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Grün, autoarm und festivaltauglich

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Von: Burkhard Möller

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Bis 2025 soll aus dem Brandplatz ein grünes Areal mit Flächen für mehr Außengastronomie, Veranstaltungen und den Wochenmarkt werden. Die Parkplatznutzung wird aufgegeben. © Oliver Schepp

Die Stadtregierung macht beim Thema Verkehr und Innenstadtentwicklung Tempo. Nun ist die Planung für einen autoarmen Brandplatz ausgeschrieben worden. Von den derzeit 70 Parkplätzen werden in drei Jahren nur noch einige für Anwohner und Behinderte übrigbleiben. Die »Festivalisierung« des Areals ist auch ein Ziel.

Marktplatz, Lindenplatz, Kirchenplatz, Berliner Platz, Brandplatz, Ludwigsplatz: An Plätzen mangelt es der Gießener Innenstadt nicht, aber »Brennpunkte des öffentlichen Lebens«, wie es in der Wikipedia-Definition für »Platz« heißt, sind eigentlich nur der Kirchenplatz und der Berliner Platz. Auf den anderen genannten Plätzen halten Busse oder stehen - die meiste Zeit - Autos. Auf dem größten Gießener Innenstadt-Platz wird sich das bis 2025 ändern. Das Stadt hat die »Neugestaltung des Brandplatzes und der Schlossgasse mit landschaftsgärtnerischer Planung und Verkehrsplanung« ausgeschrieben. Im kommenden Jahr soll geplant werden, der Umbau vom Parkplatz zu einem grünen Platz mit multifunktionaler Nutzung soll 2024 und 2025 erfolgen. »Eine Bürgerbeteiligung mit Anwohnern, Gewerbetreibenden, Marktbeschickern und der Öffentlichkeit ist vorgesehen«, heißt es in dem vom Planungsamt veröffentlichten Leistungsbild für einen »beschränkten Ideenwettbewerb«, an dem drei Planerbüros teilnehmen sollen.

Befahrbar für »Konzert-Trucks«

Die an die Planer gestellten Anforderungen wirken auf den ersten Blick etwas widersprüchlich, denn einerseits soll der im Moment »hochversiegelte« Brandplatz grüner und mikroklimafreundlicher werden, andererseits soll er Standort für den Wochenmarkt bleiben und zum Veranstaltungsort werden. Aufgrund seiner »stadtbildprägenden und zentralen innerstädtischen Lage« biete das Areal Möglichkeiten für eine »Festivalisierung«, heißt es in der Ausschreibung.

Folgerichtig lautet eine Anforderung, dass der Oberbau so zu erfolgen hat, dass der Platz von den Marktbeschickern sowie von Schwerverkehr wie »Konzert-Trucks« befahren werden kann. »Eine Veranstaltungsfläche mit hoher Traglast« soll im Konzept Berücksichtigung finden.

Gänzlich autofrei wird der Brandplatz nicht, eher autoarm. Die Nutzung als öffentlicher Parkplatz mit etwa 70 Plätzen wird aufgegeben, aber der Verbleib einer geringen Anzahl an Behindertenstellplätzen und Anwohnerparkplätzen sei denkbar.

Endgültig beerdigt hat die Stadt erwartungsgemäß das Thema Tiefgarage, die in der Ausschreibung keine Erwähnung mehr findet. Unter dem Platz soll vielmehr eine Regenrückhaltung eingebaut werden, um sommerlichen Stark-regen aufzufangen. Oben sollte Wasser als »Gestaltungselement« in Form von Wasserspielen und Trinkwasserspendern eingesetzt werden.

Regenrückhaltung statt Tiefgarage

Das Urteil der Stadtplanung über den heutigen Zustand mit der Parkplatznutzung fällt eindeutig aus: »Trotz seiner attraktiven Einfassung in die historische Randbebauung besitzt der Brandplatz keine Aufenthaltsqualität.« Damit sich die im Rahmen des Umbaus weiter verbessert, sollen »geeignete Standorte und ausreichende Flächen für die Außengastronomie« eingeplant werden, heißt es an einer Stelle.

Der zu überplanende Bereich hat eine Größe von fast 4500 Quadratmetern und umfasst neben dem Brandplatz selbst die Übergänge in den Landgraf-Philipp-Platz sowie die Senckenbergstraße und die komplette Schlossgasse bis zum Kirchenplatz.

Was die Verkehrsführung betrifft, wird in der Ausschreibung auf die in im Oktober erfolgte Ausweisung der Fahrradzone mit der Beendigung des Durchfahrtverkehrs von der Neuen Bäue zum Brandplatz verwiesen. Bezug wird ferner auf die 2023 geplante Beendigung der Parkplatznutzung am Lindenplatz genommen, wo es nur noch zwei Behindertenparkplätze geben wird. Die Parkplätze in der Marktlaubenstraße werden nur noch über den Brandplatz erreichbar sein. Mit dem Umbau des Brandplatzes dürften diese ebenfalls wegfallen. Gedanken sollen sich die Planer über eine »Durchwegung« des Areals für den Radverkehr auch an den Markttagen machen, denn der muss seit Corona und der Ausdehnung des Markts auf den Kirchenplatz Umwege nehmen.

Mit dem Umbau des Brandplatzes setzt die grün-rot-rote Koalition nicht nur eines ihrer zentralen Vorhaben für die Wahlperiode des Stadtparlaments bis 2026 um. Die Stadt muss Tempo machen, weil der Umbau nur bis 2027 aus dem Bund-Länder-Förderprogramm »Zukunft Stadtgrün« bezuschusst wird. Gießen war 2017 mit einem Entwicklungskonzept für den »Grünen Anlagenring« in das Programm aufgenommen worden.

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