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Kandidatenkür auf dem Grillplatz: »Alex« Wright will OB werden.

Oberbürgermeisterwahl Gießen

Grüne küren OB-Kandidat Wright bei Grillhütten-Versammlung

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Nach ihrem fulminanten Wahlsieg bei der Kommunal- wollen es die Grünen nun bei der Direktwahl des Stadtoberhaupts Ende September wissen: Zum OB-Kandidaten haben sie am Samstag Alexander Wright gewählt.

Wer sich wie die Gießener Grünen am Samstag zur Parteiversammlung ins Freie begeben hatte, der muss den Wert von Bäumen als Schatten- und Frischespender nicht extra in Reden und Programmen betonen. Die rund 50 anwesenden Mitglieder von Kreis- und Stadtverband waren für jeden Schatten, der am Nachmittag auf dem Kleinlindener Grillplatz am Hellberg lag, dankbar. Im Schnelldurchlauf kürten Kreis- und Stadtverband mit Kerstin Gromes und Alexander Wright ihren beiden Kandidaten für die Landrats- und Oberbürgermeister-Direktwahl am 26. September. Von den 34 Mitgliedern des Stadtverbands stimmten in geheimer Abstimmung 31 für den 33-jährigen Studienrat, drei gegen ihn.

Wright, der seit April Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtparlament ist, hatte zuvor bei brütender Hitze ein energisches Plädoyer für durchgreifende Veränderungen gehalten, damit Gießen das bereits 2019 vom Stadtparlament gesteckte Ziel der Klimaneutralität bis 2035 auch erreicht. »Wir müssen was tun. Nicht übermorgen oder irgendwann, sondern jetzt und gleich«, sagte Wright.

Der Weg zur Klimaneutralität komme einer durchaus auch beschwerlichen Bergexpedition auf einen 4000er gleich. Auf die wolle er seine Partei und die Gießener mitnehmen. Bei den vielen kleinen Schritten will er offenbar auf Anreize und nicht auf Verbote setzen. Die Stadt sollte Gastronomen, die ihren Außerhausverkauf mit Mehrweggeschirr anbieten ebenso unterstützen wie Handwerker, die ihre Autoflotte auf E-Antrieb umstellten.

Der Kandidat bekräftigte das Ziel der Grünen, den Motorisierten Individualverkehr in der Innenstadt zu reduzieren. In diesem Zusammenhang sprach Wright wieder von einer »autofreien Innenstadt«, während im Koalitionsvertrag von autoarm die Rede ist. Gemeint ist, dass die Bereiche innerhalb des Anlagenrings für Anwohner, Lieferanten und andere Anlieger befahrbar bleibt und dem Parksuchverkehr durch Wegnahme von Kurzzeitparkplätzen die Grundlage entzogen wird.

Uniplatz: Polizei keine Dauerlösung

Was die Dominanz des Autos städtebaulich anrichte, zeige zum Beispiel die untere Grünberger Straße. Wright: »Grün ist das nichts.«

Weiter will sich der grüne OB-Anwärter für die Vielfalt der Kultur einsetzen und vor allem die freien Kulturschaffenden im Nachgang der Corona-Krise unterstützen. Später, als es um den Koalitionsvertrag ging, wurde Wright auf die Situation am Univorplatz angesprochen. Die aktuelle Polizeipräsenz sei keine Lösung von Dauer: »Die Polizei kann da ja nicht ewig stehen.« Es müssten »kreative Lösungen« mit einer Platzbespielung her.

Die gemeinsame Mitgliederversammlung von Kreis- und Stadtverband ging anschließend in ein gemütliches Beisammensein über.

Was die Autofreiheit betrifft, müssen die Grünen übrigens selbst noch an sich arbeiten. Ober- und unterhalb der Grillhütte parkten schätzungsweise 20 Pkw. »Einige haben halt einen längeren Weg hierher oder ihre Kinder dabei«, hieß es entschuldigend.

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