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Drei Zeitzeugen: Petra Bröckmann mit Kenneth LaMouca und Chris Boppel (r.). FOTO: DKL

Großes Interesse am Depot-Film

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Die Premiere des Films "Patriots for Peace?" von Studierenden der Fachjournalistik Geschichte im Kino war ausverkauft. Mario Alves, Filmbeauftragter am Oberhessischen Museum, hat sich um die Vermittlung einer zweiten Vorführung bemüht. Und auch hier war der Andrang im Alten Schloss riesig.

Das Thema bewegt die Gießener nach wie vor: das einstige Depot der US-Armee. Es beanspruchte einst 20 Prozent der Stadtfläche, und doch war kaum etwas darüber bekannt in der Öffentlichkeit. Registriert wurde nur der kilometerlange Stacheldrahtzaun an der Grünberger Straße, der, wenn man so will, eine symbolische Front des Kalten Krieges mitten in Gießen war.

Der Film "Patriots For Peace?" von Studierenden der Fachjournalistik Geschichte gibt Einblicke. Zum Uni-Institut, unter Leitung von Prof. Ulrike Weckel, gehören Gruppenprojekte, in denen Studierende ein Thema erarbeiten. Daniele Castello, Jonas Feike, Henrik Drechsler, Meike Höppner und Dorothea Weis interessierten sich für die Geschichte des US-Depots. Bis auf eine Beteiligte kannten sie Gießen vor ihrem Studium nicht und waren überrascht, dass es hier amerikanische Militärpräsenz gab. Die Fünf nahmen im August 2018 an einer Depotführung teil, die Petra Bröckmann für die Tourist-Information dort durchführt. Sie vermittelte Kontakte zu verschiedenen Personen.

Sie wählten drei Protagonisten für Interviews aus, die unterschiedliche Lebenszusammenhänge hatten. Die langjährige Dolmetscherin am US-Depot Petra Roberts (heute Bröckmann), die mit einem Amerikaner verheiratet war, der US-Soldat Kevin LaMouca, der nach seiner Dienstzeit in Deutschland geblieben ist, und der Friedensaktivist Hans Christoph "Chris" Boppel.

Lehrstunde in politischer Bildung

Die Dokumentation grenzte die Gruppe auf den Zeitraum ein, den die Protagonisten erlebt hatten, also auf den Kalten Krieg der 1980er Jahre bis zu der Zeit von Mauerfall und Wiedervereinigung. "Wir lebten damals in der Angst, dass jederzeit ein Atomkrieg ausbrechen könnte", erinnert sich Boppel im Film, und später sagt er: "Anfang der 90er schien es so, dass tatsächlich Frieden möglich sei. Da hat sich was gewandelt."

Für Soldat LaMouca dienten die Raketen nur Friedenserhalt und Abschreckung. Er hätte "die Taste nicht gedrückt", meint er in der Rückbesinnung. Eine späte Überraschung für die Filmemacher war, dass er tatsächlich die im Depot gelagerten Atomsprengköpfe der Nato rund um die Uhr mit einer Gruppe bewachte. An die schöne Aussicht von den Wachtürmen auf die Burgenhügel erinnert er sich gern. Und abtransportiert worden seien die schon 1986. Was niemand mitbekommen habe, auch nicht die dort Arbeitenden, wie Bröckmann sagt.

Der Film dauert nur eine halbe Stunde, ist aber eine exzellente Lehrstunde in politischer Bildung. Angereichert ist er mit Originalaufnahmen des hr-Fernsehens von Demos und Paraden aus den Jahren 1981 bis 1990. Dass die drei Protagonisten sich am Ende des Films im Depot treffen und auch in der Gesprächsrunde gemeinsam auftreten, ist ein tröstlicher Moment.

Kevin LaMouca sorgte auch für Erheiterung, als er berichtete, mit welchen Vorstellungen er als junger Mann nach Deutschland kam. Er gehörte wohl zu den wenigen Soldaten, die wirklich den Kontakt suchten und Deutsche kennenlernen wollten; abseits von Einladungen zur Weihnachtszeit. Auf Nachfrage gab er die Ludwigstraßen-Kneipe Heckmeck als einen wichtigen Treffpunkt an.

Der Film soll demnächst online gestellt werden, dann kann er auch für den Schulunterricht genutzt werden.

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