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Die Verantwortlichen führen den Spatenstich für das neue Wohnheim aus.

Autofreies Studentenwohnheim

Grüne Parkanlage statt grauer Parkplatz

  • VonKim Luisa Engel
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Im Herbst 2023 soll das neue Wohnheim im Gießener Südviertel fertig werden. Das Besondere daran: Lebensqualität durch Autofreiheit. Am Dienstag war Spatenstich.

Nach einer Baustelle sieht der ehemalige Sportplatz zwischen der Bernhard-Itzel-Straße und der Carl-Franz-Straße im Gießener Südviertel auf den ersten Blick nicht aus. Ein großes, weißes Zelt steht darauf. Innendrin Stehtische mit Körben voller Limo-Flaschen, ein DJ spielt Musik.

Was zunächst einem Sommerfest ähnelt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als der offizielle Spatenstich für das neue Wohnheim »Westside«. Auf der anderen Seite des Zeltes ist bereits ein Erdwall aufgeschüttet, Spaten stecken darin - an ihnen hängen weiße Bauhelme mit Studentenwerk-Logo.

Der Geschäftsführer des Studentenwerk Gießen, Ralf Stobbe, sagte, er selbst sei mit dem Fahrrad zum Festakt gekommen. »Man ist flott da, es ist nachhaltig und macht auch noch Spaß.« Klimaschutz und Nachhaltigkeit seien das Motto des neuen Studentenwohnheims. Das besondere ist nämlich, dass sich jeder Bewohner beim Unterschreiben des Mietvertrages auch zur Autofreiheit des Standortes bekennen muss (die GAZ berichtete).

Für die 351 Studierenden der THM und JLU wird es nämlich gerade einmal fünf Pkw-Stellplätze geben - dafür aber 351 Innenfahrradstellplätze. Zwei überdachte Fahrradreparaturstationen, eine Ladestation für E-Bikes und Parkplätze für Lastenräder sollen die Attraktivität des Angebotes weiter steigern.

»Hier wird ein neues Lebensgefühl, eine neue Lebensart aufgegriffen«, sagte auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Der Trend, kurze Wege zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, sei längst weit verbreitet unter jungen Leuten. Die Hilfe aller sei gebraucht, so die OB, wenn Gießen bis zum Jahre 2035 klimaneutral werden wolle.

Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn ist es wichtig, dass junge Menschen das Potenzial bekommen sich zu entfalten. Dazu bräuchten sie Chancengleichheit, auch was den Geldbeutel betreffe. Kostengünstige Mieten im Wohnheim würden dazu beitragen. Außerdem sei so ein Rahmen für Austausch und Diskurs zwischen den Studierenden gegeben. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir betonte, dass ihm das Projekt besonders am Herzen liege. Sein Anspruch sei es, für alle Menschen in Hessen gute Wohnungen zu bezahlbaren Preisen zu schaffen. Deshalb stelle das Land »Rekordmittel« bereit, um den Wohnungsmarkt an Hochschulstandorten zu entlasten. Bei den geplanten Baukosten von etwa 31 Millionen Euro werden 16,6 Millionen durch die hessische Landesregierung gefördert.

Johannes Deinzer, JLU-Student und Verwaltungsratsmitglied des Studentenwerks, beschrieb das »Westside« als die »eierlegende Wollmilch-Wohnheimsau« - denn sie vereine Nachhaltigkeit mit Lebensqualität. Statt einem grauem Parkplatz entstehe im Südviertel nun eine grüne Parkanlage. Zwar sei die Miete mit über 300 Euro an der Obergrenze des Möglichen für Studenten, dennoch liege sie deutlich unter dem privaten Bereich. »Wir haben allen Grund zu feiern«, schloss er.

Warmmiete bis 369 Euro

Die Architekten von Staubach und Partner aus Fulda planten das Gebäude, dessen Baustoffe weitgehend recyclebar und schadstofffrei sein sollen. Tageslicht auf den Fluren sorgt für Sicherheitsgefühl, Waschsalon und großzügiges Foyer sollen zur Begegnung einladen. Das Wohnheim beinhaltet insgesamt 275 Einzel- appartements mit einer Größe von 18 bis 31 Quadratmetern, acht davon barrierefrei. Zusätzlich sollen 19 Vierer-WGs entstehen, drei davon barrierefrei. Die Warmmiete liegt zwischen 336 und 369 Euro.

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