"Straße der Experimente"

Großer Tag für kleine Forscher

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Bei Sonnenschein sind am Sonntag Tausende kleine und große Forscher zur "Straße der Experimente" gekommen. 28 Stationen luden zum Mitmachen ein.

Wissenschaft ist kein Kinderspiel und Probieren geht über Studieren. "Radioaktivität zum Essen" muss im Sinne des Fortschritts also nicht unbedingt schlecht sein. Richtig einladend wirkt er aber auch nicht, der Slogan, mit dem das Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz der Technischen Hochschule Mittelhessen bei der "Straße der Experimente" am Sonntag auf dem Universitätsplatz um die Gunst der Besucher wirbt. Immerhin: Neben Strahlung bekommt man bei Prof. Joachim Breckow und seinem Team gratis Bananen.

Dumm nur, dass das eine nicht ohne das andere zu haben ist. Bananen gäben "relativ viel natürliche Radioaktivität" ab, erklärt Breckow den Zuhörern. Das liege vor allem an ihrem hohen Kalium- und Kalziumgehalt – und sei "nicht weiter gefährlich". Noch zwei beruhigende Nachrichten hat der Professor: Ein Röntgenbild beim Zahnarzt entspreche der Menge Strahlung von 50 Bananen. Und "garantiert tödlich" seien erst 250 Lkw-Ladungen des beliebten Obstes.

Etwas gelassener führt der Weg zur Jugendwerkstatt. Dort wartet schon die nächste Delikatesse: das Spiel "Holzschädlinge bestimmen". Vom echten Hausschwamm über gewöhnliche und gescheckte Nagekäfer bis zum Hausporling und der Riesenholzwespe reichen die Beispiele bei Fachmann Marcus Gehrling. Zu sehen sind außer Fotos der Tiere allerdings nur ihre Hinterlassenschaften – zerstörtes Holz in allen Ausprägungen.

Zum unverzichtbaren Accessoire für Kinder mausert sich derweil der Gipsarm. Ob in Blau oder in Weiß, ob rechts getragen oder doch lieber links: Ohne Gips geht nix. Zumal das Mitbringsel vom Stand der Uniklinik auch wunderbar zum Sammeln von Unterschriften und netten Botschaften taugt, wie der sechsjährige Tilman und die ein Jahr ältere Alina ihrer Clique demonstrieren. Minuten später stehen alle um einen Gipsarm an.

Ähnlich beliebt sind die Physiker der Justus-Liebig-Universität. Ihr Erfolgsgeheimnis wird erst gelüftet, wenn man neben das Zelt tritt. Was frontal noch aussah wie "Hau den Lukas" mit einer großen Trommel, entpuppt sich dann als veritables Experiment. Vorne hauen die Kinder auf eine Stofffläche, hinten steht eine Kerze, die es mit dem Schalldruck auszublasen gilt.

Insgesamt 28 Stationen laden so den ganzen Tag über zum Mitmachen ein. Das Rote Kreuz zeigt etwa die "Erstdefibrillation durch Laien" und die Polizei Mittelhessen einen Konzentrationstest mit "Rauschbrillen"; die Grundschule Steinbach widmet sich der Sensortechnik, während die Theodor-Litt-Schule unter anderem Bürstenroboter ausstellt. Ein besonderer Höhepunkt ist zudem die Experimentiershow "Vom Urknall bis zur Babywindel" mit dem WDR-Wissenschaftsredakteur Joachim Hecker.

Am Ende haben Tausende die elfte Auflage der "Straße der Experimente" besucht, die das Mathematikum wieder in Zusammenarbeit mit der Gießen Marketing GmbH organisiert hatte. Viele von ihnen dürften besonders eine Erkenntnis mit nach Hause genommen haben: Richtig präsentiert, ist Wissenschaft manchmal ein Kinderspiel. Oder, wie Prof. Albrecht Beutelspacher, der Leiter des Mathematikums, es bei der Eröffnung ausgedrückt hatte: "Heute sind wir alle kleine Forscher."

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