Annalena Baerbock auf dem Berliner PLatz in Gießen.
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Annalena Baerbock auf dem Berliner PLatz in Gießen.

Bundestagswahl

Wahlkampf in Gießen: Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vor 1000 Zuschauern

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Einen kämpferischen Auftritt hat die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, im Rahmen ihrer Wahlkampftour in Gießen absolviert. Auf dem Berliner Platz waren zeitweise 1000 Zuschauer.

Gießen – Die Kanzlerkandidaten der Grünen, Annalena Baerbock, hat am Samstagnachmittag in Gießen ihre Partei sowie rund 1000 Zuhörer auf den Wahlkampfendspurt eingestimmt. Drei Wochen vor der Bundestagswahl streifte sie in einer kämpferischen halbstündigen Rede viele Politikfelder und hob vor allem hervor, was sie anderes machen will als CDU und SPD. Zum Kampf gegen den Klimawandel sagte sie: »Es wird sich nichts verändern, wenn die Grünen nicht in verantwortlicher Position in der Regierung sind. Das ist dann wie Klima ohne Schutz.«

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen war Baerbock nach ihrem Wahlkampfauftritt in Darmstadt nach Gießen gekommen. Während der Grünen-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt Alex Wright eine kurze Rede hielt, kam ihr grüner Wahlkampftourbus um 16.36 Uhr auf der Busspur am Berliner Platz zum Stehen. Und kurz nach 17 Uhr betrat sie unter dem lauten Jubel ihrer Anhängerschaft die Bühne. Dort forderte sie unter anderem mehr Tempo beim Klimaschutz. Geschehe dies nicht, sei das eine Gefahr für den Industriestandort Deutschland. »Es ist so, als fahren wir mit Vollgas gegen eine Hauswand und diskutieren dabei, ob man heftig in die Bremsen gehen sollte, weil die Gefahr des Reifenabriebs zu groß ist.« Sie forderte in diesem Zusammenhang mehr Alternativen bei der Mobilität, nannte dabei unter anderem die Reaktivierung von Bahnstrecken oder Spezialtarife für Bus und Bahn. »Ja, das geht alles nicht ohne Anstrengungen, und es wird Geld kosten. Aber alles andere hat uns in eine Sackgasse geführt.«

Kanzlerkandidatin in Gießen: Annalena Baerbock über die Ziele der Grünen

Sie erneuerte ihre Forderung, den Spitzensteuersatz für Reiche zu erhöhen. Gleichzeitig soll es mit einer Grünen Kanzlerin eine Kindergrundsicherung geben. Gerade bei diesem Punkt war der Jubel und der Applaus der Zuhörenden besonders laut und langanhaltend. Bei der Ausstattung von Schulen - in der aktuellen Pandemie zum Beispiel mit ausreichend Luftfiltern - solle der Bund wie die aktuelle Bundesregierung nicht nur darauf verweisen, dass Bildung Ländersache sei, sondern Verantwortung übernehmen. »Damit alle Kinder die gleichen Chancen bekommen.«

Weitere Themen waren neben dem Gesundheitswesen (»Applaus zahlt keine Mieten«), der Kampf gegen Steuerbetrug. Hintergrund ist die aktuelle Kritik an dem Grünen Finanzminister von Baden-Württemberg, der eine digitale Meldeplattform für Steuersünder gefordert hat. »Klar, dass das für Herzklabastern bei CDU, FDP und SPD sorgt«, sagte Baerbock. Der Kampf gegen Steuerbetrug habe für diese Parteien keine Priorität, In der Europapolitik solle Deutschland mehr Impulse für die Schaffung einer Werte- und Friedensunion setzen.

Wahlkampf der Grünen in Gießen: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock beantwortet Fragen

Außerdem forderte sie mit Blick auf die Machtübernahme der Taliban einen Abschiebestopp nach Afghanistan sowie einen Untersuchungsausschuss, der die Verfehlungen der Bundesregierung in dieser Frage aufarbeiten soll. »Das Wegducken, die Angst, Haltung zu zeigen, hat dazu geführt, dass Menschen zurückgelassen wurden«; damit sprach sie die Situation vieler Afghanischer Ortskräfte an, die für die Bundeswehr gearbeitet haben. Die Grünen hätten früh deren Evakuierung gefordert.

Nach ihrer halbstündigen Rede beantwortete sie noch Fragen aus dem Publikum. Auch dort ging es um das Thema Afghanistan, Toleranz gegenüber Menschen mit Behinderung und das Wählen ab 16. Hier hatte Baerbock eine klare Meinung: Es sei doch kaum vermittelbar, dass Menschen ab 16 Jahren arbeiten und Steuern zahlen würden. »Aber wählen dürfen sie nicht?«

Neben Baerbock und Wright hielten die Grünen-Kandidatin für das Landratsamt, Kerstin Gromes, der Kandidat der Partei für den Bundestag, Berzad Borhani, sowie der Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir kurze Reden.

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