthof umschließen.

Grüne Welle für die Feuerwehr

Die Übungsbereiche befinden sich im nördlichen Bereich des insgesamt 2,3 Hektar großen Grundstücks. Die freiwilligen Feuerwehren aus dem Landkreis können diese Bereiche für Training und Technikausbildung nutzen.

Das Tragwerk ist als Stahlbeton-Skelettbau geplant. Die Fassaden werden aus vorgefertigten Holzrahmenbauelementen bestehen, die dem Stahlbetontragwerk vorgehängt werden.

Um im Ernstfall rechtzeitig an den Orten des Brand- oder Unfallgeschehens zu sein, müssen die Kreuzungen in und außerhalb des Depotgeländes mit einer entsprechenden Alarmsteuerung ausgerüstet werden, damit die Feuerwehr auf einer grünen Welle in die Stadt fahren kann. "Die Leerrohre dafür wurden bei den Tiefbauarbeiten bereits verlegt", erläuterte Sebastian Bravetti vom Hochbauamt.

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